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Mühlacker -  03.07.2026
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Millionenprojekt Mühlacker Tiefgarage: Hätte man früher handeln müssen?

Mühlacker. Die marode Tiefgarage unter dem Rathaus ist mehr als ein Millionenprojekt. Sie zeigt, warum aufgeschobene Entscheidungen am Ende oft die teuersten sind.

Die marode Tiefgarage unter Rathaus und Innenstadt ist zum Symbol für den Preis aufgeschobener Investitionen geworden.
Die marode Tiefgarage unter Rathaus und Innenstadt ist zum Symbol für den Preis aufgeschobener Investitionen geworden. Foto: Rose/PZ

Es gibt Problemchen, die jeder kennt. Der tropfende Wasserhahn. Das Klackern im Auto. Die lose Dachrinne. Oft denkt man sich: Ach, das hält noch. Bis aus einer Kleinigkeit ein richtig teures Problem wird. Und aus einer Rechnung von 50 Euro eine über 500. Oder 5000. Genau dieses Prinzip endet nicht an der eigenen Haustür. Mühlacker kennt es offenbar auch. Die Tiefgarage in der Stadtmitte ist diese Woche weit mehr geworden als ein Bauwerk aus Beton. Sie ist zum Sinnbild dafür geworden, wie teuer Aufschieben werden kann.

Bemerkenswert war dabei weniger die Summe für die Sanierung von bis zu 26 Millionen Euro. Die allein ist schon schwer zu begreifen.

Bemerkenswert war vor allem, wie deutlich Oberbürgermeister Stephan Retter wurde. Von einem Patienten sprach er, auf dessen schwere Wunden jahrelang nur Pflaster geklebt worden seien. Sein Urteil: „Der Patient Tiefgarage ist tot.“

Solche Sätze hört man in Gemeinderatssitzungen nicht oft. Noch bemerkenswerter war allerdings ein anderer Satz. Retter kündigte an, prüfen zu lassen, ob der Stadt durch unterlassene Entscheidungen ein Vermögensschaden entstanden ist. Das ist ein großes Wort. Denn plötzlich geht es nicht mehr nur um maroden Beton. Sondern um die Frage, was es kostet, notwendige Entscheidungen immer weiter zu vertagen.

Natürlich lässt sich heute leicht sagen: Man hätte früher handeln müssen. Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer. Aber vielleicht liegt darin die eigentliche Lehre. Eine Tiefgarage bringt keine Schlagzeilen, solange sie funktioniert. Wegen einer neuen Abdichtung schneidet niemand ein rotes Band durch. Keiner applaudiert für neue Stahlträger. Das Geld fließt deshalb oft dorthin, wo jeder den Nutzen sofort erkennen kann. Deshalb fällt es vermutlich leichter, weniger prestigeträchtige Projekte auf später zu verschieben. Bis später plötzlich heute ist. Vielleicht ist die Tiefgarage deshalb gar keine Geschichte über Beton. Sondern über den Preis des Wartens. Denn Sparen ist vernünftig. Aufschieben dagegen ist manchmal die teuerste Art zu sparen.