Noch kein Ersatz gefunden: Ohne Kämmerer muss der Haushalt in Ötisheim noch warten
Ötisheim. „So eine Situation, keinen Haushalt zu haben, hatte ich in meinen 32 Jahren Amtszeit noch nie“, sagt Ötisheims Bürgermeister Werner Henle im PZ-Gespräch. Denn im vergangenen Jahr kam ihm sein letzter Kämmerer Kevin Wagner abhanden, der selbst gekündigt hatte und seit Oktober nicht mehr für die Gemeinde arbeitete.
Er hatte sich als Bürgermeister in Unterensingen im Landkreis Esslingen beworben. Bei der Wahl im Dezember unterlag Wagner jedoch seinem Mitbewerber Robin Schmitt, der mit 66,5 Prozent deutlich siegte. Wagner erreichte nur 32,47 Prozent. Zuvor hatte Wagner dem Ötisheimer Gemeinderat versprochen, den Haushalt für 2026 noch aufzustellen, was er aber nicht tat. „Es hat sich bislang niemand Qualifiziertes auf die Stellenausschreibung gemeldet“, berichtet Henle. Deshalb werde der Haushaltsplan für 2026 dieses Jahr in Ötisheim erst später eingebracht. „Wir brauchen einen Kämmerer und Kümmerer“, beschreibt Henle die Anforderungen an den künftigen Stelleninhaber. Und: „Wir haben Geld, ein solides Fundament und keine Schulden, in Ötisheim kann man etwas bewegen“, unterstreicht der Bürgermeister. Denn das hält er für sehr gute Voraussetzungen.
Ende August geht Henle als dann 69-Jähriger in den Ruhestand.
„Die Rückmeldungen auf unsere Ausschreibungen waren schlecht, es gab viele, die den Anforderungsgrad als Kämmerer nicht erfüllen“,
sagt Henle.
Seines Wissens nach suchten derzeit drei von den insgesamt 28 Enzkreisgemeinden ebenfalls einen Kämmerer. Will er die Aufstellung des Haushaltsplans für 2026 unter Umständen fremdvergeben? „So weit sind wir noch nicht“, sagt Henle. Denn die stellvertretende Ötisheimer Kämmerin Julia Hill sei schon dran. Aber: Es werde noch ein paar Wochen dauern, bis das vollständige Zahlenwerk für 2026 vorliege. Und was passiert ohne Haushaltsplan? „Wir haben noch Aufgaben aus den Vorjahren zu erfüllen“, erklärt der Gemeindechef. 90 Prozent der Aufgaben liefen also normal weiter, weil sie ja bereits beschlossen seien. Dazu gehören auch die drei Regenüberlaufbecken, Nummer fünf im Bereich „Bruch“, Nummer sechs an der Bushaltestelle der Landesstraße 1132 und Nummer sieben in der Bachstraße. Auf den Weg gebracht sei auch der Bebauungsplan für das neue Baugebiet „Hofäcker“ an der Landesstraße 1132.
Eine Lärmschutzwand existiere bereits. Und ein neuer Kreisverkehr an der Abbiegung nach Enzberg soll dann die Zufahrt zum neuen Baugebiet regeln. Geplant sind im „Hofäcker“ auf 6,5 Hektar Fläche 60 bis 70 Bauplätze.
„Ich hätte gerne noch die Abwägungsgründe der Träger öffentlicher Belange im Gemeinderat behandelt, aber das schaffen wir vermutlich nicht mehr“,
sagt Henle.
Denn zum 31. August endet seine Amtszeit und er stellt sich nicht mehr zur Wahl. Früher, so Henle, seien viele Haushalte erst später eingebracht worden, um sich bei den derzeit teils fragilen kommunalen Finanzen Nachtragshaushalte zu ersparen. Überdies bleibe, so Henle, auch die Option, mit der Kommunalaufsicht zu reden, ob sie einen Kämmerer abstellen könnten. Am 9. März sollen im Gemeinderat die Modalitäten für die diesjährige Bürgermeisterwahl festgelegt werden. Ende Juni soll die Wahl stattfinden, ein Ausweichtermin sei 14 Tage später terminiert. „Ich gehe davon aus, dass wir einen Bürgermeister finden“, sagt Henle. Denn: „Trotz aller zunehmenden Widrigkeiten mache ich meinen Beruf immer noch gern“, sagt Henle.
