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Pforzheim -  23.04.2026
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Mobile Jugendarbeit ist umgezogen: Um die Pforzheimer Nordstadt dreht sich alles

Pforzheim. Pforzheim. Die mobile Jugendarbeit Nord ist an die Brettener Straße 20 gezogen. Dabei gehören nur wenige der Schüler der Nordstadtschule zur Klientel.

Mobile Jugendarbeit Nord
Mitten im Quartier: An der Brettener Straße haben Giulia Montini und Tobias Schlamp von der Mobile Jugendarbeit Nord ihre neuen Büroräume bezogen. Foto: Meyer

Vor dem hübschen Altbau sprießen die Frühlingsblumen im Beet. Das Büro von Sozialarbeiter Tobias Schlamp (45) und Giulia Montini (39), das schräg gegenüber der markanten, denkmalgeschützten Nordstadtschule liegt, verfügt bereits über Schreibtische und Computer. Ein Raum soll künftig für Cliquenarbeit genutzt werden. 

Die Küche stammt noch aus der Zeit des Jugendeffs der SJR Betriebs gGmbH, der im vergangenen Jahr mit einem neuen Konzept und mehr Personal in das Jugendzentrum Nord an der Güterstraße gezogen ist. Nach 13 Jahren an der Hohenzollernstraße verfügen die Sozialarbeiter nach dem Umzug jetzt mit 80 Quadratmetern über mehr Platz. Ganz in der Nähe erweitert die Pforzheimer Stadtmission gerade ihr Familienzentrum an der Sachsenstraße, um ein größeres Angebot für die Jugend realisieren zu können – und um genügend Platz für einen Kindergarten zu haben. Hauptsächlich seien sie auf der Straße unterwegs, etwa an einem der beiden Unterstände in der Nordstadt oder am Bolzplatz an der Sporthalle, um mit auffälligen 14- bis 27-Jährigen ins Gespräch zu kommen, sagt Schlamp. Jugendliche, die bereits mit dem Gesetz in Kontakt gekommen sind, von Abschiebung bedroht sind oder keine Perspektive für ihre Ausbildung haben. Jugendliche, die nicht an Angebote einer Schule oder Beratungsstelle angebunden sind und für die die beiden Sozialarbeiter mit ihrem Gesprächsangebot ein letzter Anker sind. Diese bieten zwar Einzelberatungen an und helfen bei Bewerbungsschreiben. In letzter Zeit hätten sie auch vermehrt mit Fällen drohender Abschiebung zu tun.

Sie sind Türöffner 

Doch oftmals sind sie einfach Türöffner und vermitteln die Ratsuchenden an passende Stellen weiter. In den Umbau des Büros seien auch Gelder aus dem Sanierungsgebiet Nordstadt II mit einem Gesamtförderrahmen von 7,5 Millionen Euro geflossen, bestätigt SJR-Geschäftsführer Rainer Hopfgarten. Mit Mitteln aus dem Fördertopf des Sanierungsgebiets werden seit Jahren soziale Angebote gefördert, Häuser hergerichtet sowie Verkehrsraum und Plätze umgestaltet Auf der Liste der anstehenden Maßnahmen stehen unter anderem die Umgestaltung von Eberstein- und Konradplatz, die Erstellung von Verkehrsgutachten und die Stärkung des Fußgänger- und Radverkehrs. Und natürlich die Umnutzung der denkmalgeschützten Güterabfertigungshalle. Wenn irgendwann einmal das Wartbergbad als Ganzjahreseinrichtung seine Tore öffnet, ist das aus Sicht der Sozialarbeiter ein echter Zugewinn. Über all diese Maßnahmen hat sich auch am Donnerstag der Sozialausschuss informiert.

Der Stadtteil mit den meisten Jugendlichen hat sich durch das Sanierungsgebiet bereits deutlich positiv verändert. Das würden die Jugendlichen spüren, sagt Montini. Wenngleich ihre Schützlinge nicht unbedingt auf dem einladenden Pfälzer Platz zu finden seien – dort fühlen sie sich zu sehr wie auf dem Präsentierteller. Ihre Klientel brauche andere Angebote, um sich draußen aufzuhalten. Oft konkurrierten sie in ihren Bedürfnissen mit anderen Personengruppen: am Zähringerplatz etwa mit einer Gruppe trinkfreudiger Erwachsener, am Klingelpark mit Familien und Kindern. So sind die beiden Sozialarbeiter auch Anwälte ihrer Klienten, wenn es bei der Sozialraumkonferenz etwa um neue Unterstände geht. Sie sind da, wenn keiner mehr an die jungen Nordstädtler glaubt. Stark sei die Zusammengehörigkeit – so sehr, dass sich mancher die Ziffern der Postleitzahl der Nordstadt eintätowiert hat.

Sozialdaten der Nordstadt

Die Lenkungsgruppe Soziale Stadt hat im gemeinderätlichen Fachausschuss am Donnerstag ihren Sachstand vorgelegt. Für das Sanierungsgebiet Nordstadt II stehen insgesamt 7,5 Millionen Euro (davon 4,5 Millionen von Bund und Land) bis 2028 zur Verfügung. Dem Bericht zufolge lebten im Jahr 2024 insgesamt 26.900 Menschen in der bevölkerungsreichen Nordstadt, also 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. 256 Kinder waren unter einem Jahr alt, 1058 gingen in die Grundschule. Rumänen (fünf Prozent) und Türken (4,7 Prozent) sowie Italiener (3,6 Prozent) gehörten nach der Erhebung zu den drei häufigsten Nationalitäten im Stadtteil. Was das Wahlverhalten angeht, so gibt der vorgelegte aktuelle Sozialdatenbericht Auskunft. Lag die Beteiligung bei der Kommunalwahl in der gesamten Stadt Pforzheim im Jahr 2024 bei 46 Prozent, kam die Nordstadt nur auf einen Wert von 25,4 Prozent bei der Urnenwahl. (27,7 Prozent im Jahr 2009). Bei der Landtagswahl 2026 kam die Nordstadt auf eine Beteiligung von 33,9 Prozent (Urnenwahl). Der stadtweite Durchschnitt lag bei 56,2 Prozent.

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