Gemeinden der Region
Kreis Calw -  28.08.2026
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Nach 25 Jahren Politik: Was Thomas Blenke heute vermisst – und was nicht

Kreis Calw. Nach 25 Jahren beginnt für den langjährigen CDU-Politiker ein neuer Lebensabschnitt. Ein persönlicher Rückblick auf Erfolge und Irrtümer.

Interview Thomas Blenke
Thomas Blenke: Ein Innenpolitiker mit Leib und Seele verabschiedet sich in den Ruhestand. Foto: Röhr

Thomas Blenke sitzt im Hotel Ochsen in Höfen und hat Zeit. Das allein ist schon bemerkenswert. Mehr als zwei Jahrzehnte lang bestimmten Sitzungen, Termine, Telefonate und politische Verpflichtungen seinen Alltag im Landtag, Wahlkreis und Innenministerium. Nun sitzt da einer, der ein Vierteljahrhundert Berufspolitik hinter sich hat – ausgerechnet an einem Ort, mit dem sich ein kleines Stück dieser politischen Vergangenheit verbindet.

Als das traditionsreiche Hotel erweitert wurde, hatte Blenke das Vorhaben unterstützt und sich für eine Förderung starkgemacht. Später begleitete die Familie Braune mehrfach jene Schwarzwaldtanne aus dem Enztal, die Blenke Jahr für Jahr in den Stuttgarter Landtag brachte. Jetzt sitzt Blenke hier mal nicht als Abgeordneter, nicht als Staatssekretär und auch nicht auf dem Sprung zum nächsten politischen Termin. Er steht nicht mehr unter Zeitdruck. Dieses Gefühl sei anfangs durchaus gewöhnungsbedürftig gewesen, gibt er im Gespräch mit der PZ zu. Lange habe diese Phase allerdings nicht gedauert. Inzwischen genießt er die Freiheit, tun und lassen zu können, was er möchte.

Ganz ohne Disziplin geht es für ihn trotzdem nicht. Der Wecker klingelt weiterhin jeden Morgen zeitig. Es sei wichtig, dass der Tag eine Struktur habe. Auf die Frage, ob es etwas gibt, das ihm fehlt, wird schnell deutlich, was Blenke all die Jahre angetrieben hat: die Gunst seiner Wähler. Fünf Mal hintereinander wurde er in den Landtag gewählt.

„Das ist schon etwas Besonderes. Das hat mich sehr befriedigt, mir viel Kraft gegeben und mich stolz gemacht.“

Und dann fällt zum ersten Mal ein Wort, das Blenke im Gespräch noch öfter bemühen wird: Demut. Demut vor einem Amt auf Zeit, das für ihn immer auch Verpflichtung bedeutet habe. Was er dagegen nicht vermisst, sind die zahllosen repräsentativen Termine im Wahlkreis und später als Staatssekretär – vor allem an den Wochenenden.

Dass es nicht immer einfach war, als Staatssekretär neben dem Minister das schwierige Feld der inneren Sicherheit zu beackern, daraus macht der Jurist keinen Hehl. „Ich habe den ganzen Sicherheitsbereich verantwortet. Da passiert irre viel, vor allem in diesen Zeiten. Da sind viele Herausforderungen zu bewältigen, und das kann durchaus belastend sein.“ Nachdenklich blickt der Mann aus Gechingen von der Terrasse des Ochsen hinüber zu den bewaldeten Schwarzwaldhängen. Vieles, was er im Innenministerium erlebt hat, ist nie an die Öffentlichkeit gelangt. Über manches darf er bis heute nicht sprechen – aus Sicherheitsgründen.

Über das eigenständige Polizeipräsidium in Pforzheim dagegen spricht er gerne. Als langjähriger Innenexperte und innenpolitischer Sprecher der CDU gehörte Blenke zu den politischen Antreibern, als es darum ging, die erste Polizeireform zu korrigieren. Pforzheim und die Region Nordschwarzwald erhielt wieder eine eigene Polizeiführung.

„Das war mir eine Herzensangelegenheit“,

sagt er.

Auch mit der Rettung der Bad Wildbader Trinkhalle verbindet Blenke ein Stück seiner politischen Laufbahn. Das Land als damaliger Eigentümer wollte das Gebäude abreißen, in der Bäderstadt formierte sich massiver Widerstand. Als Sprecher des Petitionsausschusses setzte sich Blenke dafür ein, die Trinkhalle zu erhalten und an einen Förderverein zu übertragen. Der Rest ist Geschichte: Heute ist das historische Gebäude eine beliebte Veranstaltungslocation in Bad Wildbad.

Beim Windpark Simmersfeld stand Blenke einst den vielen Gegnern des Projekts nahe. Die Energiewende dürfe jedoch nicht aus „lokalen Befindlichkeiten“ heraus entschieden werden, sagt er heute. Seine eigene Position habe er in dieser Frage weiterentwickelt – auch wenn er Windräder bis heute nicht schön findet.

Als Privatmann müsste der 66-Jährige eigentlich kein Blatt mehr vor den Mund nehmen. Was stört ihn heute an der Landespolitik? Bei dieser Frage kommt dann doch wieder der Diplomat in ihm durch. „Ich habe mir vorgenommen, mich aus dem aktiven Geschehen rauszuhalten. Ich finde, das gehört sich so.“

Wieder spricht Blenke von einem Grundsatz, der ihm wichtig ist:

„In der Politik hat man Mandat und Macht auf Zeit.“

Ganz abschalten lässt sich die politische Vergangenheit allerdings nicht. Politik sei schließlich „wie eine Droge“, sagt Blenke. „Von der Sucht kommst du nicht von heute auf morgen los.“ Sie interessiere ihn nach wie vor.

Und ganz ohne Politik soll es für Blenke auch künftig nicht gehen. Eine neue berufliche Tätigkeit werde er „definitiv“ nicht aufnehmen. Seit wenigen Wochen engagiert er sich jedoch ehrenamtlich bei der Global Security Foundation, die Länder beim Aufbau rechtsstaatlicher und demokratischer Strukturen unterstützt.

Daneben soll nun mehr Raum für das bleiben, was zu kurz kam. Blenke will sich wieder stärker dem Bootssport am Bodensee widmen. Wegziehen kommt für ihn trotzdem nicht infrage: „Ich werde Bürger im Landkreis Calw bleiben.“ Was ihm die 25 Jahre Politik gegeben und was sie ihm genommen haben? Darüber muss Blenke nicht lange nachdenken. „Die Politik hat mir persönliche Freiheit genommen, aber viel Erfüllung gegeben. Ich durfte Teil der Gestaltung des Gemeinwesens sein.“

VG WORT Zählmarke