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Nordschwarzwald -  23.03.2020
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Nordschwarzwald ist beim Kampf um mehr Corona-Intensivbetten gefragt

Nordschwarzwald. Während das öffentliche Leben in Deutschland herunterfährt, wird im Gesundheitssektor daran gearbeitet, die Anzahl der Intensivbetten möglichst zu verdoppeln. Darauf haben sich Bund und Länder vergangene Woche verständigt. Damit der Plan umgesetzt werden kann, sollen unter anderem Rehabilitationseinrichtungen, Hotels oder größere Hallen umgerüstet werden, um dort die zahlreichen leichteren Krankheitsverläufe zu versorgen. Das Landratsamt in Calw hatte diesbezüglich schon Kontakt mit den Bürgermeistern im Nordschwarzwald. Zusätzlich wird beispielsweise die Sana Klinik in Bad Wildbad zur „Infektionsklinik“.

Die Sana Klinik in Bad Wildbad wird zur „Infektionsklinik“. Zwei Stationen stünden für Corona-Patienten und Verdachtsfälle bereit. Foto: Sana Kliniken Bad Wildbad
Die Sana Klinik in Bad Wildbad wird zur „Infektionsklinik“. Zwei Stationen stünden für Corona-Patienten und Verdachtsfälle bereit. Foto: Sana Kliniken Bad Wildbad

Das teilt der Pressesprecher Moritz Tzschenscher am Montag auf Anfrage mit. Die medizinische Einrichtung halte in enger Abstimmung mit dem Landratsamt Calw zwei Stationen für die Versorgung von Corona- und Verdachtspatienten bereit. Bei Bedarf könnten die Reha-Kliniken, zu denen auch das Neurologische Rehabilitationszentrum Quellenhof gehört, für eine weitere Entlastung der Akutkrankenhäuser sorgen, so Tzschenscher weiter.

Die Sana Kliniken in Bad Wildbad müssen dafür auch ihren Betrieb umstellen. Teils werden in den einzelnen Abteilungen nur noch medizinisch dringliche Fälle behandelt. „Mitarbeiter mit medizinischem Hintergrund werden gerade vorbereitet und geschult, um das Pflegepersonal bei der Versorgung der Covid-Patienten zu unterstützen“, antwortet der Pressesprecher auf Anfrage. Teams würden gebildet, in denen es mindestens eine erfahrene und examinierte Pflegekraft gebe. Diese seien dann Koordinatoren auf den beiden Corona-Stationen. Bisher seien in den Sana Kliniken Bad Wildbad aber keine positiv getesteten Personen behandelt worden.

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Mehr Beatmungsmöglichkeiten

Für Corona-Patienten gibt es aktuell an den Klinikstandorten Calw und Nagold Behandlungsmöglichkeiten. Aktuell würden dort Beatmungsmöglichkeiten ausgebaut, teilt Anja Härtel, Sprecherin des Landratsamts, mit. In Abstimmung mit dem DRK, der Kreisärzteschaft und dem Klinikverbund Südwest gebe es zudem umfangreiche Vorbereitungen, „um für den wahrscheinlichen Fall einer weiter aufwachsenden Lage die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung sicherstellen zu können“. Über weitere derzeit in Vorbereitung befindliche Maßnahmen wolle das Landratsamt zu gegebener Zeit informieren, schreibt Härtel auf Anfrage.

Bei der Schaffung neuer Behandlungsplätze im Land könnte zusätzlich eine Immobilie in Bad Wildbad eine Rolle spielen. „Mit dem Eigentümer der alten Sana-Klinik stehen wir in Kontakt. Das ehemalige Krankenhaus stünde im Notfall und bei Bedarf ebenfalls zur Verfügung“, so Bad Wildbads Bürgermeister Klaus Mack.

Bei der alten Sana-Klinik muss es aber nicht bleiben. Das Landratsamt streckt im Kreis weiter die Fühler aus. „In der Tat ist es so, dass das Landratsamt Calw mit uns Bürgermeistern im steten Kontakt ist, um die Notfallpläne umzusetzen und gegebenenfalls auf eine Einrichtung zurückgreift“, schreibt Schömbergs Bürgermeister Matthias Leyn gestern der PZ. „Wir gehen davon aus, dass das Landratsamt auf die jeweilige Gemeinde oder Stadt zugeht, wenn es an die Umsetzung geht.“ So ähnlich formuliert es auch Mack: „Das Landratsamt wird bei Bedarf auf die Kommunen zukommen.“

Eine konkrete Anfrage hat es von der Kreisbehörde im Kernverbreitungsgebiet der „Pforzheimer Zeitung“ also noch nicht gegeben. Das schreibt auch Dobels Bürgermeister Christoph Schaack der PZ. Falls diese kommen sollte, wolle seine Gemeinde aber selbstverständlich helfen. Ebenso bei der Vermittlung von Leerständen im touristischen Bereich. Da die Anforderungen an die Räumlichkeiten nicht bekannt sind, kann Schaack jedoch noch keine Gebäude nennen, die in Dobel in Betracht kämen. Für Höfens Bürgermeister Heiko Stieringer ist schon klar: „Leider können wir mit den vorhandenen Einrichtungen in der Gemeinde nicht dienen.“

Autor: kri