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Pforzheim -  30.05.2026
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Mehr Sonne geht nicht in Pforzheim: DWD spricht von außergewöhnlichem Wetterereignis

Pforzheim. Seit 1961 zeichnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) an der Station Pforzheim-Ispringen das Wetter auf – und noch nie war eine letzte Mai-Dekade so warm wie diese. Das sagt Uwe Schickedanz, Leiter der Niederlassung des DWD in Stuttgart. Er spricht von einem „außergewöhnlichen Ereignis“ und meint damit die Länge dieser ersten Hitzewelle des Jahres zu diesem Zeitpunkt.

Sonne satt
Rund 150 Stunden lang schien in der letzten Mai-Dekade (21. bis 31. Mai) die Sonne. Viel mehr geht nicht. Foto: Arno Burgi/picture alliance/dpa (Archivfoto)

„Die Durchschnittstemperatur – also Tages- und Nachtwerte zusammen – wird auf jeden Fall über 20 Grad liegen“, prognostiziert Schickedanz. „Im Zeitraum von 21. bis 31. Mai lag der höchste gemessene Wert für Pforzheim bisher bei etwa 19 Grad.“ Auch die Sonnenausbeute in diesen elf Tagen sei enorm und liege bei rund 150 Stunden: „Mehr Sonne geht nicht“, sagt der Meteorologe, „das ist am Rande dessen, was klimatologisch möglich ist“. Und was erwartet uns sonst so? Der Sommer kommt ja erst noch. Auch das hat Schickedanz der PZ verraten.

Temperaturen und ihre Flausen

So ziemlich jeder stöhnt: Immer diese Temperatursprünge von einem auf den nächsten Tag! Sind sie wirklich so extrem und ist das anders als früher?

Die Antworten lauten: Ja und Nein. Ja, die Temperatursprünge sind wirklich extrem, sagt auch Meteorologe Schickedanz. „Es muss nicht jedes Jahr passieren, aber das Potenzial besteht immer.“ Das liege an den geografischen Randbedingungen Europas. „Im Mittelmeerraum herrschen im Frühjahr schon hohe Temperaturen, während es in Nordskandinavien teilweise noch sehr kalt ist.“ Hinzu komme der hohe Sonnenstand: „Ende Mai entspricht er ungefähr dem von Ende Juli. Wenn die Luftmasse in Ruhe gelassen wird und kaum Wolken vorhanden sind, steht sehr viel Energie zur Verfügung, um die Luft stark aufzuheizen“, erklärt Schickedanz. „Und genau das erleben wir jetzt gerade, weil wir eine enorme Sonnenscheinausbeute haben.“

Dass die Temperatursprünge früher weniger extrem waren, mag gefühlt für einige Ältere so sein, entspricht aber nicht der Realität. Schickedanz: „Dass wir im Frühling große Temperaturgegensätze zwischen Nordskandinavien und Südspanien haben, ist ein altes Phänomen. Das gab es schon zu Zeiten unserer Urgroßeltern.“ Was aber zur Diskussion stehe, sei die Frage, ob die Extreme durch den Klimawandel stärker ausgeprägt würden. „Im warmen Bereich nehmen die Extreme eindeutig zu. Die Kälterückfälle gibt es aber weiterhin. Das haben wir Mitte Mai ja direkt zu den Eisheiligen auch erlebt.“ Es gebe die Theorie, dass die Extreme heutzutage insgesamt stärker ausfallen, „aber das wird derzeit noch untersucht und ist nicht abschließend gesichert“, so der Experte.

Auffällig ist derzeit, dass trotz der heißen Tagestemperaturen die Nächte angenehm kühl bleiben – anders als im Sommer. Woran liegt das?

„In trockener Luft sind die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht deutlich größer als in feuchter Luft“, erklärt der Meteorologe. Das hänge mit dem geringen Wasserdampfgehalt der Luft zusammen. Schickedanz: „Wasserdampf ist ein Treibhausgas. Ist mehr Wasserdampf in der Atmosphäre, wird nachts mehr Wärme gehalten.“ Wir haben aber momentan eine sehr trockene Luftmasse, deshalb gingen die Temperatur nachts stark zurück.

El Niño und seine Folgen

Nicht nur die Temperaturen brodeln derzeit in Deutschland, auch die Gerüchteküche rund um das Wetterphänomen „El Niño“. Was ist dran an der Panikmache?

Schickedanz erklärt: „El Niño ist zunächst mal ein natürliches Phänomen im Zyklus von zwei bis sieben Jahren. Dabei schwächt sich der Passatwind vor Südamerika zyklisch ab. Dann bleibt warmes Oberflächenwasser vor der Küste bestehen und kaltes Tiefenwasser steigt nicht mehr so stark auf. Es gibt auch das Gegenstück – La Niña. Dann weht der Passat kräftiger, kaltes Wasser steigt verstärkt auf und die globale Temperatur sinkt wieder etwas.“ Beides verändere die Temperaturverteilung in den Ozeanen und in der Atmosphäre.

Und ja: Nach den Modellen deute sich tatsächlich ein El-Niño-Ereignis an. Dadurch steige die globale Temperatur weiter an. Das könne sich schon in diesem Sommer bemerkbar machen oder auch bis ins nächste Jahr dauern. „Die Modelle unterscheiden sich darin, wie schnell sich das Ereignis entwickelt“, erläutert Schickedanz.

Wer ist am stärksten davon betroffen?

Vor allem die Südhalbkugel – Südamerika und Australien etwa. Wetterextreme würden dort verstärkt, es könne zu Starkregenereignissen und Dürren kommen, warnt der Experte. Für uns hier auf der Nordhalbkugel seien die Folgen von El Niño bei Weitem nicht so gravierend, aber dennoch spürbar: „Es wird vermutlich etwas wärmer und die Wetterextreme, die es aufgrund des Klimawandels ohnehin schon gibt, könnten dadurch kräftiger ausfallen“, so Schickedanz.

Prognosen und ihre Tücken

Jeder, der Wetter-Apps, nutzt, weiß, dass die Vorhersage für drei Tage meist relativ genau ist. Danach wird’s schon schwierig. Warum eigentlich?

Langfristige Witterungsprognosen beruhten auf zwei Verfahren, erklärt der Stuttgarter Meteorologe: „Zum einen auf physikalisch-mathematischen Modellen wie die klassische Wettervorhersage. Zum anderen spielen statistische Verfahren eine Rolle.“ Je weiter man sich zeitlich von der Gegenwart entferne, desto wichtiger würden statistische Zusammenhänge. Anhand von Datenbanken könne man etwa sehen, welche Wetterkonstellation eine andere in drei Monaten nach sich ziehe. Es gebe Vorhersagen für die kommenden vier Wochen und Jahreszeitenprognosen für den gesamten Sommer.

Wie verlässlich sind sie?

„Das hängt davon ab, was man erwartet. Für einen konkreten Termin sind sie genauso ungeeignet wie für einen bestimmten Ort“, macht Schickedanz klar. Man könne aber Trends erkennen.

Wie wird der Juni?

Für Süddeutschland – enger lässt es sich geografisch nicht fassen – eher überdurchschnittlich warm, die Niederschläge lägen im Durchschnitt oder leicht darunter. „Die Trefferquote solcher Vier-Wochen-Prognosen liegt ungefähr zwischen 60 und 70 Prozent.“

Und der Sommer?

Auch die Langzeitprognose sehe in Süddeutschland höhere Temperaturen bei mittlerem Niederschlag voraus. Die Trefferquote liege hier aber nur bei 60 Prozent.

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