Gemeinden der Region
Nordschwarzwald -  07.01.2022
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Landtagsabgeordneten der Region stehen Frage und Antwort zu wichtigen Frauenthemen

Nordschwarzwald. Rund 200 Tage, nachdem der 17. Landtag von Baden-Württemberg gewählt worden ist, suchen der Paritätische Regionalverbund Nordschwarzwald und seine Mitgliedsorganisationen beim Sozialpolitischen Fachforum, kurz SoFa, den Austausch mit den gewählten Landtagsabgeordneten aus den Wahlkreisen Calw, Enzkreis, Freudenstadt und Pforzheim. Aus Pandemie-Gründen konnten die Beteiligten nicht wirklich auf dem Sofa Platz nehmen, sondern haben sich digital getroffen.

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Themen wie die finanzielle und gesundheitliche Situation von beispielsweise Schwangeren oder sexarbeitenden Frauen sowie die Hilfe für gewaltbetroffene Frauen wurden in der Veranstaltung aufgegriffen.

Stefanie Seemann (Die Grünen/Enzkreis) und Professor Erik Schweickert (FDP/Enzkreis) standen in der rund zweistündigen Veranstaltung sieben Vertretern paritätischer Mitgliedsorganisationen Rede und Antwort zu Themen, wie: die prekäre Gesundheitssituation von Schwangeren und Sexarbeitenden mangels medizinischer Versorgung und finanzieller Förderung, die Forderung nach einer gesicherten Finanzierung von Frauenhäusern und den kostenfreien Zugang und Schutz für von gewaltbetroffene Frauen und ihren Kindern, die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund sowie die große Wohnungsnot.

„Seit 2020 gibt es in der Region Pforzheim und Enzkreis kein Angebot für Frauen zum Abbruch in der Frühschwangerschaft“, stellte Edith Münch, Geschäftsführerin von pro familia Pforzheim fest. Die große Versorgungslücke führe für Frauen und Familien in der Region zu einer schlechteren gesundheitlichen Versorgung, zu weiteren Benachteiligungen und zu einer verschlechterten Lebenssituation. Auch die Versorgung von schwangeren Frauen durch Hebammen sei derzeit nicht ausreichend, „Frauen müssen oftmals für die Geburt bis zu 50 Kilometer zurücklegen“, schildert Münch die Situation.

Die mangelnde medizinische Versorgung beklagte auch Claudia Jancura, Geschäftsführerin der Aidshilfe Pforzheim: „Gerade für Menschen ohne Krankenversicherung fehlt es an medizinischer Versorgung.“ Mit den mobilen Teams der Aspasia-Fachberatungsstelle für Prostituierte ermögliche die Aidshilfe Sexarbeitenden an deren Aufenthalts- und Arbeitsorten einen niedrigschwelligen Zugang zu Beratung und Hilfestellung. Betroffene von häuslicher und sexualisierter Gewalt und Zwangsprostitution sowie Betroffene von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung, würden bei der Umsetzung der Istanbul-Konvention vergessen, so Jancura. „Wir brauchen für diese Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung, ausreichend Schutzraum und eine nachhaltige Finanzierung der Beratungsangebote.“

Autor: pm