Nachfrage nach Plätzen bricht vielerorts ein: Evangelische Kirche schließt in Birkenfeld zwei Kitas
Birkenfeld. Kita- und Krippenplätze galten bis zuletzt als sehr rar und begehrt. Doch Birkenfeld wie andere Kommunen berichten inzwischen von einer Trendwende. Und die hat einschneidende Folgen: Die evangelische Kirchengemeinde Birkenfeld wird zwei ihrer vier im Ort betriebenen Kindertageseinrichtungen dauerhaft aufgeben. Dies soll im Sommer 2027 geschehen.
„Sinkende Kinderzahlen zwingen uns als kirchlichen Träger zur Zusammenlegung“,
sagte geschäftsführender Pfarrer Stefan Wannenwetsch bei einem Pressegespräch.
Sinkende Mitgliederzahlen und damit immer weniger Mittel aus Kirchensteuer und der demografische Wandel sowie steigende Preise schränkten „unsere Handlungsfähigkeit immer weiter ein.“ Gleichzeitig betont er: „Die Kirchengemeinde schließt betriebsbedingte Kündigungen ausdrücklich aus.“ Sechs Angestellte sind betroffen. Geplant sei, dass die vier Beschäftigten des Kindergartens in der Kreuzstraße in die Einrichtung in der Jahnstraße und die sechs Mitarbeitenden des Kindergartens Schönblickweg in die Kindertagesstätte Wacholderstraße umziehen – jeweils zusammen mit den Kindern, die somit ihre gewohnte Betreuung behalten. „Wir wissen allerdings nicht, wie die Eltern reagieren“, gab Wannenwetsch zu bedenken. Manche könnten sagen, „dass ihnen die Veränderung zu groß ist und sie ihre Kinder dann gleich an anderen Einrichtungen anmelden“.
Durch diesen Effekt könnten Standorte auch bereits früher ihren Betrieb einstellen. Auf die Nachricht hätten Betroffene „sehr traurig“ reagiert und müssten die vom Kirchengemeinderat am 24. März getroffene Entscheidung erst einmal sacken lassen. Der Birkenfelder Bürgermeister Martin Steiner sagte: „Solche Entscheidungen fallen niemandem leicht. Wir diskutieren auch in kommunalen Kindergärten die Zusammenlegung von Gruppen.“ Die Nachfrage nach Kinderbetreuungsplätzen (U3 und Ü3) nehme derzeit bundesweit ab.
„Was uns ganz stark trifft, ist im Moment die einbrechende Nachfrage im U3-Bereich bei Krippenkindern insbesondere in Gräfenhausen“,
hatte der Birkenfelder Hauptamtsleiter Tobias Hass bereits im Gemeinderat erklärt.
Angesichts leerer Haushaltskassen bedeutet die Trendumkehr in der Nachfrage nun aber auch, dass Geld eingespart werden kann. Aktuell läuft in Birkenfeld deshalb eine „Organisationsuntersuchung“ im Bereich Betreuung, um Einsparpotenziale zu identifizieren. „Wir gehen davon aus, dass 2026/2027 rund 200.000 Euro Personalkosten eingespart werden können“, teilte Hauptamtsleiter Hass im Gemeinderat mit. Gerade werde zusammen mit den Einrichtungsleitungen geprüft, ob eventuell an den Betreuungszeiten und am Umfang der Module gekürzt werden kann, „weil es teils nicht nachgefragt wird“.
Das kommt für manche Außenstehende durchaus überraschend, galten Krippenplätze in Großstädten und Ballungsräumen bis zuletzt doch als rares und äußerst begehrtes Gut. Die Kommunen haben in den zurückliegenden Jahren viel investiert und geplant, um die entsprechenden Kapazitäten für die gesetzlichen Pflichten der Ganztagesbetreuung erst einmal aufzubauen.
Nun zu viele Kapazitäten für Kinderbetreuung?
Auf die Frage der PZ, ob letztlich nun zu viele Kapazitäten für die Kinderbetreuung aufgebaut wurden, antwortet die Gemeinde Birkenfeld: „Eine Kindergartenplanung ist kein statischer Prozess. Abweichungen zwischen Ist-, Kann- und Sollzahlen entstehen durch unsichere Prognosen, Personalmangel, baulich und daher zeitlich versetzt zur Verfügung stehende Raumkapazitäten, Gesetzesänderungen und individuelles Anmeldeverhalten der Sorgeberechtigten.“
Bürgermeister Martin Steiner sagte:
„Durch eigene Bauvorhaben und die privater Investoren in vielen Quartieren in Birkenfeld wird zusätzlich Wohnraum geschaffen werden, der wiederum Bedarf an Kinderbetreuung mit sich bringen wird.“
Würden die Birkenfelder Kitas für Auswärtige freigegeben, könnte das bedeuten, dass Plätze für Einheimische durch diese belegt sind, wenn die Nachfrage wieder anzieht. Daher lehnt dies die Verwaltung ab. Abgewartet werden müssten die Ergebnisse der derzeit laufenden Organisationsuntersuchung. Deren Auswertung soll zu „zukunftsorientierten Entscheidungen für die Gemeindeentwicklung“ führen und „die Erfüllung aller bestehenden und auf uns zukommenden Pflichtaufgaben beinhalten“, teilt die Verwaltung mit.
