„O’zapft is!“ auf dem Marktplatz: Zwölfte Pforzheimer Bierbörse eröffnet
Pforzheim. Wie immer ist die Frage, ob momentan ein guter Zeitpunkt ist, um an der Börse in Aktien zu investieren, nicht leicht zu beantworten. Eine Investition an der zwölften Pforzheimer Bierbörse könnte da schon lohnenswerter sein, zumindest erfolgt die Auszahlung der Dividende und möglicher Kursgewinne umgehend auf das individuelle Genusskonto.
Diese Frage eindeutig mit „Ja“ haben die Würmer Denise Niethammer und Thomas Müller beantwortet. Bereits am frühen Morgen sind sie am Vatertag im Pforzheimer Stadtteil mit Ziel Marktplatz losgelaufen. Nach einer witterungsbedingten „Zwangspause“ am Kupferhammer ging die Reise weiter in die Innenstadt zur Bierbörse. Einige Herrenwandergruppen hätten sich ebenfalls ihrem Schicksal gefügt und einen willkommenen Stopp am Pforzheimer Traditionsgasthaus eingelegt.
Auf dem Marktplatz kommt mittlerweile keine Feuchtigkeit mehr von oben, die letzten Vorbereitungen für die Bierbörse laufen auf Hochtouren. Auf der Bühne montieren die Techniker ein paar verbliebene Kabel, die Biervorräte wandern an den Ständen in die Kühlschränke, Gläser werden bereitgestellt. Celine Müller und Nina Baldauf haben die wichtige Aufgabe, die 200 Paar Weißwürste aus den Packungen zu nehmen und im großen Topf mit heißem Wasser auf gaumenschmeichelnde Temperatur zu bringen. Die Würste gibt es zusammen mit einer Brezel zum kostenlosen Weißwurstfrühstück. Um die weitere wichtige Zutat, das Freibier aus dem Fassanstich, kümmert sich in diesem Jahr CDU-Stadtrat Jörg Augenstein in Vertretung des Oberbürgermeisters. Vergangenes Jahr hatte Bürgermeister Tobias Volle seinen Einstand beim Einschlagen des Zapfhahns und konnte mit vier Schlägen den Gerstensaft zum Sprudeln bringen. Diese Vorlage galt es nun im Idealfall zu unterbieten. „Alles über zwei Schlägen wäre eigentlich eine Blamage. Aber ich möchte keinen Druck aufbauen“, scherzt Bierbörsen-Organisator Bernd Noll.
„Der Druck ist hoch, zwei Schläge. Meine Güte, so oft mache ich es nicht. Normalerweise halte ich immer den Druck in meinen Begrüßungsreden hoch“, kontert Augenstein, der in seiner Ansprache das Engagement der Veranstalter unterstreicht: „Wir sind froh, über jede Veranstaltung, die auf dem Marktplatz stattfindet und damit ein herzliches Dankeschön noch mal an den Veranstalter, dass er der Stadt so die Treue hält.“ Lange Vorrede – kurzer Schlag: Mit nur einem zielgerichteten Hammerschlag sitzt der Hahn fest im Fass, das wie immer von der Brauerei Ketterer gespendet wurde.
Über den Platz verteilt präsentieren zahlreiche Brauereien und Händler aus aller Welt eine außergewöhnliche Auswahl an Bierspezialitäten. Neu in diesem Jahr ist der Münchner Hofbräu-Stand, der für traditionelle bayerische Braukunst und frisch gezapfte Klassiker wie Helles und Weißbier steht. Es gibt kleine Probiergläser, um an möglichst vielen Ständen die Köstlichkeiten verkosten zu können. Mancher Meter Bier geht dort gleich über die Tresen und schmeckt dem zahlreich erschienenen Publikum.
Das musikalische Programm bietet für jeden Geschmack etwas Passendes: Zum Fassbieranstich am Vatertag legt ein DJ auf, dann sorgt die Partyband „Firma Holunder“ für beste Feierlaune. Am Freitagabend steht die Coverband „Dougie & the blind brothers“ auf der Bühne, bevor am Samstagabend traditionell „Cover Up“ den krönenden Abschluss bilden. Eine Besonderheit wird sich für die Verkaufsstände der Brauereien in diesem Jahr durch den Bombenfund im Oststadtpark und der geplanten Entschärfung am Sonntag ergeben. Der Abbau der Stände muss deshalb noch in der Nacht erfolgen, da der Marktplatz im Evakuierungsradius liegt, was am Sonntag ab 8 Uhr in Kraft tritt. Die Bierbörse verzichtet ohnehin seit einigen Jahren auf den Sonntag als Veranstaltungstag, somit ergeben sich dadurch keine Umsatzeinbußen. Die Pforzheimer Betrieben können dann auch am Montagvormittag abbauen.
