Gemeinden der Region
Pforzheim -  24.03.2026
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Künstler-Wohnprojekt neben Lebensmittelfabrik: Scheitert Projekt „Alter Schlachthof“?

Pforzheim. Eines der geplanten Gebäude des visionären Projekts am alten Schlachthof, das einmal Künstlerateliers, Kleingewerbe und kleine Wohneinheiten beherbergen soll, muss wohl weichen. Der Gemeinderat hat am Dienstag beschlossen, dass eine Pufferzone zwischen dem Wohnprojekt und dem angrenzenden Betrieb „Gastro Master Aldinger“ entstehen muss. In dieser ist eine Wohnbebauung explizit verboten.

So sieht die Vision des Schlachthof-Areals aus: Kunst, Wohnen, Leben.
So sieht die Vision des Schlachthof-Areals aus: Kunst, Wohnen, Leben. Foto: BÜRO LÖFFLER_SCHMELING

Damit soll Planungssicherheit geschaffen werden. Denn sowohl der Verein Gewerbekultur, der hinter dem Projekt des alten Schlachthofs steht, als auch der Lebensmittelbetrieb „Gastro Master Aldinger“ wollen nicht, dass später das böse Erwachen in Form von rechtlichen Klagen der jeweils anderen Seite folgt. Die Stadträte bekräftigten fast durch die Bank weg: Man wolle sowohl das innovative Wohnprojekt weiter realisiert sehen, als auch dem seit Jahren etablierten (und Gewerbesteuer zahlenden) Großbetrieb nicht das Geschäft erschweren. Was sich daraus ergibt, ist eine schwierige Moderatorenfunktion – und endlose Schleifen durch die Bürokratie.

So werden sich die notwendigen Formalitäten, deren Abschluss eigentlich auf Ende 2026 angesetzt war, weiter verzögern. Statt eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans soll nun ein gemeinsamer Bebauungsplan sowohl für das Grundstück des alten Schlachthofs als auch für das Grundstück des Lebensmittelbetriebs her, damit alle künftig Planungssicherheit haben. Das alles dauert jedoch sehr lange, was Stadtrat Axel Baumbusch (Grüne Liste) zu der Bemerkung führte: „Ich werde das Gefühl nicht los, dass man die GEwerbekultur aushungern will.“ Seit langem ist es ein Hin und Her, das für die Projektierer mehr und mehr zur Hängepartie wird. Sie sind unter anderem auf Fördergelder vom Land angewiesen, wofür sie dringend benötigten Wohnraum schaffen.

Beide Seiten hätten berechtigte Interessen, sind sich alle Fraktionen einig. Es gelte, beide unter einen Hut zu kriegen. Mit der jetzt beschlossenen Pufferzone (24 Ja-Stimmen und acht Nein-Stimmen) geht der Gemeinderat einen Schritt auf „Gastro Master Aldinger“ zu. Wie Stadtrat Felix Herkens (Bündnisgrüne) betonte, dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass sich hier zwei verfeindete Parteien gegenüberstünden.

Man sei trotz aller Hindernisse „auf einem guten Weg“, sagte Baubürgermeister Tobias Volle, der die schwierige Aufgabe hat, die Bedürfnisse von Wohnen und Gewerbe direkt nebeneinander unter einen Hut zu bringen. Aber es kann sich lohnen. Wie Axel Baumbusch sagte, stünde so ein kreatives und urbanes Wohnprojekt der anderen Art einer Großstadt wie Pforzheim gut.

VG WORT Zählmarke