Nach Diskussion um Sanierung des Kunstrasens: Remchinger Bürgermeisterin kündigt FCN-Chef Hausverbot an
Remchingen. Der Abend ist schon deutlich fortgeschritten, als es im Remchinger Gemeinderat hitzig wird. Es geht um die Frage, ob der FC Nöttingen für die Erneuerung seines Kunstrasens einen Investitionszuschuss in Höhe von rund 75.000 Euro erhalten soll.
Es ist Gemeinderat Christian Roser (CDU), der als Erster das Wort ergreift. Wenn der Gemeinderat die Förderung an diesem Abend beschließe, setze er sich über seine eigenen Regeln hinweg, betont er. Gemeint sind damit die Förderrichtlinien, die unter anderem vorsehen, dass die Mehrheit der Mitglieder des geförderten Vereins in Remchingen wohnhaft sein muss. Beim FCN war das zum Zeitpunkt der Antragstellung offenbar nicht der Fall. Da dem Sportverein auch die Rutronik Stars Keltern zugeordnet sind, kamen zu diesem Zeitpunkt nur 231 der 466 Mitglieder aus Remchingen. Vier fehlende Mitglieder aus dem Ort sind also das Zünglein an der Waage. Und bisher – so ist es der Sitzungsvorlage zu entnehmen – habe man den Förderanträgen, die auf den Bereich Fußball beschränkt sind, dennoch zugestimmt.
„Wenn die Richtlinien nicht mehr passen, muss man sie ändern“,
sagt Roser an diesem Abend.
Das müsse man allerdings im Vorfeld der Zustimmung tun. Und dann setzt Roser einen Schlusspunkt, der es in sich hat: Sollte der Gemeinderat der Förderung dennoch zustimmen, wolle er die Kommunalaufsicht informieren und den Vorgang prüfen lassen. Deshalb schlägt er vor, den Tagesordnungspunkt zu verschieben, bis die Richtlinien geklärt sind. Die Mehrheit des Gemeinderats stimmt zu. Und damit könnte die Sache vom Tisch sein – ist sie aber nicht. Man habe den FCN bereits vertröstet, weil der Haushalt noch nicht genehmigt gewesen sei, schimpft Gemeinderat Martin Rothweiler (FWV). Außerdem habe Bürgermeisterin Julia Wieland am 7. Februar 2025 eine E-Mail mit einem Förderantrag versendet, in dem dieser Passus nicht mehr stehe. Allerdings: Beschlossen hat der Gemeinderat diese neuen Richtlinien noch nicht. Dass dies noch nicht geschehen sei, dafür könne der FCN nichts, wirft Volker Bräuninger (SPD) ein und Rothweiler legt nach: „Ich fühle mich ein bisschen verarscht“. Der Gemeinderat sei nicht einheitlich der Meinung, dass die Zahl gekippt werden müsse, meldet sich Klaus Fingerhut (Grüne) zu Wort und erinnert an einen Verein, der ebenfalls an der Mitgliederschwelle gescheitert ist. Die Pferdefreunde Wilferdingen nennt er dabei nicht namentlich. Und dann geht es plötzlich um die Frage, ob dem FCN gegenüber Zusagen gemacht worden seien – oder etwas fälschlicherweise als solche verstanden wurde.
Der Vorwurf der Lüge wird zumindest angedeutet. FCN-Vorsitzender Dirk Steidl ruft – obwohl er zu diesem Zeitpunkt der Sitzung als Bürger kein Rederecht hat: „Auf das Wort eines Bürgermeisters muss man vertrauen können.“ Rathauschefin Julia Wieland hält dagegen, dass sie nur eine Stimme im Gremium hat. Nur wenige Minuten später kündigt sie dem Vereinsvorsitzenden ein Hausverbot im Rathaus an – weil dieser Kolleginnen in der Verwaltung angegangen habe, und fordert ein Vier-Augen-Gespräch über diesen Vorfall an. Zudem habe er unwahre Dinge behauptet und sich im Ratsaal unpassend verhalten, erläutert Wieland im Nachgang auf PZ-Nachfrage.
Überraschend schnell – und einstimmig – wird wenig später einem weiteren Förderantrag des FCN zugestimmt: rund 18.000 Euro für Pflegegeräte. Diese habe der FCN bereits angeschafft, so Wieland. Eine Förderung dieses bereits 2025 gestellten Antrags – damals offenbar mit zustimmungsfähigen Mitgliederzahlen – hatte der Gemeinderat bereits im Mai des vergangenen Jahres zugesagt, allerdings verschoben, weil der Haushalt zu diesem Zeitpunkt noch nicht verabschiedet war.
