Mutmaßliche Pforzheimer "Hells Angels"-Mitglieder wegen Erpressungs-Vorwürfen in Haft: Scharfe Munition gefunden
Pforzheim. Knapp einen Monat nach der Rückkehr der „Hells Angels“ nach Pforzheim haben Ermittler das neue Clubhaus der Rockergruppe in der Güterstraße durchsucht. Hintergrund sind Ermittlungen wegen mutmaßlicher räuberischer Erpressung gegen drei Männer im Alter von 27, 30 und 37 Jahren. Das teilten die Staatsanwaltschaft Stuttgart sowie die Polizeipräsidien Ludwigsburg und Pforzheim mit.
Die beiden Hauptverdächtigen sollen einen 40-Jährigen zwischen dem 6. und 10. Mai in Kornwestheim in zwei Fällen bedroht haben, um mehrere tausend Euro Bargeld zu erpressen. Laut Polizei hätten sie dabei auch ihre Zugehörigkeit zu den "Hells Angels" genutzt, um die Drohungen zu untermauern. In einem Fall soll der Geschädigte Geld an den 37-jährigen Mitbeschuldigten übergeben haben, im zweiten Fall blieb es laut Ermittlern beim Versuch.
Im Zuge der Ermittlungen durchsuchten Beamte am Donnerstag mehrere Objekte in den Landkreisen Enzkreis, Ludwigsburg und Rems-Murr-Kreis, darunter auch zwei Gebäude in Pforzheim. Eines davon befindet sich in der Güterstraße in der Nordstadt, wo sich die „Hells Angels“ erst im April mit dem neuen Clubhaus „Angels Place“ angesiedelt hatten. Vor Ort waren am Donnerstagmorgen vermummte Einsatzkräfte sowie Ermittler der Kriminalpolizei aus Böblingen zu sehen. Die Maßnahmen wurden vom Polizeipräsidium Ludwigsburg koordiniert. Mutmaßlich im anderen durchsuchten Gebäude in Pforzheim wurde eine der drei Männer auch festgenommen.
Bei den Durchsuchungen fanden die Ermittler unter anderem Schreckschusswaffen, scharfe Munitionsteile sowie verschiedene, teilweise verbotene Hieb- und Stichwaffen. Welche Gegenstände konkret im Pforzheimer Clubhaus gefunden wurden, teilte die Polizei nicht mit.
Die beiden Hauptverdächtigen wurden in Pforzheim festgenommen und einem Haftrichter am Amtsgericht Stuttgart vorgeführt. Dieser setzte die bereits erlassenen Haftbefehle in Vollzug. Die Männer mit deutscher beziehungsweise deutscher und mutmaßlich libanesischer Staatsangehörigkeit sitzen inzwischen in Justizvollzugsanstalten ein. Der 30-Jährige ist laut Staatsanwaltschaft wegen Rohheitsdelikten vorbestraft, der 27-Jährige bislang nicht. Der 37-jährige Tatverdächtige kam nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder auf freien Fuß.
Die Razzia trifft die Rockergruppe zu einem Zeitpunkt, an dem sie sich erst seit wenigen Wochen wieder sichtbar in Pforzheim etabliert hat. Bei der Eröffnung des neuen Clubhauses Ende April waren Hunderte Rocker aus ganz Deutschland in die Nordstadt gekommen. Bereits 2011 war das damalige Pforzheimer „Hells Angels“-Charter „Borderland“ verboten worden. Das baden-württembergische Innenministerium begründete das damals damit, dass die Gruppierung auf organisierte Kriminalität sowie Gewalt-, Waffen- und Drogendelikte und Machtaufbau im Rotlicht- und Sicherheitsgewerbe ausgerichtet gewesen sei.
