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Mühlacker -  22.07.2026
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„Neue Mitte“ in Mühlacker: Gemeinderat stellt sich auf jahrelanges Mühlehof-Loch ein

Mühlacker. Es war eine Sitzung der klaren Warte. Von einer „Wunde mitten in der Stadt“ war die Rede, von einem „Loch“, das Mühlacker noch Jahre begleiten werde, und von „Luftschlössern“, für die kein Platz mehr sei. Nach der Vorstellung der Projektanalyse zur „Neuen Mitte“ überwog am Dienstagabend im Mühlacker Gemeinderat die Einsicht, dass für das ehemalige Mühlehof-Areal eine schnelle Lösung derzeit und wohl auch in ferner Zukunft nicht in Sicht ist.

Mühlacker Baugrube Mühlehof
Das Mühlehof-Loch wird das Stadtbild Mühlackers nach Einschätzung des Gemeinderats noch über Jahre prägen. Foto: Meyer

Harte Fakten auf dem Tisch

Oberbürgermeister Stephan Retter verzichtete dabei auf beschönigende Worte. In der Verwaltung habe man in den vergangenen Jahren lieber vom „Areal“ gesprochen. Tatsächlich sei es aber „nichts anderes als ein Loch“. Das Ergebnis der Untersuchung sei zudem „nicht sonderlich erfreulich“.

„Jede Maßnahme reißt uns ein großes Loch in den Geldbeutel“, sagte Retter mit Blick auf die verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten.

Selbst die immer wieder diskutierte Idee, die Baugrube zu verfüllen und als Grünanlage zu gestalten, würde nach den Berechnungen der Gutachter mehrere Millionen Euro kosten. Positiv sei immerhin, dass nun belastbare Fakten auf dem Tisch lägen. „Wir hätten uns aber kein Minus vor den Zahlen gewünscht, sondern ein Plus.“ Grundlage der Diskussion war die 170 Seiten starke Projektanalyse des Büros Albrings + Müller AG. Sie zeigt unter anderem drei Entwicklungsvarianten mit Projektvolumina zwischen rund 27 und 62 Millionen Euro auf. Für alle Szenarien errechneten die Gutachter jedoch einen negativen Grundstückswert. Die möglichen Erlöse deckten die Investitionskosten nicht, sodass aus Sicht privater Investoren derzeit keine der Optionen wirtschaftlich realisierbar wäre.

Ernüchterung im Gremium

Diese Erkenntnis prägte die Wortbeiträge der Stadträte. CDU-Fraktionschef Günter Bächle sagte, man müsse „Abschied nehmen von den langen, nervenden Diskussionen, was mit dem Loch gemacht wird“. „Wir müssen akzeptieren, dass da die nächsten Jahre gar nichts geht“, sagte er. Zugleich warnte Bächle davor, dass Thema in regelmäßigen Abständen immer wieder neu aufzurollen.

Auch LMU-Sprecher Theo Seemann warb für einen pragmatischen Umgang mit der Situation. „Die Zeiten der Luftschlösser sind einfach vorbei“, sagte er. Angesicht weiterer Millionenprojekte wie der Sanierung der Ulrich-von-Dürrmenz-Schule oder der Tiefgarage Stadtmitte stelle sich die Frage, woher zusätzliche Mittel kommen sollten. Eine Begrünung des Areals könne zwar aus stadtklimatischer Sicht sinnvoll sein, zunächst müsse man den Ist-Zustand jedoch akzeptieren. Das Gelände werde zudem durch ein bereits laufendes Street-Art-Projekt in den kommenden Wochen optisch aufgewertet. Dabei wird der Bauzaun ums Loch mit gestalteten Planen geschmückt.

Etwas optimistischer äußerte sich SPD-Fraktionschef Paul Renner. Die Zahlen seien zwar „eindrücklich“, sagte er. „Ich würde aber nicht sagen, dass wir resignieren.“ Der Sozialdemokrat hofft zudem auf das derzeit laufende Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK). Vielleicht ergebe sich dadurch eine städtebauliche Förderung. „Keiner weiß, was in zwei, drei oder vier Jahren passiert“, sagte Renner. FDP-Stadträtin Natascha Blattner warb dafür, den Ist-Zustand zu akzeptieren. Derzeit sei das Areal selbst dann kaum attraktiv für Investoren, wenn die Stadt das Grundstück kostenlos abgeben würde.

Neuer Tourismuspunkt?

Für Galgenhumor sorgte Freie-Wähler-Fraktionschef Rolf Leo. Mühlacker habe inzwischen „eine weitere Attraktivität – ein Loch“, sagte er augenzwinkernd. Ernsthaft lobte er jedoch die Verwaltung für die Marktsondierung. Die rund 50.000 Euro für die Untersuchung seien gut investiert gewesen, weil die Stadt nun endlich eine realistische Grundlage für weitere Entscheidungen habe. Seine Fraktion sehe sich zugleich in ihrer früheren Idee einer „Grünen Mitte“ bestätigt – auch wenn selbst das Verfüllen der Baugrube und die Anlage einer Parkfläche nach den Berechnungen der Gutachter fünf bis neun Millionen Euro kosten würden. „Das Ziel muss sein, nicht dauerhaft mit dieser Wunde mitten in der Stadt zu leben“, betonte Leo.

Bis diese Wunde eines Tages geschlossen werden kann, werden allerdings wohl noch viele Jahre vergehen. Wie in der Sitzung deutlich wurde, stehen für die Stadt zunächst andere millionenschwere Investitionen an. Hinzu kommen marode Straßen und Brücken. Die Aufgaben werden damit nicht weniger. Oder, wie Oberbürgermeister Stephan Retter den Abend am Ende zusammenfasste: „Das Loch ist im Eimer.“