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Nordschwarzwald -  01.06.2021
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Nichte missbraucht: Dreieinhalb Jahre Haft für 44-Jährigen aus dem Nordschwarzwald

Im Prozess gegen einen 44-jährigen Familienvater aus dem Nordschwarzwald, dem die Staatsanwältin Rotraud Hölscher vier Fälle von Missbrauch an seiner heute 16-jährigen Nichte vorgeworfen hatte, ist am Dienstag das Urteil der Tübinger Jugendstrafkammer ergangen. Es lautet auf dreieinhalb Jahre Haft.

Nach der Verurteilung wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Misshandlung Schutzbefohlener, kämpft ein Ehepaar seit Dienstag vor dem Landgericht Mannheim um eine Minderung der Strafe.

Dass die Öffentlichkeit von Vernehmungen betroffener jugendlicher Zeugen ausgeschlossen wird, ist die Regel. Dass zum Opferschutz auch die Plädoyers von Anklage und Verteidigung vor verschlossenen Türen gehalten werden, kommt eher seltener vor. Völlig ungewöhnlich ist, dass so ein Ausschluss der Öffentlichkeit wegen schutzwürdiger Interessen des Angeklagten verfügt wird. Genau das aber hatte der Verteidiger York Fratzky im Namen seines Mandanten beantragt. Und die Kammer hatte dem gestern stattgegeben.

In dem Verfahren standen vier Fälle von Missbrauch über einen Zeitraum von rund zehn Jahren zur Verhandlung. In einem Fall hatte der Angeklagte eine Grenzüberschreitung beim Kuscheln eingeräumt, über die er selber erschrocken gewesen sei: Er habe seine Hand am Intimbereich der Nichte gehabt.

Verständigung abgelehnt

Die anderen Geschehnisse aber stritt er ab und hatte über seinen Anwalt das Angebot einer sogenannten Verständigung – Strafminderung gegen Geständnis – rundweg abgelehnt. Der 44-Jährige mutmaßte eine Verbindung der Vorwürfe gegen ihn zu der tatsächlichen Vergewaltigung der Jugendlichen, für die ihr damaliger Freund 2019 verurteilt worden war, zumal das im engen zeitlichen Zusammenhang zum letzten der angeklagten Vorfälle stand.

Die psychiatrische Gutachterin Marianne Clauß hingegen hatte die Aussagen des Mädchens auch zu den Erlebnissen als sechsjähriges Kind in der vergangenen Woche für glaubhaft und stimmig erklärt und „Übertragungen“ anderer Geschehnisse zulasten des Onkels für höchst unwahrscheinlich erachtet. Mehr über das Thema lesen Sie am .Mittwoch, 2. Juni,. in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

Autor: ber