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Pforzheim -  18.10.2026
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Ohne Ärzte vor dem Aus: Kriegt das Medizinische Versorgungszentrum in Pforzheim noch die Kurve?

Pforzheim. Es sollte den Ärztemangel in Pforzheim lindern. Doch inzwischen steht das städtische Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in der Innenstadt leer. Seit Juli werden dort keine Patienten mehr behandelt. Nun beschäftigt das Projekt erneut die Kommunalpolitik. Die Zukunft des Sorgenkinds ist mehr als ungewiss. Die Hoffnungen waren groß, als die Stadt Pforzheim im Sommer 2024 ein eigenes Medizinisches Versorgungszentrum gründete.

MVZ Stadtapotheke Engagement WerkStadt
Im Obergeschoss über der Stadtapotheke sind die Räume des städtischen MVZ angesiedelt. Foto: Meyer

Angestellte Ärzte, flexible Arbeitszeiten und weniger Verwaltungsaufwand sollten Mediziner nach Pforzheim locken und insbesondere die angespannte kinderärztliche Versorgung verbessern.

Anfang 2025 nahm das MVZ seinen Betrieb auf. Dafür übernahm die Stadt eine bestehende Kinderarztpraxis samt Personal. Im Juli folgte der Umzug in neue Räume in der Fußgängerzone über der Stadt-Apotheke. Doch der erhoffte Erfolg blieb aus. Die Patientenzahlen lagen deutlich unter dem Durchschnitt vergleichbarer Praxen, die Kosten explodierten.

Ärzte zog es weg aus Pforzheim

Im April 2026 folgte der nächste Rückschlag: Beide angestellten Kinderärzte kündigten. Seit Anfang Juli ruht der Praxisbetrieb vollständig. Mit Andreas Liebert, einem früheren Oberarzt des Helios Klinikums, übernahm im August ein neuer Geschäftsführer die Aufgabe, das MVZ wiederzubeleben. Gesucht werden Mediziner, die in Teilzeit und im Angestelltenverhältnis arbeiten möchten.

Dabei ist der Bedarf an Ärzten in Pforzheim weiterhin groß. Nach Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg lag der kinderärztliche Versorgungsgrad im Februar bei gerade einmal 82 Prozent. Rechnerisch wären noch 3,5 zusätzliche Arztsitze möglich gewesen – und der spätere Weggang der beiden MVZ-Ärzte ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Auch bei den Hausärzten ein ähnliches Bild: Im Mittelbereich Pforzheim, der zusätzlich Teile des Umlands umfasst, lag der Versorgungsgrad bei nur 86,1 Prozent. Liebert sprach im Juli von fünf bis sechs fehlenden Kinderärzten und rund 20 fehlenden Hausärzten allein in der Stadt.

Umso schwerer wiegt das Scheitern des bisherigen MVZ-Konzepts. Statt die Versorgung zu verbessern, ist das Gegenteil passiert: Durch die Kündigung der beiden Kinderärzte – eine davon, Dr. Monika Riexinger, praktiziert mittlerweile in Remchingen – fehlen Pforzheim sogar mehr Kinderärzte als vor der MVZ-Gründung.

Zugleich belastet das Projekt die Stadtkasse: Das Geschäftsjahr 2025 schloss mit einem Verlust von rund 270.000 Euro ab. Nun will die Verwaltung 223.300 Euro aus bereits eingeplanten Haushaltsmitteln für den Defizitausgleich bereitstellen. Auch für 2026 wird ein erheblicher Fehlbetrag erwartet.

Am 22. Oktober beschäftigt sich der Sozialausschuss mit dem Thema. Bis Ende des Jahres will die Verwaltung eine Perspektive für die Wiederaufnahme des Betriebs finden – möglicherweise mit Hausärzten statt Kinderärzten. Andernfalls steht das gesamte Projekt auf der Kippe. In der Sitzungsvorlage heißt es: „Sollte dies nicht gelingen, muss über alternative Szenarien entschieden werden.“

Was tun andere Städte?

Einen anderen Weg im Kampf gegen den Ärztemangel geht Heilbronn. Dort beschloss der Gemeinderat im Mai 2025 ein Maßnahmenpaket, nachdem bekannt geworden war, dass fast die Hälfte der Hausärzte – ebenso wie in Pforzheim – über 60 Jahre alt ist. Die Stadt fördert private Praxisgründungen und -übernahmen mit bis zu 30.000 Euro, vergibt Medizinstipendien und unterstützt die Weiterbildung angehender Kinderärzte. Zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen im Gesundheitsamt und Schulgesundheitsfachkräfte sollen kurzfristig entlasten.

Auch Stuttgart setzt auf finanzielle Anreize. Im Mai 2026 wurde das bestehende Förderprogramm für Kinderärzte auf Hausärzte ausgeweitet. Für Praxisgründungen und -übernahmen gibt es bis zu 40.000 Euro, für Gemeinschaftspraxen bis zu 80.000 Euro. Das bisherige Programm zeigt erste Ergebnisse: Neun Förderanträge wurden bewilligt, darunter zwei Gemeinschaftspraxisgründungen und sechs ärztliche Anstellungen. Für 2026 und 2027 sind vorbehaltlich der Haushaltsgenehmigung insgesamt 764.000 Euro vorgesehen.

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