Gemeinden der Region
Pforzheim -  31.08.2026
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Neue Struktur: Wie Pforzheims evangelische Kirche ihre Zukunft gestaltet

Pforzheim. Die Art und Weise der Transformation gilt als absolute Besonderheit in der Landeskirche und in ganz Deutschland: Die Evangelische Kirche Pforzheim hatte vor einem Jahr neun Kirchengemeinden aufgelöst und stattdessen fünf Themenbereiche implementiert. Sie werden an verschiedenen Orten im Kirchenbezirk (inklusive der Enzkreiskommunen Neuhausen und Tiefenbronn) abgebildet.

Die evangelische Stadtkirche und das Haus der Kirche aus der Luft: Sie stehen für moderne kirchliche Angebote und eine veränderte Verwaltungsstruktur. u
Die evangelische Stadtkirche und das Haus der Kirche aus der Luft: Sie stehen für moderne kirchliche Angebote und eine veränderte Verwaltungsstruktur. u Foto: Meyer

Die Angst, gerade die älteren Gläubigen zu verprellen, die vielleicht ihren geliebten Gottesdienst im Quartier nicht mehr zur gewohnten Zeit besuchen können, war immer wieder Thema in den zahlreichen Abstimmungsrunden im Vorfeld.

Klar ist aber auch: Der Pfarrnachwuchs fehlt, und Neueinstellungen bedürfen aufgrund des klammen kirchlichen Haushalts besonderer Prüfungen. Von den etwa 30.000 Menschen im evangelischen Kirchenbezirk Pforzheim-Stadt verliert die Kirche jährlich bis zu 1000 Menschen, dementsprechend fehlen Einnahmen durch die Kirchensteuer.

Ein erstes Resümee

Die neuen thematischen Angebote wie etwa besondere Gottesdienste, Angebote für Junge und Ältere, Beratungen und Mitmachformate sind seit 2025 nicht mehr an einen Ort gebunden. Die Kirche trennt sich gleichzeitig nach und nach auch von Immobilien. Die hohen Kosten sitzen den Verantwortlichen im Nacken. Die Umstrukturierung geschieht im Rahmen des Strategieprozesses der Landeskirche „ekiba 2032“.

Wie sieht ein erstes Resümee nach einem Jahr aus? Der stellvertretende Dekan Malte Dahme sagt: „Die Kirche ist wachgerüttelt worden. Die Menschen in die Verantwortung zu rufen, entspricht dem kirchlichen Auftrag.“ Er und die Geschäftsführerin der Evangelischen Kirchenverwaltung, Sabine Künstler, sind begeistert, wie viel Gestaltungspotenzial der Prozess trotz der schwierigen finanziellen und personellen Rahmenbedingungen freigesetzt habe – sowohl bei Ehrenamtlichen als auch bei Hauptamtlichen.

Ein zentrales Pfarramt mit Servicetelefon sei Anlaufstelle für Termine bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen. Wer wolle, könne sich aber auch mit seinem Lieblingspfarrer absprechen. Es gebe zudem ein zentrales Sorgentelefon, viel besser erreichbar als die früheren Pfarrämter. Diese Angebote würden gut angenommen.

In den auf drei Jahre gewählten Leitungsteams der einzelnen Themenbereiche könnten sich auch Menschen ohne religiöse Zugehörigkeit engagieren und Budgetverantwortung tragen, erklärt Künstler. „Kirche ist Vielfalt.“ So treffen sich unter dem Motto „Nachhause kommen“ junge Erwachsene und gestalten zusammen mit dem ebenso jungen Leitungsteam abendliche Gottesdienste mit Wohnzimmeratmosphäre oder sie planen Freizeiten.

Verwaltungschefin Künstler und ihre Kollegen evaluieren den Prozess, um die richtigen Folgerungen zu ziehen. Manche Kirchenverordnung sei speziell für diesen Pforzheimer Weg erlassen worden, sagt sie. Ein schwieriger und auch anstrengender Prozess, der vieler Gespräche bedürfe, sagt Künstler. Doch die Möglichkeit, auch die Mitarbeitenden mit ihrer Kreativität ins Boot zu holen, sei eine großartige Ressource.

Im Vorfeld der Kirchenwahlen im Herbst erhalten die Verantwortlichen immer wieder auch kritische Rückfragen und sind mit drohenden Kirchenaustritten konfrontiert. Sie merken, dass Gläubige mitunter die Notwendigkeit, den Wandel aktiv zu gestalten, nicht verstehen. Den Menschen deshalb ein Gesprächsangebot zu machen und die Umstrukturierung zu erklären: Öffentlichkeitsreferentin Christiane Rivoir wird nicht müde, für diesen eingeschlagenen Weg mit Herzblut zu werben.

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