Neue Kita und riesiger Indoor-Spielturm in der Pforzheimer Nordstadt: Hier entsteht ein Treffpunkt für Familien
Pforzheim. Ein zehn Meter hoher Spielturm mit Riesenrutsche, eine neue Kita und mehr Platz für Familien: Die Pforzheimer Stadtmission investiert 9,5 Millionen Euro in ihren Standort in der Nordstadt.
Wer auf der Bautreppe immer weiter nach oben bis über den dritten Stock hinaus läuft, der steht schließlich an der Stelle des Rohbaus, der die Gebäude der Sachsenstraße 30 und 32 künftig miteinander verbindet. Unweit davon soll ein Spielturm die Stockwerke verknüpfen. Das Projekt „Anpacken“ der Pforzheimer Stadtmission, die zur evangelischen Landeskirche gehört, reagiert auf das stetige Wachstum der Gemeinde (aktuell etwa 1300 Menschen, 400 bis 500 Kinder) in der bevölkerungs- und nationenreichen Nordstadt. Das wachsende Zentrum liegt unweit der Nordstadtschule und der Räume der mobilen Jugendarbeit.
Seit Anfang des Jahres laufen die Arbeiten auf Hochtouren in Abstimmung mit Architekt Jörg Mössner. An Wochenenden helfen 30 bis 40 Ehrenamtliche dabei, die Kosten im Rahmen zu halten, sie reißen Wände ein und verlegen Böden. All das muss das Führungsteam koordinieren und mit den Architekten absprechen. Ein neues lichtes Entree wird entstehen, von dem aus der Besucher künftig Kirche, Kita und Familienzentrum gleichermaßen erreichen kann. Eine Willkommensgeste.
Eine offene Kirche
Der Leitende Pfarrer Dirk Günkel und sein Team wollen eine nach allen Seiten offene Kirche und einen Begegnungsort für Menschen aller Generationen mitten im Quartier schaffen. Dafür werden bestehende Gemeinderäume saniert, die Pauluskirche um ein Stockwerk ergänzt, das Familienzentrum erweitert und eine geförderte Kita mit vier Gruppen gebaut.
Der absolute Knaller ist aber der Spielturm, der vertikal über alle drei Etagen über zehn Meter reichen wird. Das sei dem Platzmangel in der Fläche geschuldet, sagt Günkel. Zusammen mit dem Spielarchitektenbüro Mätsch aus Stuttgart hat die Stadtmission einen begehbaren Turm entworfen, der auf verschiedenen Ebenen labyrinthisch angeordnete Cubes vorsieht.
„Der Turm ist für Kinder ab drei Jahre geeignet“,
sagt Thorsten Fix.
Eine Soccerfläche ist ebenfalls vorgesehen. Eine neun Meter lange Rutsche bringt den Nutzer von oben dann direkt wieder ins Erdgeschoss. Der Wunsch sei groß, Kindern einen Entfaltungsraum zu bieten. Und deshalb startet die Gemeinde eine Fundraisingaktion. Denn allein die Ausstattung des Spielturms wird mehrere Hunderttausend Euro kosten.
Viel Eigenleistung
Unweit des Spielturms wird ein lichtes Café auf einer Empore etwa Eltern die Möglichkeit geben, ihren Nachwuchs beim Erkunden zu beobachten oder Zeit zu überbrücken, bis die Kita zu Ende ist.
„Insgesamt sind rund 80 Prozent des neuen Raumangebots für junge Menschen vorgesehen“,
sagt Günkel.
Das sei umso wichtiger, als die dicht besiedelte Nordstadt für Mädchen und Jungen wenig in ihrer Freizeit biete. Ein frequentierter Aufenthaltsbereich sei der Klingelpark gegenüber, der im Rahmen des Sanierungsgebiets Nordstadt II eine Frischekur erhalten soll. Die Finanzierung ist für die Stadtmission eine Herkulesaufgabe:
Von den errechneten 9,5 Millionen Euro Kosten sollen 3,8 Millionen Euro aus Spenden kommen. Davon seien erst 1,8 Millionen Euro sicher einzuplanen. Zuschüsse und Mieteinnahmen für die Kita sind ein weiteres finanzielles Standbein. Im Sommer 2026 unterstützten unter anderem Spendenläufe das Vorhaben. Bis Ende 2027 müssten die Bauarbeiten beendet sein, sagt Günkel.
Baueinsätze finden derzeit freitags von 17 bis 20 Uhr sowie samstags von 8 bis 12 Uhr statt. Interessierte können spontan mithelfen oder sich per E-Mail an baueinsatz@psm.church melden.
Quartiersmanagerin hat viele Ideen und ein großes Herz für die Nordstadt
Die 40-jährige Betriebswirtin Pina Weckesser hat zehn Jahre lang beim Versandhaus Klingel schräg gegenüber gearbeitet. Das „Café daheim“ im eingerüsteten Gebäude der Stadtmission an der Wittelsbacher Straße ist ein wichtiger Ort für ihre Quartiersarbeit. Dort finden etwa die monatlichen kulinarischen Angebote der „Suppenliebe“ mit bis zu 60 Mahlzeiten in Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein statt.
Die Quereinsteigerin und langjährige Bewohnerin des quirligen Quartiers sieht sich als Vermittlerin zwischen den Bürgern und der Stadtverwaltung. Sie sammelt Anregungen etwa bei Quartiersversammlungen und vernetzt die Beteiligten miteinander. So gab es, um den Weg zur Schanzschule für die Kinder sicherer zu machen, eine Ortsbegehung mit Elterninitiative, Ordnungsamt und Anwohnern.
Die geplante Umgestaltung des Klingelparks im Rahmen des Sanierungsgebiets Nordstadt II sei Familien ein großes Anliegen, sagt sie. Für Jugendliche der Nordstadt seien an anderer Stelle Sportgeräte oder ein Bolzplatz eine wichtige Maßnahme. Zusammen mit der Sanierungsstelle sucht die Managerin nach Realisierungsstrategien. Viele Ehrenamtliche und ein gutes Netzwerk sind nötig, wenn es ums Kochen, ums „Repair-Café“ oder auch um Angebote für Senioren geht. Für das nächste Jahr hat sie zusammen mit dem Bürgerverein sieben Termine für Nachtmärkte auf dem Pfälzerplatz vorgesehen. Ein Eiswagen hat dort bis vergangene Woche an Freitagnachmittagen die kühle Köstlichkeit als Pilotprojekt verkauft. Sollte die Nachfrage stimmen, gibt es nächsten Sommer eine Fortsetzung. Der Weihnachtsmarkt am 5. Dezember soll erstmals ebenfalls auf dem Pfälzerplatz stattfinden. Und wenn der Ebersteinplatz in einigen Jahren umgebaut sein sollte, dann gibt es dort vielleicht auch eine Schauwerkstatt, die der Nachwuchs der Goldschmiedeschule initiieren möchte. Auch das Fest rund um den Vogelbrunnen im nächsten Jahr, wenn dieser 100 Jahre alt wird, bietet den Ehrenamtlichen des Bürgervereins und Weckesser Raum für Ideen.
