Opulentes Konzert-Finale für „pro arte“: Grandioser Schlusspunkt nach 40 Jahren
Königsbach-Stein. Es war ein opulentes Konzert, mit dem der Kulturverein „pro arte“ Abschied von der Bühne nahm. Die Festhalle Königsbach, in der vor 40 Jahren alles begann, brechend voll, das abwechslungsreiche Programm hochkarätig, die Künstler renommiert und allesamt „pro arte“ seit langem verbunden.
Beginn mit Fany Solter
Zum Auftakt spielten „pro arte“-Mitbegründerin Fany Solter und Roberto Domingos, Professor an der Musikhochschule Karlsruhe, die Ungarische Rhapsodie Nr. 2 von Franz Liszt in einer Fassung für Klavier zu vier Händen. Sie widmeten sich Liszts fingerbrecherischem Bravourstück mit eher verhaltenen Tempi und arbeiteten sensibel die mit melancholischen Motiven wechselnden tänzerischen Passagen des berühmten Stückes heraus.
Martin Ostertag (Cello) ließ mit seiner Frau Katrin Melcher (Viola) und seinem Sohn Christian Ostertag (Violine) mit dem Streichtrio von Jean Françaix aus dem Jahr 1933 eine frische Frühlingsbrise durch den Saal wehen. Das formal klassischen Kompositionen anverwandte Stück mit seiner besonderen Harmonik und den gut verfolgbaren, wenn auch komplexen Themensträngen kommt tänzerisch, lebhaft hüpfend, mit augenzwinkerndem Humor und durchaus melodisch daher und wurde von der Musikerfamilie mit weichem Strich transparent interpretiert.
Hochdramatisch wurde es vor der Pause mit dem dritten und vierten Satz aus der Sonate d-Moll für Klavier und Violine, op. 108 von Johannes Brahms, gespielt von Laurent Albrecht Breuninger (Violine) und Eva-Maria Rieckert (Klavier). Mit der beliebten Sonate hat der Komponist der ungarischen Volksmusik ein virtuoses Denkmal gesetzt. Nach dem lyrischen Intermezzo des dritten Satzes mit seinen perlenden Läufen, der tänzerischen Rhythmik und der eher düsteren Grundstimmung bricht im vierten Satz stürmische Leidenschaft mit dramatischer Dynamik und furios anziehenden Tempi aus. Den virtuosen Klavierpart meisterte Eva-Maria Rieckert souverän und kraftvoll, während Laurent Albrecht Breuninger in einem kongenialen Wettstreit die letztlich triumphale Geigenstimme in der Tradition der „Teufelsgeiger“ herausarbeitete.
Der international bekannte Trompeter Reinhold Friedrich und die Pianistin Eriko Takezawa, die in zwei Wochen heiraten, hatten die Sonate für Trompete und Klavier des amerikanischen Komponisten George Antheil aus dem Jahr 1951 mitgebracht. In den mit Alltagsmusik verwobenen Motivsträngen tauchen immer wieder Fetzen von schon einmal Gehörtem auf. Der wahrhaft atemberaubende Trompetenpart ist spieltechnisch extrem anspruchsvoll – kein Problem für den humorvollen Musiker, den seine Partnerin temperamentvoll begleitete, ohne das Klavier in den Vordergrund zu stellen.
Einen Klassik-Ohrwurm hatten die Pianistinnen Sontraud Speidel und Saule Tatubaeva mit dem Slawischen Tanz in g-Moll op. 46 zu vier Händen von Antonin Dvorak im Gepäck. Große Spielfreude und Temperament waren gepaart mit filigraner Gestaltung. Den Schlusspunkt setzten Josef Rissin (Violine), Martin Ostertag (Cello) und Sontraud Speidel (Klavier) mit dem zweiten und vierten Satz aus dem Klaviertrio d-Moll op. 49 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Zu dem gefühlvollen Klavierpart gesellten sich die Streicher mit innigen Kantilenen und singendem Vibrato und ließen eine gepflegte, melancholische Leidenschaftlichkeit aufscheinen.
Nicht enden wollender Beifall und stehende Ovationen für ein Abschiedskonzert, das in Erinnerung bleiben wird.
