Muezzin wieder in Maulbronn zu hören: Darum stellt Ordnungsamt keine Verstöße rund um die Moschee fest
Maulbronn. Exakt um 20.15 Uhr an Gründonnerstag war es soweit. Bereits zum zweiten Mal seit vergangener Woche rief Muezzin und Imam Aydin Cakir mit der Erlaubnis von Bürgermeister Andreas Felchle die gläubigen Muslime der Maulbronner Mimar Sinan Moschee bei Sonnenuntergang zum Abendgebet.
Nur knapp zwei Minuten war seine Stimme per Lautsprecher zu hören. Doch sie ging unter die Haut – vor allem den rund 500 Gemeindemitgliedern in der Klosterstadt. Vor der Moschee in der Talstraße fand kein Menschenauflauf statt, der Vorplatz war abgesperrt. Nur einige wenige Gläubige hielten sich in der Nähe auf und wahrten den Sicherheitsabstand gemäß der Corona-Regeln.
Störende Knallkörper
Um das zu kontrollieren war diesmal auch Roland Angermaier, der Maulbronner Gemeindevollzugsbedienstete pünktlich vor Ort erschienen. Lediglich ein Mal musste er darauf hinweisen, beim Fotografieren den Verkehr auf der Talstraße nicht außer Acht zu lassen. Gestört haben ihn allerdings einige Knallkörper, die während des Gebetsaufrufs in Reichweite der Moschee gezündet wurden. „Das ist nicht erlaubt und hätte nicht sein müssen“, betont Angermaier und prophezeit: „Wenn man jedoch solche Kleinigkeiten ahnden möchte, können sich die Ordnungsdienste an Ostern vor Arbeit kaum retten.“
Im Vergleich zu den Tumulten, die sich Anfang der Woche vor der Berliner Dar-as-Salam-Moschee in Neukölln abspielten, als die Polizei eine Ansammlung von etwa 300 Personen gewaltsam auflösen musste und der stellvertretende Neuköllner Bezirksbürgermeister Falko Liecke (CDU) daraufhin den Gebetsaufruf untersagte, ähnelte die Aktion der Maulbronner Muslime eher einem gesitteten Kaffeekränzchen.
„Es ist eine sehr schwere Zeit auch für uns Muslime. Wir dürfen wegen Corona nichts zusammen machen. Deshalb sind wir der Stadt Maulbronn sehr dankbar, dass sie zumindest den Gebetsaufruf des Muezzins gestattet hat“, sagt ein 46-jähriges Gemeindemitglied, das namentlich nicht genannt werden möchte. Ein anderer Muslim fügt hinzu: „Wir hören seit Wochen nur noch Corona, Corona. Es tut gut, auch mal etwas anderes zu hören. In dieser Krisenzeit stärkt der Gebetsruf die Moral der Gemeinde und gibt ihr Kraft.“ Per Handy hat der 47-Jährige den Ruf des Muezzins aufgezeichnet, um ihn über die sozialen Netzwerke an die Gemeindemitglieder zu Hause weiterzuleiten.
