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Bildung -  11.01.2020
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Nach sieben Jahren: Rektor Andreas Renner verlässt in wenigen Wochen die Insel-Grundschule

Es ist eine Nachricht, die Schüler und Eltern der Inselgrundschule über das Wochenende erst einmal verdauen müssen: Bereits zum Ende des Monats verlässt Rektor Andreas Renner nach sieben Jahren die Einrichtung. Von heute auf morgen fiel diese Entscheidung nicht. Die Bewerbung für den neuen Job liegt bereits mehr als zwei Jahre zurück, das Kollegium wurde frühzeitig eingeweiht. 

Alle Hände voll zu tun hat Andreas Renner, seitdem er zwischen der Insel-Grund-schule und der Eutinger Ortsverwaltung hin und her pendelt. Das Lehrerpult tauscht er künftig gegen einen Schreibtisch im Staatlichen Schulamt.
Alle Hände voll zu tun hat Andreas Renner, seitdem er zwischen der Insel-Grund-schule und der Eutinger Ortsverwaltung hin und her pendelt. Das Lehrerpult tauscht er künftig gegen einen Schreibtisch im Staatlichen Schulamt. Foto: Meyer

Brief an die Eltern

Künftig wird Renner beim Staatlichen Schulamt in Pforzheim für Werkrealschulen, Ganztagsschulen und die dortige Sprachförderung zuständig sein. Darüber informierte er am Freitag in einem Brief an die Eltern.

Dieser Schritt stehe nicht im Zusammenhang mit Renners Wahl zum Eutinger Ortsvorsteher im vergangenen Jahr. Besser vereinbar werden die beiden Jobs dennoch sein: „Als Schulleiter können Sie nicht einfach sagen, dass Sie heute mal nicht da sind“, so der 43-Jährige. Was aber nicht bedeute, dass er für seinen Ortsteil künftig mehr Zeit habe, als er jetzt schon investiere. Zumal der Wechsel ans Schulamt kein Schritt zurück, sondern einer nach oben auf der Karriereleiter ist. „Mehr Zeit, das geht aber auch kaum“, gesteht Renner. In den vergangenen Monaten begann er zwischen 6.30 und 7 Uhr in der Eutinger Ortsverwaltung, bevor er auf 8 Uhr an die Schule in der Oststadt hetzte. Nach der Schule dann wieder zurück ins Rathaus. Darunter habe auch die Verwaltungsleiterin leiden müssen, sagt er.

"Inselschule ist mir ans Herz gewachsen"

Leicht fällt ihm der Weggang nicht. „Die Inselschule ist mir in den vergangenen sieben Jahren ans Herz gewachsen“, so der Pädagoge, der klarstellt: „Ich habe mich nicht weg von der Inselschule, sondern hin zu einer von nur neun Stellen als Schulrat beworben.“ Dort, so hofft er, könne er einiges mitbewegen und die Einrichtungen unterstützen. Für welchen Bezirk er konkret zuständig sein wird, wisse er noch nicht.

Die Arbeit ohne Kinder kennt er von seiner Zeit am Landesinstitut für Schulentwicklung, an dem er Schulen evaluierte. Der damalige Wechsel in der Landesregierung bewegte ihn Ende 2012 dazu, sich als Konrektor an der Inselschule zu bewerben. Am 7. Januar des Folgejahres fing er dort an. „Ich glaube, ein so schnelles Verfahren gab es selten“, sagt er.

Erfahrungen bringt er für die neue Aufgabe zur Genüge mit. So sei er bereits in früheren Jahren für das Schulamt tätig gewesen, habe die Zentrale Anlaufstelle für Sprachförderung in Pforzheim mit aufgebaut. Diese sei aus einer älteren Idee entstanden. „Aufgrund unserer Vorüberlegungen waren wir, als die Flüchtlingskrise losging, deutlich weiter als andere Städte“, erinnert sich der Schulleiter. Die Sprachförderung sei mit den Jahren zu einem Steckenpferd geworden – an einer Schule, an der 93 Prozent der Unterrichteten einen Migrationshintergrund haben. Diese Diversität unter einen Hut zu bringen, sei wohl eine der größten Herausforderungen, die sich seinem Nachfolger stelle.

„Was ich mir für die Inselschule wünsche: Dass Sponsoren weiterhin in die Zukunft Pforzheims investieren, wie sie es auch schon vor meiner Zeit in großem Maße getan haben. Denn sind wir ehrlich: Der Großteil der Schüler wird nicht zum Studieren wegziehen, sondern in der Stadt bleiben.“

Rektor Andreas Renner über die vielen Unterstützer, die an der Inselgrundschule wichtige Projekte ermöglichen.

Weil sich die Schülerzahl mittlerweile bei über 360 einpendle, rutsche die Stelle in eine höhere Besoldungsstufe. „Ich hoffe, dass sie somit attraktiver wird und es damit ein größeres Bewerberfeld gibt“, so Renner. Die Stelle jedenfalls werde so schnell wie möglich ausgeschrieben. „Vielleicht ist ja schon bis zum Sommer ein Nachfolger gefunden.“ In der Zwischenzeit wisse er die Bildungseinrichtung bei seiner Konrektorin Annette Bothe und dem Kollegium in guten Händen. Überhaupt erlebe er an der Schule ein „tolles Miteinander“. Um so schwerer falle der Abschied. Und dennoch ist Renner der Meinung, es sei Zeit für etwas Neues. „Auch, um Anderen die Möglichkeit zu geben, die Schule weiterzuentwickeln.“

So gelte es, die Eltern noch mehr in den Lernprozess einzubinden, ihnen klarzumachen, dass sie Teil der Bildungspartnerschaft sind. Aber auch die Kollegen müsse der Nachfolger im Auge behalten. In einem besonderen sozialen Gefüge brauche es rote Linien, um die Lehrkräfte nicht zu sehr zu belasten. „Es gibt Grenzen, an denen man nicht mehr verantwortlich sein kann“, so Renner. Wichtig sei ihm immer gewesen, dass die Kollegen die Arbeit nicht mit nach Hause nahmen, um dort einen Rückzugsort zu haben.

Ihm selbst sei das Abschalten aufgrund etlichen Engagements außerhalb der Schule immer leichtgefallen, sagt Renner. Während er dort mit Herzblut dabei gewesen sei, sei er möglichst häufig in den Urlaub gefahren. So liegt er auf einer Sonnenliege, als er im Vorfeld dieses Artikels in den Weihnachtsferien mit der PZ-Redaktion telefoniert. So ganz abschalten kann er eben doch nicht.

Keine weiteren Ambitionen

Höhere politische Ämter strebe der CDU-Stadtrat nicht an. Erst einmal will er sich auf die Aufgaben als Ortsvorsteher und Schulrat konzentrieren. So habe er nicht nur den Stellvertreterposten beim CDU-Stadtverband abgegeben, sondern auch sein Amt als Vorsitzender des CDU-Ortsverbands Eutingen. Nur beim TV Eutingen hält er als Vorsitzender die Stellung. Und für Frau und Tochter müsse ja auch noch genügend Zeit übrigbleiben. So hoffe er, dass er die freitäglichen Vater-Tochter-Nachmittage auch künftig beibehalten könne. Für die habe er selbst den Sozialdezernenten auf einen anderen Termin vertröstet.