PZ-Report vom Rotorblatt-Unfall bei Calmbach: Ein Schaden in Millionenhöhe
Bad Wildbad. Es ist kurz vor halb zehn am Donnerstagmorgen. Plötzlich und ganz langsam setzt sich der zwischen Calmbach und Seewald verunglückte Schwertransport wieder in Bewegung. Voraus fährt ein Polizeiauto, auch zwei Kleintransporter begleiten den Transport. Und nur wenige Minuten später zeugen auf der kerzengeraden Strecke durch den Schwarzwald nur noch die meterlange Lücke in der Leitplanke und der aufgewühlte Boden von dem folgenschweren Unfall, der hier heute Nacht geschehen ist.
Kurz nach Mitternacht ist der Sattelzug, der mit einem Rotorblatt für den neuen Windpark bei Besenfeld beladen ist, auf der Strecke zwischen Agenbach und Calmbach unterwegs. Der Nachläufer des Transporters kommt nach ersten Erkenntnissen nach rechts von der Fahrbahn ab und rutscht etwa acht Meter weit eine Böschung hinunter. Verletzt wird niemand, die Bergung ist aufwendig. Als Unfallursache wird ein technischer Defekt vermutet. Der Schaden liegt in Millionenhöhe.
Am Donnerstag in den frühen Morgenstunden können der Nachläufer mitsamt dem rund 70 Meter langen Rotorblatt wieder auf die Straße gehoben werden. Doch was nun? Nach Einschätzung der Mitarbeiter vor Ort kann das Rotorblatt nicht mehr verwendet werden. Trotzdem muss die gesperrte Bundesstraße wieder frei für den Verkehr werden, der nach dem Unfall über die B 296 in Richtung Oberreichenbach geleitet wird.
Es ist kalt und neblig an diesem Morgen. Einzelne Schneereste zeugen von dem Wintereinbruch vor wenigen Tagen. Plötzlich blitzt ein Regenbogen durch die sonst dunklen Wolken. Die Mitarbeiter des Transportunternehmens müssen nun erst mal abwarten. Zwei Polizeibeamte kommen an, die Lage wird besprochen. Der havarierte Schwertransport soll so bald wie möglich weiter fahren.
Doch dafür braucht es die Freigabe der zuständigen Landratsämter in Calw und Freudenstadt, wie ein Polizeibeamter erklärt. Die schweren Geräte, die für die Bergung herbei gerufen wurden, sind mittlerweile wieder abgerückt. Und plötzlich setzt sich auch der verunglückte Transporter wieder in Bewegung. Es geht offenbar zu einem Parkplatz, an dem das Rotorblatt zwischengelagert werden soll.
Doch nicht nur auf diesem Abschnitt der B 294 ist am Donnerstagmorgen einiges los. Auf dem dem Parkplatz am Friedhof von Neuenbürg steht ein weiterer Transporter mit einem Rotorblatt. Dort ist das kein seltenes Bild, schließlich warteten am Freibad schon mehrfach Rotorblätter auf ihren Weitertransport in die Windparks. Und auch am Ortsausgang von Calmbach in Richtung Freudenstadt, direkt nach der Tankstelle, steht ein Schwertransporter, der mit einem Rotorblatt beladen ist.
Beide Transporter sollen erst in der Nacht auf Freitag weiter fahren. Autos, die in Calmbach von der Umleitungsstrecke aus Oberreichenbach herunter kommen, müssen direkt am parkenden Schwertransporter vorbei fahren, er blockiert eine Spur. Sie werfen interessierte Blicke auf den gestrandeten Koloss. So manche Verkehrsteilnehmer will sich offenbar nicht behindern lassen: Ein Autofahrer fährt einfach unter dem Rotorblatt hindurch, um ihn eine Einfahrt zu gelangen.
