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Birkenfeld -  09.02.2020
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Mit Lust auf Fleisch ganz nach oben: So arbeitet die Müller-Gruppe aus Birkenfeld

Pforzheim/Birkenfeld. Die Müller-Gruppe aus Birkenfeld ist eine große Adresse in der Nahrungskette. Die Firma agiert in engem Schulterschluss mit den Landwirten der Region. Die „Pforzheimer Zeitung“ hat mit dem Führungsteam des Unternehmens gesprochen.

Man trifft sie immer wieder auf der Autobahn – die weißen LKWs der Müller Gruppe. Über zehn Millionen Kilometer sind sie jährlich unterwegs. In ihren bestens ausgestatteten Fahrzeugen transportieren sie Fleisch – zerlegt und verpackt.

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit ist die Birkenfelder Müller Fleisch GmbH in eine respektable Größenordnung gewachsen, mit Tochterfirmen in Ulm, Bayreuth und Ingolstadt. Im strategischen Zusammenspiel dieser Produktionsstandorte gehört das Unternehmen – die Müller-Gruppe – zu den vier großen Adressen in der deutschen Fleischwirtschaft und kratzt die Umsatz-Milliarde.

Mit unter anderem 1,5 Millionen Endverpackungen, die wöchentlich hergestellt und an Supermärkte ausgeliefert werden, fungiert das Birkenfelder Unternehmen als „maßgeblicher Versorger“ – so Stefan Müller. Täglich werden 25 Logistik-Zentren der Großverteiler – von Aldi bis Rewe – angefahren und von dort über 2500 Supermärkte beliefert. Denn über fünfzig Prozent des Fleischkonsums geht in Deutschland beim Discounter über die Theke. Mehr als in jedem anderen Land. Vakuumverpackt und gefroren werden viele weitere Produkte an Lebensmittelhändler oder Betriebe wie Wursthersteller oder Schwarzwälder Schinkenräuchereien geliefert. Es sind Artikel der Warengruppen Rind, Kalb, Schwein und Innereien – vornehmlich aus der Birkenfelder Produktion.

Führung mit soliden Werten

Stefan Müller bildet zusammen mit seinem Bruder Martin die Geschäftsführung in der Birkenfelder Zentrale, während Vater Horst Müller, 81, Tochter Susanne und Bruno Oetinger die Holding führen. Permanent zwischen den Standorten unterwegs, wird im Birkenfelder „Hauptquartier“ aber deutlich: Hier laufen die Fäden zusammen, hier gelten die guten Werte eines soliden Familienunternehmens.

„Wir stellen uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung als Schlachtbetrieb wie als Frischfleisch-Hersteller“, betont Martin Müller und verweist auf die vielfältigen Zertifizierungen, in die das Unternehmen mit seinen Kunden und Lieferanten eingebunden ist. Mit den Landwirten insbesondere. Denn gut 80 Prozent der Schlachttiere stammen aus dem regionalen Umfeld der Müller-Standorte.

„Wir pflegen große Wertschätzung gegenüber den Bauern“, sagt Bruno Oetinger und verweist darauf, dass ein Großteil der Wertschöpfung in die bäuerlichen Betriebe zurückgeht. Mit dem „Gesundheitsbonus Schwein“ honoriert Müller-Fleisch jene Befunde, die aus der Schlachtung resultieren oder anderen Kriterien folgen. Darüber wacht das hauseigene Label SDS, die Süddeutsche Schweinefleisch. Mit 1500 Schweinemästern durch Lieferverträge verbunden, orientiert sich SDS am Tierwohl, am Stall-Management und am Tierschutz generell. Oetinger weiß: „Unser süddeutsches Schweinefleisch hat einen extrem guten Ruf!“. Immerhin: Über zwei Millionen Schweine werden in Müllers Schlachtbetrieben verarbeitet. Mit der Marke „Heimatrind“ hat die Müller-Gruppe ein weiteres Label im Markt etabliert.

In vielfacher Weise zertifiziert

Müller-Qualität weiß man auch an anderer Stelle zu schätzen: Die Birkenfelder sind „key supplier“ – also Hauptlieferant – für jenes Unternehmen im bayerischen Günzburg, das als bundesweiter Rohstoff-Lieferant für eine große Burger-Gruppe dient. Klartext: Der Rohstoff für viele „Hamburger“ kommt aus der Müller-Produktion.

In Fachkreisen genießen Müllers „Produktions- und Veredelungsstandorte“ ohnehin einen guten Ruf. Das Schlachthaus-Image ist längst Geschichte. Heute sind die Müller-Betriebe – vom Deutschen Tierschutzbund nach dessen Kriterien für Schweine- und Rinderschlachtung anerkannt und zertifiziert – modernste Produktionsstätten, in denen jährlich 2,2 Millionen Schweine und über 320.000 Rinder verarbeitet werden. Dazu braucht es über 700 Beschäftigte; hinzu kommen rumänische Fachkräfte, die als Schlachter und Zerleger tätig sind.

Sie leisten gründliche Arbeit und sorgen für eine optimale Verwertung des Schlachtviehs. Denn Müllers Export befriedigt auch Bedürfnisse der besonderen Art: Schweinefüße und Schweinebäuche nach Korea, Leber nach Südafrika, Loin Rips nach Kanada, Schweinshaxen auf die Philippinen. Um hier Kontakte zu pflegen, präsentiert sich das Unternehmen auch in diesem Jahr auf Messen in Barcelona, Shanghai und Paris.

Auch am Standort gewachsen

Bereits 1938 als Viehhandelsunternehmen am Pforzheimer Schlachthof gegründet, startete das Unternehmen 1970 mit der Etablierung im Birkenfelder Gewerbegebiet in ein rasantes Wachstum. Mit einem imposanten Neubau im Jahr 2005 wuchs das Unternehmen in eine neue Größenordnung. Heute umfassen die Baulichkeiten von Müller-Fleisch – unmittelbar an der Gemarkungsgrenze mit Pforzheim – ein weiträumiges Areal. Das wird in den nächsten Monaten mit dem Bau eines großen Gefrierlagers – Platz für 10 000 Paletten – einen wohl vorläufigen Abschluss finden. Der dazu gehörige Bau mit den technischen Installationen steht bereits.

Heute schon ist sichergestellt, dass einst erkennbare Lärm- und Geruchsbelästigungen, wie sie die Herrenstriet-Siedler vortragen, längst aus der Welt geräumt sind und das neue Gefrierlager einen zusätzlichen Lärmschutz bietet. Martin Müller: „Dieses Hochregallager ist nur vorteilhaft für die Umgebung, eine stabile und saubere Situation.“

Luftaufnahmen älteren Datums lassen ohnehin erkennen, dass an Birkenfelds Industriestraße bereits industrielle Ansiedlungen aktiv waren, als jenseits der Enz nur ein Gartenhäuschen stand. Das unaufgeregte Müller-Management hofft, dass man das Gefrierlager bald in Betrieb nehmen kann, denn noch fahren Müllers weiße Kühllaster täglich bis ins schwäbische Gärtringen, um ihre Produkte dort in einer Halle zu frosten und zwischenzulagern.

Ansonsten ist man bei der Müller-Gruppe mit dem Heimat-Standort Birkenfeld zufrieden, zumal die Westtangente nun einen raschen Zugang zur Autobahn ermöglicht. „Auch in Sachen ‚vegan‘ sind wir sehr entspannt“, sagt Stefan Müller. Die „Lust auf Fleisch“ – so Müllers Slogan – ist ungebrochen. An den Standorten Bayreuth und Ulm werden gerade weitere Kapazitäten geschaffen.

Autor: amk