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Schömberg -  09.02.2023
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Lost Place Charlottenhöhe in Schömberg kommt erneut unter den Hammer

Schömberg. Im Sommer 2021 schien die bis dato unrühmliche Geschichte der Charlottenhöhe eine Wendung zu nehmen. Bei der Zwangsversteigerung brach ein regelrechtes Wettbieten um die baufällige ehemalige Lungenheilanstalt los. Schließlich erhielt ein Mann aus Mannheim für knapp 1,3 Millionen Euro den Zuschlag. Doch der hat bis heute nicht gezahlt.

Sieben Gebäude und 6000 Quadratmeter Grundstück zählen zur Charlottenhöhe. Das Areal liegt seit rund einem Vierteljahrhundert brach.
Sieben Gebäude und 6000 Quadratmeter Grundstück zählen zur Charlottenhöhe. Das Areal liegt seit rund einem Vierteljahrhundert brach. Foto: Meyer (Archivfoto)

Die Gemeinde Schömberg, die als Gläubiger nach wie vor auf über 300.000 Euro hofft, hat nun erneut eine Zwangsversteigerung beantragt. Das bestätigt sowohl das Rathaus als auch das Amtsgericht Calw, das mit dem Verfahren abermals betraut ist. Der Antrag liege bereits seit Dezember vor, so die Direktorin des Amtsgerichts, Brigitte Lutz. „Ein Versteigerungstermin ist noch nicht bestimmt“, schreibt sie auf Anfrage. Auf der Internetseite des Amtsgerichts Calw sind aktuell keine Immobilien zur Zwangsversteigerung aufgeführt.

Ob der Termin dann wieder in einem Wettbieten ausartet wie schon im Sommer 2021? Klar ist, dass das Unternehmen aus dem Bodenseeraum, das dem damaligen Höchstbietenden knapp unterlegen war, lange Zeit noch Interesse an der Charlottenhöhe zeigte. Es wollte die Immobilie offenbar unbedingt. Kurz nach der Zwangsversteigerung im Sommer 2021 arbeitete die Firma aus der Baubranche noch an einem Deal mit dem vorangegangenen Besitzer der Charlottenhöhe, der noch möglich gewesen wäre, aber offensichtlich platzte. Und auch lange nach dem Termin beim Amtsgericht 2021 gab es regelmäßig Kontakt zur Gemeinde Schömberg, wie Kämmerer Ralf Busse damals bestätigte. Ob das Unternehmen heute noch Interesse hat, bleibt momentan leider unklar: Bei der Firma ist aktuell niemand zu erreichen, schriftliche Anfragen bleiben unbeantwortet.

Ein Fakt macht die ganze Geschichte auf jeden Fall noch kurioser: Die Charlottenhöhe ist in Besitz des Mannheimers, obwohl von dem bisher kein Cent der rund 1,3 Millionen Euro geflossen ist. „Eigentümer ist der Erwerber aus dem vorangegangenen Versteigerungsverfahren“, bestätigt Richterin Lutz. Das hatte auch der ehemalige Rechtspfleger des Amtsgerichts, Martin Ertle, schon gesagt, als das Geld nicht fristgerecht eingegangen war. „Der Ersteigerer ist der Besitzer. Unabhängig davon, ob er zahlt oder nicht.“ Ertle hatte die beiden Zwangsversteigerungen der Charlottenhöhe 2007 und 2021 geleitet und ist nun im Ruhestand. Der Mannheimer Höchstbietende hatte sich bei der vergangenen Zwangsversteigerung als Zwischeninvestor bezeichnet, aber nie konkrete Pläne für die Charlottenhöhe kommuniziert.

Schömberg hofft nun weiter, die über 300.000 Euro zu bekommen, die die Gemeinde schon vom vorherigen Besitzer haben wollte – wegen nicht gezahlter Beiträge, Versäumniszuschlägen, Mahngebühren und den Verfahrenskosten am Amtsgericht.

Und die Gemeinde ist nicht der einzige Gläubiger, der wegen der Charlottenhöhe noch Geld sehen möchte.

Autor: kri