Kunst eröffnet ein Stück Freiheit: Werkschau des Lebenshilfe-Ateliers in neue Hände übergeben
Pforzheim. Pforzheim. Bei der Werkschau des Lebenshilfe-Ateliers wird die langjährige Leiterin und Künstlerin Dorothea Rogulja-Wagner feierlich verabschiedet.
Die Bilder lassen großformatige Blumen blühen, Insekten fliegen, porträtieren Menschen in unterschiedlichsten Situationen. Sie geben Träume wieder, Wünsche, Reales und Irreales, und jedes spricht deutlich von der Künstlerpersönlichkeit, die es geschaffen hat. Und diese Künstlerinnen und Künstler verfügen nicht nur über technisches Können, sie verstehen es, ihre Bildmotive den Betrachtern eindrücklich zu vermitteln. Sie alle müssen gegen ihre intellektuellen Beeinträchtigungen für die Kunst anarbeiten – und öffnen sich dabei ein Stück persönliche Freiheit und Ausdrucksmöglichkeit.
Kraftvolle Farbigkeit
Die Bilder lassen mit ihrer durchgehend kraftvollen Farbigkeit die langen Gänge der Lebenshilfe erstrahlen, leider nur für einen Abend, bei der außerordentlich gut besuchten Werkschau des eigenen, von Dorothea Rogulja-Wagner geleiteten Ateliers. Sie kam vor 21 Jahren auf Vermittlung des 2021 verstorbenen Alt-Landrates Heinz Reichert zur Lebenshilfe. Nun übergibt sie die Aufgabe in die jüngeren Hände von Evelyn Schmidt.
Bei Würth in der Sammlung
Aus den Begrüßungsworten von Lebenshilfe-Vorsitzendem Oliver Keppler spricht Freude und Stolz, wenn er erzählt, dass Arbeiten des Ateliers bereits in Stuttgart, Birkenfeld, Neuenbürg und im Pforzheimer Reuchlinhaus ausgestellt waren und sich etliche in Sammlungen befinden, beispielsweise bei Reinhold Würth und der Sparkasse Pforzheim Calw.
Der Lebenshilfe eng verbunden ist Gerhart Odenwald, Vorsitzender des Lionsclub-Fördervereins. Zusammen mit Dorothea Rogulja-Wagner entwickelte er die Idee für die große Werkschau, die dann im Frühjahr 2025 zuerst im Reuchlinhaus zu sehen war. Nun will Odenwald sich dafür einsetzen, dass das Atelier größere Räume bekommt. Zurzeit können nämlich nur vier Personen gleichzeitig arbeiten.
Mit 80 Jahren mit dabei
Dorothea Rogulja-Wagner, die an diesem Abend verabschiedet wird, stellt die Künstlerinnen und Künstler des Ateliers vor, die sich mit 81 Arbeiten in der Werkschau präsentieren. Joan Arkosi ist mit über 80 Jahren der älteste, Friederike Gimm ist seit 1995 dabei, und auch Ines Scheuerpflug ist mit ihren Arbeiten seit Jahren weithin bekannt.
Rogulja-Wagner betont, dass bei künstlerischer Arbeit eine Behinderung keine Rolle spiele und auch keine kunstpädagogische Beeinflussung notwendig sei. Das vertrauensvolle und zugewandte Verhältnis zeigt sich in einem gemeinsamen Geschenk der Künstler, das Daniel Geißler an die scheidende Atelierleiterin überreicht.
An der Werkschau beteiligt waren: Ines Scheuerpflug, Nina Paegel, Joan Arkosi, Julia Burkhardt, Daniel Geißler, Sandra Lutz, Franziska Leicht, Titus Dreher, Friederike Gimm, Linda Lam, Cilem Dermici und Martina d’Alleva.
