Neue Chance für den Buchsbaum im Enzkreis: So können Hobbygärtner ihre Pflanzen retten
Enzkreis. Enzkreis. Wie verschiedene Publikationen übereinstimmend mit Hinweis auf Nabu-Erkenntnisse berichten, kommt die heimische Natur mittlerweile auf den Geschmack: Vögel wie Kohlmeisen und Buchfinken können den Insekten mittlerweile etwas als Nahrungsquelle abgewinnen. Und das, trotz des sicherlich übelriechenden Geschmacks. Nachtaktive Spitzmäuse dringen ebenfalls auf Nahrungssuche tief in die Buchsbäume vor und auch einige Wespen holen sich die Raupen. Zur Erinnerung: Als es vor 20 Jahren mit dem Siegeszug des Zünslers begann, hatte das Insekt praktisch noch keine natürlichen Feinde.
Die Neupflanzung einer großen, kompletten Buchsbaumhecke kommt für Bernhard Reisch dennoch keinesfalls in Frage: Das sei nach wie vor viel zu gefährlich. Der langjährige Obst- und Gartenbauberater beim Landwirtschaftsamt des Enzkreises hat selber Buchsbäume und kennt sich sowohl aus eigener Anschauung als auch aus beruflicher Erfahrung mit den einstmals bei vielen Menschen in der Region so heiß geliebten, ja geradezu verehrten Pflanzen aus. Als vor Jahren der Buchsbaumzünsler in Heerscharen über die Pflanzen herfiel und sie gnadenlos vernichtete, bis nur noch braune, kahle Skelette übrig waren, fand so mancher Hobbygärtner rund ums Eigenheim keinen Schlaf mehr. Männer und Frauen meldeten sich teils den Tränen nahe bei der Redaktion und hofften auf Tipps, um das aus Ostasien eingeschleppte Insekt stoppen zu können. Vergeblich. Waren erst einmal die Schäden deutlich sichtbar, war es zu spät für Gegenmaßnahmen. Die Raupen des Buchsbaumzünslers kannten keine Gnade und vollendeten ihr Werk durch Kahlfraß. Viele Menschen in der Region verloren daraufhin das Interesse.
Hat das Insekt also für immer gewonnen? Zugegeben: Der Schutz ist aufwendig und in der Regel nur mit intensiver, regelmäßiger Handarbeit zu bewältigen. Die zugelassenen Mittel müssen rechtzeitig aufgebracht werden und auch dann empfiehlt sich ständige Kontrolle. Reisch sagt, dass man mit den Händen bis in die ganze Tiefe der Pflanze greifen und biegen muss, um sich ein zutreffendes Bild von einem möglichen Befall zu machen.
Den Versuch wagen
Alles viel zu kompliziert und sinnlos? Mitnichten. Reisch empfiehlt ganz ausdrücklich, den schönen Exemplaren eine neue Chance zu geben: „Aber es dürfen nur einige wenige Einzelpflanzen sein.“ Auf diese Weise könne eine effektive Befallskontrolle gelingen, rät der Experte. Reisch weiter: „Der Einsatz von Bacillus thuringiensis hat sich als effektives biologisches Mittel erwiesen.“ Die Behandlung müsse jedoch sehr früh ansetzen – und zwar bereits bei den jungen Larven. Die Tipps im Internet seien vielfältig. Manche Hinweise seien nützlich, so der Fachmann, andere sorgten womöglich für Verwirrung und Falschinformationen. Es sei daher sehr wichtig, nur verlässlichen Rat einzuholen. Und den gebe es beispielsweise im Internet beim Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg, einem renommierten Forschungsinstitut in Karlsruhe.
Schwarze Müllsäcke
Überdies gibt es seit einigen Jahren Berichte, dass eine passive Vorgehensweise Abhilfe gegen die Larven verspricht. Die „Bild“ titelte jüngst: „Zwischen Hoffnung und Hitzeschock: Kann eine Mülltüte gegen den Buchsbaumzünsler helfen?“ Ein schwarzer Müllsack könne über einen Strauch gezogen werden und schon werde es unter der dunklen Folie ordentlich heiß bei entsprechender Sonneneinstrahlung. Zitiert wird das Julius-Kühn-Institut. Bei Temperaturen um die 40 Grad würden die Larven absterben.
Doch Vorsicht ist geboten. Der Buchsbaum selbst ist ebenfalls empfindlich. Besonders gefürchtet sind neben dem Buchsbaumzünsler Pilzkrankheiten wie das Buchsbaumtriebsterben. Und direkte Hitze und extreme Trockenheit können der Pflanze schnell zusetzen. Der Trick mit der schwarzen Folie kann also nur über einen bestimmten Zeitraum versucht werden.
Immerhin: Einig sind sich die Experten in einer Sache: Es mit der Pflanzung einiger Buchsbäume im Garten noch einmal zu versuchen, ist aller Ehren wert und kann gelingen.
