Millionenschwere Mehrausgaben: Calwer Landrat schwört Kreistag auf harte Einsparungen ein
Kreis Calw. Die Kreisräte im Landkreis Calw können sich in den nächsten Wochen auf einiges gefasst machen. Im ersten Gremium, das sich jetzt mit dem Haushaltsplan-Entwurf für 2026 befasste, im Jugendhilfeausschuss, redete Landrat Helmut Riegger Klartext: „So wie der Haushaltsplan 2026 des Kreises Calw jetzt dasteht, ist er nicht genehmigungsfähig.
Wir müssen an alles rangehen, was möglich ist. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie da mitgehen würden.“
Selbst bei Positionen, die nur gering ansteigen, soll der Rotstift angesetzt werden. Beispiel: Die Förderung der Schulsozialarbeit. Die Erhöhung von 385.000 Euro auf 405.000 Euro geht vermutlich nicht durch den Kreistag. „Das steht auf unserer Änderungsliste,“ kündigte der Landrat an. Das bedeutet laut Georg Pfeiffer, Leiter der Abteilung Jugendhilfe im Landratsamt: „Wir werden die Städte und Gemeinden anschreiben, dass wir keine neuen Anträge mehr annehmen werden. Die Genehmigung der bisher vorliegenden Anträge wird allerdings in Aussicht gestellt.“ Schon jetzt die 20.000 Euro Mehraufwendungen streichen, wollten die Ausschussmitglieder dann doch nicht.
Eine ganz andere Hausnummer ist dagegen der finanzielle Brocken für die Heimerziehung. Aufgrund von mehr Fällen und einer ohnehin unabwendbaren Kostensteigerung müssen gegenüber 2025 nun satte vier Millionen Euro mehr und somit 27,2 Millionen Euro aufgebracht werden. Sozialdezernent Tobias Haußmann fasste zusammen: „Wir sind nicht der teuerste, aber auch nicht der billigste Landkreis. Bei frühen Hilfen werden wir in der Qualität anspruchsvoller. Das spiegelt sich im Haushalt wieder.“
Die Bad Wildbader Kreisrätin Rita Locher (Freie Wähler) lenkte den Blick auf ein Kreis-Politikum: die Einrichtung einer Vormundschafts-Koordinationsstelle, die an den Verein Liebenzeller Diakoniewerk übertragen werden sollte. Der Antrag der Verwaltung war im Ausschuss gescheitert (die PZ berichtete). Die im Etat dafür vorgesehenen 100.000 Euro werden vermutlich nicht benötigt, denn, so Haußmann: „Wir sind an einer niederschwelligen Lösung dran.“
Positiv schlägt zu Buche: Andere Jugendämter sollen 2026 insgesamt 425.000 Euro mehr, also dann 1,175 Millionen Euro, an die Kreiskasse Calw überweisen. Und: Das Land macht für die schulische Inklusion 1,160 Millionen Euro statt zuletzt 310.000 Euro locker.
