Mops im Zug geschlagen: Deshalb üben Hundehalter Gewalt gegen ihre Tiere aus
Pforzheim. Eine Frau schlägt ihren Mops mehrmals mit einer Wasserflasche und schleudert ihn gegen eine Zugwand: Es sind erschreckende Szenen, die sich jüngst in einer Regionalbahn auf der Fahrt von Mühlacker nach Karlsruhe abspielen. Obwohl die Misshandlung von Tieren in Deutschland strafbar ist und mit Geld- oder sogar Freiheitsstrafen geahndet wird, kommen solche brutalen Vorgänge doch immer wieder einmal vor, meist jedoch im privaten Bereich.
Vor Gericht landen diese Misshandlungen von Tieren daher eher selten. Eine Strafanzeige wegen Schlagen eines Tieres und zwei Ordnungswidrigkeiten (einmal wurde ein Tier geschlagen, einmal wurde es bei Hitze im verschlossenen Auto gelassen) – mehr verbucht das Polizeipräsidium Pforzheim nicht in der Statistik für das Jahr 2022. Polizeisprecherin Banu Kalai, selbst Besitzerin eines Labradors, hat sich bei den Kollegen der Hundestaffel umgehört.
Die Beamten dort haben Erfahrung im Umgang mit den eigenen Diensthunden und mit tierischen Problemfällen aller Art, die im Falle von Haustieren oft in Verbindung zu persönlichen Problemen des Tierhalters stehen. Am Ende beurteilen Spezialisten vom Veterinäramt das Leiden des Tieres. Und davon kann dann am Ende auch abhängen, ob zum Beispiel ein Gericht darüber entscheidet, dem überforderten oder aggressiven Halter das Tier abzunehmen.
Verzweifelter Versuch, Kontrolle zu gewinnen
Solche Misshandlungen wie im Falle des geschlagenen Mopses seien oft verzweifelte Versuche, mit Gewalt die Kontrolle über das Tier zurückzuerlangen. Doch wenn man es zuvor versäumt habe, das Tier richtig zu erziehen, seien solche brutalen Mittel keine Lösung, so Banu Kalai. Letztlich seien Tiere immer unberechenbar, „aber eine gewisse Grunderziehung“ erleichtere den Umgang mit dem eigenen Tier. Die fachgerechte Erziehung speziell von Hunden, sei es durch „Leckerli oder Klicken“, mit harmlosen Wasserspritzern oder sonstigen Tricks sei unerlässlich, auch wenn viele Hundehalter ihre Haustiere wie ein eigenes Kind erleben und lieben würden.
Umso wichtiger werde die artgerechte Erziehung und Haltung von Hunden, „wenn der Besitzer ein Neuling ist“, so Banu Kalai. Sie empfehlt den Besuch einer Hundeschule, in der letztlich nicht nur der Hund erzogen wird, sondern auch der Halter den richtigen Umgang mit seinem Liebling lernt.
Brauchen wir einen Hundeführerschein?
Und da beginnt dann schon wieder die Diskussion um einen verpflichtenden Hundeführerschein, den es in Deutschland noch nicht gibt. Je nach Bundesland ist jedoch ein Sachkundenachweis erforderlich. Halter von Listenhunden weisen mit diesem Theorie- und Praxistest nach, dass sie ihr Tier in Gefahrensituationen unter Kontrolle haben. Als Listenhunde werden Tiere eingestuft, die per Gesetz als gefährliche oder potenziell gefährliche Hunde gelten. Ein Mops allerdings steht nicht auf dieser Liste.
Am Ende aber, so Polizeisprecherin Banu Kalai, seien Gehorsams- und Aufmerksamkeitsübungen keine Garantie, dass im Alltag mit dem Hund immer alles reibungslos funktioniere. Ein Jagdhund, der nicht an der Leine geführt werde, könne schon einmal abgelenkt werden und dann einfach davonrennen.
Vernachlässigung von Tieren ist eine Form von Gewalt
Auch im Tierheim Pforzheim hat man mit Tieren mit Gewalterfahrung zu tun, allerdings steht hier meistens nicht die rohe, brutale, impulsive Gewalt im Vordergrund, sondern eine eher schleichende, subtilere Gewalt, wie sie aus der nicht artgerechten, letztlich qualvollen Haltung resultiert. Besonders häufig würden verwahrloste Hunde, Katzen oder auch Kleintiere wie Meerschweinchen ins Tierheim gebracht, erzählt Veronika Eberle, eine Sprecherin des Tierheims Pforzheim auf Anfrage von PZ-news.
Typische Anzeichen einer solchen Verwahrlosung seien etwa verklebtes Fell oder tränende Augen. „Nehmen wir zum Beispiel einen Malteser. Der sieht dann gar nicht mehr aus wie ein Malteser, sondern wie eine Filzplatte“, berichtet Eberle. Aufmerksam auf die Quälerei wird das Tierheim zumeist durch Privatpersonen, die das Ganze beobachten und im Anschluss beim Veterinäramt oder dem Tierheim direkt melden.
In den Facebook-Kommentaren zur Misshandlung des Mops im Regionalexpress, die reichlich auf dem PZ-news-Account eingelaufen sind, äußerten viele User die Sorge, dass der von der Bundespolizei an die Tierrettung Karlsruhe übergebene Hund wieder an seine Halterin zurückgegeben werden könnte. Doch Veronika Eberle beruhigt. Würden die Tiere einmal dem Tierheim übergeben, sei es eher selten, dass ein Gericht sich für die Rückgabe an den ursprünglichen Besitzer entscheidet. „Der Prozess dauert oft, da bei den Besitzern die Einsicht fehlt, aber schlussendlich werden die meisten Tiere von uns neu vermittelt“, so Veronika Eberle.
Aussetzen von Haustieren vor den Sommerferien
Ein weiterer gefährlicher Trend sei das Aussetzen von Tieren. Besonders vor den anstehenden Sommerferien komme das oft vor. Mehrere ausgesetzte Katzen, aber auch Kaninchen seien in den letzten Wochen gefunden worden. Sind diese nicht gechippt, sei es sehr schwierig, die Besitzer ausfindig zu machen, weshalb sich das Tierheim Pforzheim auch online oft auf die Suche macht.
