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Pforzheim -  16.10.2026
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Nach tödlichem E-Scooter-Unfall in Birkenfeld: Warum Experten mehr Aufklärung fordern

Ein tödlicher Unfall zeigt, wie gefährlich E-Scooter sein können. Experten sehen vor allem bei jungen Fahrern Nachholbedarf. Was sich nun ändern soll.

Wie gefährlich sind E-Scooter wirklich?
Leicht geht die Kontrolle über E-Scooter verloren. Rund zwei Drittel der Unfälle verursachen E-Scooter-Fahrende selbst. picture alliance/dpa/BG ETEM - Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse/Holger Schumacher“ Foto: picture alliance/dpa/BG ETEM

Es macht Spaß, damit durch die Gegend zu flitzen. Aber die Fahrt auf dem E-Scooter ist eben auch riskant. Das zeigt nicht zuletzt der jüngste Unfall in Birkenfeld, der für einen 14-Jährigen tödlich endete.

Wie groß das Risiko für E-Scooter-Fahrer tatsächlich ist, lässt sich nicht eindeutig beurteilen. Zu unklar ist die Datenlage laut Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Zwar gibt es Zahlen zur Entwicklung des E-Scooter-Bestands – aber keine aktuellen Daten zur Fahrleistung, also dazu, wie viele Kilometer jährlich tatsächlich mit E-Scootern zurückgelegt werden. Diese Zahlen wurden für alle Fahrzeugarten zuletzt vor drei Jahre erhoben. Für einen belastbaren Vergleich, etwa mit Fahrrädern, wären jedoch aktuellere Daten zur Fahrleistung nötig. Klar ist aber: Es werden rasant immer mehr E-Scooter, und dadurch steigt auch die Zahl der Unfälle.

„Wir brauchen Maßnahmen, wie wir solche Unfälle vermeiden“, sagt Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Neue Regeln ab 2027

Die Bundesregierung hat die Regeln für E-Scooter ab 2027 verschärft. So müssen die Fahrzeuge künftig beispielsweise mit Blinkern ausgestattet sein. Städte und Gemeinden bekommen mehr Befugnisse, um selbst Regeln für das Abstellen von Miet-E-Scootern festzulegen. Das Verwarnungsgeld für das Befahren von Gehwegen wird erhöht. Generell werden die Regeln für E-Scooter stärker an die für den Radverkehr angepasst.

Fahrtraining geplant

„Das war dringend notwendig“, sagt Andreas Berchtold von der Verkehrswacht Pforzheim-Enzkreis über diese Änderungen. Berchtold und sein Bruder haben kürzlich einen Lehrgang abgeschlossen, um voraussichtlich ab Frühjahr 2027 Fahrtrainings für E-Scooter anbieten zu können. Dabei geht es um den sicheren Umgang mit den Rollern, aber auch um die rechtlichen Voraussetzungen. Denn die seien oft nicht bekannt.

„Der Scooter wird noch missverstanden. Oft wird er nicht als Verkehrsmittel, sondern als Fun-Fahrzeug gesehen“, vermutet Zeidler vom GDV.

Dadurch ignoriere man geltende Regeln, weil man sie dem Fahrzeug schlicht nicht zuschreibe und den E-Scooter „nicht als Kraftfahrzeug interpretiert“. Ein Beispiel: „Dass bei der Nutzung ein komplettes Alkoholverbot für Fahrer unter 21 Jahren gilt, ist vielen schlicht nicht bewusst.“

Sie wünscht sich deshalb mehr Aufklärung – vor allem in Form einer kontinuierlicheren Verkehrserziehung an den Schulen. Der bisher übliche Fahrradführerschein in der vierten Klasse lege nur „die absolute Basis“. Danach folge bis zum Moped- oder gar Autoführerschein nichts. Es klaffe eine „riesige Lücke“. Sie wünsche sich eine kontinuierliche Mobilitätsbildung, zum Beispiel im Sportunterricht oder am Nachmittag. Konkret könnte es in der fünften oder sechsten Klasse noch einmal ein Fahrradtraining geben. „Und mit 14 Jahren sollte dann der sichere Umgang mit E-Scootern thematisiert werden“, sagt Zeidler. Auch Kontrollen seien wichtig.

Polizei kontrolliert

Diese führt die Polizei „sowohl anlassbezogen als auch verdachtsunabhängig“ bei sämtlichen Verkehrsteilnehmer, also auch E-Scooter-Fahrern durch, so die Pressestelle auf eine Anfrage. Festgestellt würden unter anderem Fahrten mit mehreren Personen, Handynutzung, Alkohol- und Drogeneinfluss, Tuning, fehlende Betriebserlaubnis oder Versicherungsplakette, technische Mängel, Verstöße gegen das Mindestalter von 14 Jahren sowie unerlaubtes Fahren auf Gehwegen und in Fußgängerzonen.

Möglichkeiten von Gemeinden

Neben den Ordnungshütern haben laut Zeidler aber auch die Kommunen Möglichkeiten, die Sicherheit zu verbessern. Zwar nicht durch Kontrollen, aber durch die Wahl der Standorte für Leih-Scooter. Diese sollten nicht in unmittelbarer Nähe von Partymeilen abgestellt werden dürfen, bei denen Alkohol konsumiert wird. Auch auf Gehwegen sollten sie nicht stehen, zumal dort ohnehin nicht mit ihnen losgefahren werden darf.

Ob sich eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit positiv auf die Unfallzahlen auswirken würde, kann Zeidler nicht sagen.

„Schon bei niedrigen Geschwindigkeiten kann ein unglücklicher Sturz schwere oder sogar tödliche Folgen haben“, sagt Zeidler.

Vehement warnt sie allerdings davor, die Geschwindigkeit durch Tuning zu erhöhen. Und wenngleich der GDV nicht für eine Pflicht appelliert: „Wir sprechen uns unbedingt für Helm aus.“ Allerdings freiwillig.

Diskussion im Gemeinderat

Dass E-Scooter vor Ort zunehmend Probleme bereiten, wurde am Dienstag im Mühlacker Gemeinderat deutlich. LMU-Stadtrat Klemens Köberle beklagte, dass selbst Kinder unter 14 Jahren – häufig sogar zu zweit – mit den Rollern unterwegs seien, teils rasend schnell und pöbelnd. Ähnliche Beobachtungen schilderte Freie-Wähler-Fraktionschef Rolf Leo: „Das hat ganz schlimm zugenommen.“ Oberbürgermeister Stephan Retter bezeichnete die Situation als „nahezu unerträglich“. Er kündigte an, das Thema beim nächsten Gespräch mit der Polizei anzusprechen.

Häufige Ursachen für Verkehrsunfälle mit E-Scootern

Rund zwei Drittel der Unfälle verursachen E-Scooter-Fahrende selbst. Etwa die Hälfte davon sind Alleinunfälle. Die Fahrer stürzen also, ohne dass ein anderer Verkehrsteilnehmer beteiligt ist. Das erklärt Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Zu den wichtigsten Unfallursachen gehören die falsche Benutzung der Verkehrsfläche, etwa das Fahren auf Gehwegen, Alkoholkonsum, nicht angepasste Geschwindigkeit und das Fahren zu zweit auf einem Scooter. Laut Zeidler ist nur jeder fünfte E-Scooter ein Leihfahrzeug. Mit 80 Prozent befindet sich der Großteil in Privatbesitz. Das wirkt sich auch auf das Unfallgeschehen aus. Laut Zeidler halten sich Fahrer eigener Scooter eher an die Regeln. Außerdem kennen sie ihr Fahrzeug besser, sind geübter und tragen häufiger einen Helm.

Zeidler weist zudem auf Unfallrisiken hin, die sich aus der Bauweise der E-Scooter ergeben können. Die Fahrzeuge haben vergleichsweise kleine Räder und einen großen Radstand. Zudem unterscheidet sich ihre Fahrdynamik von der des Fahrradfahrens, „das viele seit der Kindheit geübt sind“.

Unfallzahlen in der Region

Auf den ersten Blick wirken die Unfallzahlen beim Polizeipräsidium für 2025 nicht riesig. 51 Unfälle mit „Elektrokleinfahrzeugen“, also im wesentlichen Scootern, sind dort fürs vergangene Jahr aufgeführt. Die Tendenz zeigt aber klar nach oben. Und der Anteil der Verletzten ist ähnlich hoch wie bei Unfällen von Fußgängern, Rad- oder Pedelecfahrern, die ebenfalls zugenommen haben. Auch 2025 gab es einen Todesfall zu beklagen. Ebenfalls im Enzkreis. Damals war der Verunglückte alleine gestürzt. Ohne Helm, wie laut Polizei auch beim aktuellen Unfall. hei