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Pforzheim -  20.03.2026
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Mann wirft Brandsatz auf Polizisten: Unterbringungsprozess gegen Pforzheimer Angreifer

Pforzheim. Pforzheim/Karlsruhe. Ein 32-jähriger Pforzheimer bedroht im August 2025 seine in Fulda lebende Ex-Partnerin, Mutter des gemeinsamen Sohns, mit dem Tod. Die Frau bringt das zur Anzeige, der Fall wandert aus dem Hessischen nach Pforzheim, dort bereitet die Polizei eine Gefährderansprache vor. Dann, am Tag vorher, geht die Information aus Fulda ein, dass der Mann eine Pistole besitzen soll. Und deshalb wollen fünf Polizisten am 8. August 2025 in der Luisenstraße nicht nur mit dem 32-Jährigen sprechen, sondern auch eine Hausdurchsuchung durchführen.

Mit einem Großaufgebot waren Polizei und Feuerwehrkräfte im August in der Luisenstraße im Einsatz, um die Wohnung des Mannes zu durchsuchen.  Röhr
Mit einem Großaufgebot waren Polizei und Feuerwehrkräfte im August in der Luisenstraße im Einsatz, um die Wohnung des Mannes zu durchsuchen. Röhr Foto: Röhr

Weil der Türkischstämmige aber nicht nur nicht mit sich reden ließ, sondern laut Anklage auch noch einen Brandsatz auf die Polizisten im Treppenhaus warf, muss er sich seit Freitag vor einem Karlsruher Schwurgericht verantworten: Wegen vierfachem versuchten Mord in Tateinheit mit Angriff auf Vollstreckungsbeamte sowie dreifacher gefährlicher Körperverletzung.

Allerdings eher theoretisch, denn Oberstaatsanwalt Nils Fabian Gertler beantragte für den Beschuldigten bereits in seiner Anklageverlesung die Unterbringung in einer Psychiatrie, da er aufgrund einer akuten paranoiden Schizophrenie nicht Herr seiner Taten gewesen sein soll. Deshalb handelt es sich bei dem Fall um ein Unterbringungsverfahren.

Die Luisenstraße war bis etwa 18.15 Uhr gesperrt.
Die Luisenstraße war bis etwa 18.15 Uhr gesperrt.

Der Lebenslauf des 32-Jährigen gestaltete sich weitestgehend unspektakulär: Er wuchs in der Region auf, hatte allerdings Probleme an der Schule und ging ohne Abschluss nach der 10. Klasse ab. Im Anschluss machte er eine Malerausbildung, arbeitete einige Jahre als Geselle und schloss 2021 eine Umschulung ab. In dieser Zeit kam er dann auch mit der Fuldaerin zusammen, der gemeinsame Sohn wurde Anfang 2022 geboren.

Eine Zäsur im Leben des Angeklagten scheint ein Mofa-Unfall 2021 gewesen zu sein. Vier Monate verbrachte er im Krankenhaus. In der Folge wurde ihm in der Probezeit gekündigt, der 32-Jährige ist seitdem krankgeschrieben.

Ein gefährlicher Wurf

Aber was geschah an diesem Augustnachmittag eigentlich, dass drei Polizisten kurzfristig im Feuer standen? Dazu machten zwei der Beamten am Freitag Aussagen. Man habe wiederholt geklopft und gerufen, allerdings keine Antwort erhalten, sagt ein altgedienter Polizist im 40. Dienstjahr. Da es aber klar schien, dass jemand sich in der Wohnung befand, begann man damit, die Tür aufzubrechen.

Nach einigen Stößen mit der Ramme öffnete sich die Tür, ein Brandsatz flog ins Treppenhaus zwischen die Beamten und auf rund vier Quadratmetern brach ein Feuer aus. Die Polizisten gingen in Deckung und Rauch quoll aus der Wohnung. Deshalb und wegen der möglichen Schusswaffe habe man allerdings nicht zum Sturm auf die Wohnung angesetzt. Später kam der Beschuldigte dann von sich aus der Wohnung, ließ sich aber nicht ohne Widerstand abführen. Das Feuer in der Wohnung war da bereits erloschen. Noch Tage später roch es im Treppenhaus stark nach verbranntem Plastik. Schwarzer Ruß hing in den Spinnenweben über der Eingangstür der Wohnung. Die Nachbarn gaben sich gegenüber der PZ damals verwundert: Auffällig sei der Mann angeblich nie gewesen.

Ein halber Liter Aceton?

Wie gefährlich der Brandsatz nicht nur für die Polizisten und den Beschuldigten war, sondern auch für die anderen Bewohner in dem sechsstöckigen Mehrfamilienhaus, verdeutlichte der Brand-Sachverständige Jan Kramer. Mit dem schätzungsweise halben Liter Aceton in der Flasche wäre es problemlos möglich gewesen, die Polizisten schwer oder lebensgefährlich zu verletzen. Auch hätte das Treppenhaus in Brand geraten können. Die Wohnung des 32-Jährigen sei aber auf jeden Fall unbewohnbar gewesen.

Der Prozess wird am Freitag, 27. März, fortgesetzt.

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