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Illingen -  28.09.2026
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Millionenaufgabe in Illingen: Gemeinde will jedes Jahr 600 Meter Wasserleitungen erneuern

Illingen. Illingen will sein Wassernetz kontinuierlich erneuern. Eine Zustandsbewertung zeigt, wo Handlungsbedarf besteht – und was die Sanierung kostet.

In der Schillerstraße ist der Boden für die Sanierung freigelegt. Die Arbeiten laufen bereits.
In der Schillerstraße ist der Boden für die Sanierung freigelegt. Die Arbeiten laufen bereits. Foto: Sabrina Del Nunzio

Was derzeit in der Schillerstraße passiert, dürfte sich in Illingen in den kommenden Jahren immer wiederholen: Straßen werden geöffnet, alte Wasserleitungen ausgetauscht. Die Gemeinde strebt an, jährlich rund 600 Meter ihres Netzes zu erneuern – das sind rund 1,5 bis zwei Prozent der Gesamtlänge. Bei Kosten von derzeit etwa 850 Euro pro Meter entspricht das rechnerisch gut einer halben Million Euro im Jahr.

Die Arbeiten in der Schillerstraße haben am Montag begonnen und sollen vier bis sechs Wochen dauern. Für die betroffenen Anwohner wird eine Notwasserversorgung eingerichtet. Die einzelne Baustelle ist dabei nur ein kleiner Ausschnitt einer größeren Aufgabe: Unter Illingen und Schützingen liegen insgesamt rund 35,4 Kilometer Wasserleitungen.

Wie es um diese bestellt ist, zeigt eine Zustandsbewertung der Gemeinde. Dabei werden die Leitungen in fünf Kategorien eingeteilt. Rund 9,64 Kilometer beziehungsweise 27,23 Prozent gelten als „neuwertig“ und werden mit einer Restlebensdauer von mehr als 50 Jahren bewertet. Weitere 10,32 Kilometer befinden sich in „gutem Zustand“. Ihr Anteil am Gesamtnetz beträgt 29,17 Prozent, die Restlebensdauer wird mit 30 bis 50 Jahren angegeben.

Die Auffälligkeiten nehmen zu

Bei einem erheblichen Teil des Netzes fällt die prognostizierte Restlebensdauer geringer aus. Rund 12,57 Kilometer oder 35,5 Prozent weisen laut Bewertung „geringe Auffälligkeiten“ auf und werden der Kategorie von 20 bis 30 Jahren zugeordnet. Deutlich auffälliger sind insgesamt knapp drei Kilometer des Netzes. Bei rund 2,21 Kilometern beziehungsweise 6,23 Prozent stellt die Gemeinde „mittlere Auffälligkeiten“ fest. Die Restlebensdauer beträgt hier zwischen zehn und 20 Jahren. Am Ende der Skala stehen 663 Meter oder 1,87 Prozent des gesamten Netzes: Sie weisen eine „hohe Auffälligkeit“ und eine Restlebensdauer von unter zehn Jahren auf. Ein Austausch wird hier ausdrücklich empfohlen. Allein diese 663 Meter entsprechen etwas mehr als der Strecke, die Illingen innerhalb eines Jahres erneuern möchte.

Was die Erneuerung kostet

Die Dimension lässt sich auch finanziell beziffern. Bei 850 Euro pro Meter ergibt sich für 600 Meter jährlich eine Summe von 510.000 Euro. Hält die Gemeinde dieses Tempo zehn Jahre lang, würden rund sechs Kilometer Leitungen erneuert. Bei unveränderten Kosten entspräche das rechnerisch etwa 5,1 Millionen Euro. Das ist keine beschlossene Investitionssumme, sondern eine Hochrechnung auf Grundlage der aktuellen Angaben.

Teilweise liegen Leitungen bereits seit vielen Jahrzehnten im Boden. Die älteste laut Plan noch betriebene führt zum Waldfriedhof und stammt aus dem Jahr 1937.

33 Rohrbrüche seit 2021

Auch Rohrbrüche beschäftigen die Gemeinde regelmäßig. Seit 2021 wurden in Illingen insgesamt 33 registriert. Vier waren es 2021, sechs 2022, fünf 2023 und acht 2024. Im vergangenen Jahr sowie bislang 2026 waren es jeweils fünf. Ein kontinuierlicher Anstieg lässt sich daraus nicht erkennen.

Wie schnell solche Schäden teuer werden können, zeigt jedoch der Blick ins benachbarte Ölbronn-Dürrn. Dort kam es allein im Januar und Februar dieses Jahres zu sieben Wasserrohrbrüchen an der 125 Jahre alten Leitung in der Hauptstraße in Dürrn. Schon der Austausch eines kurzen Abschnitts kann erheblich ins Geld gehen. Müssten rund zehn Meter Rohr ersetzt werden, könnten dafür bis zu 40.000 Euro anfallen, wie der dortige Bürgermeister Norman Tank auf eine frühere PZ-Anfrage mitgeteilt hatte.

Schwankende Wasserbilanz

Neben dem Zustand der Leitungen und den Rohrbrüchen hat Illingen auch Zahlen zur Wasserbilanz vorgelegt. Dabei zeigen sich deutliche Schwankungen. Die Differenz zwischen der am Hochbehälter abgegebenen und der verkauften Wassermenge betrug 2022 fünf Prozent, 2023 waren es 14 Prozent, 2024 noch 13 Prozent und 2025 sieben Prozent. Wie viel davon tatsächlich durch undichte Leitungen verloren ging, lässt sich daraus nicht ableiten. Die Gemeinde bezeichnet die Angaben als „unbereinigte Rohwerte“: Eigenverbräuche, Standrohre und Verbräuche der Feuerwehr seien nicht berücksichtigt.

Die Zustandsbewertung zeichnet damit nicht das Bild eines insgesamt maroden Wassernetzes. Sie zeigt aber einen dauerhaften Sanierungsbedarf – und eine Aufgabe, die ins Geld geht. Die Baustelle in der Schillerstraße dürfte deshalb nicht die letzte ihrer Art sein.

Autor: Sabrina Del Nunzio und Johannes Rose |