PZ-Serie „Hinterm Ortsschild“ in Eisingen: Wo Gemeinschaft wächst und Tradition lebt
Eisingen. Ein Backhaus, das jeden zweiten Samstag zum Brotbacken in einem echten Holzbackofen einlädt, Grundschulkindern diese Tradition nahebringt und zugleich Raum für Begegnungen schafft, findet man am Rande von Eisingen an der Bohrrainhalle.
„Hier darf jeder mitmachen, der Spaß am Backen hat. Man muss nur seinen eigenen Teig mitbringen“, sagt Markus Kirschbaum, erster Vorsitzender des Gesangvereins Eisingen. Dass diese Backtage längst zur festen Tradition geworden sind, ist dem Engagement seiner Vorgänger zu verdanken: Mit Unterstützung einer Baufirma entstand das kleine Häuschen 2024 als Ort des Miteinanders. Besonders lebendig wird es auf der rund 20 Quadratmeter großen Fläche, wenn Kinder dabei sind. Diese beobachten mit leuchtenden Augen das Feuer, kneten ihren Teig und erleben etwas, das für viele heute ungewohnt ist. „Viele kennen Brot nur vom Bäcker“, sagt der in Eisingen wohnhafte Michael Oesterle. „Umso schöner ist es, zu sehen, wie kreativ sie werden, wenn sie selbst Hand anlegen.“
Zwischen knisternden Holzöfen, stiller Natur und einer sagenumwobenen Felsspalte zeigt sich in Eisingen, was gelebte Gemeinschaft ausmacht. Wer genauer hinschaut, entdeckt einen Ort, der Vergangenheit bewahrt und zugleich im Heute verankert ist.
Das sind die drei Geheimtipps:
1. Das Backhaus: Brot backen wie früher – aber gemeinsam: Seit Frühjahr 2024 lädt das Backhäuschen des Gesangvereins Eisingen dazu ein, traditionelles Handwerk neu zu entdecken. Das Besondere: Der Brotteig wird in den eigenen vier Wänden vorbereitet und jeden zweiten Samstag in einem echten Holzbackofen gebacken. Neben dem besonderen Aroma sei auch die Gemeinschaft vor Ort einzigartig, so der erste Vorsitzende des Gesangvereins, Markus Kirschbaum. Anmelden können sich Interessenten über WhatsApp oder telefonisch unter: (0162)9629968.
2. Die alte Kelter: Wo heute Stille herrscht, bestimmten einst Muskelkraft und Handwerk den Takt: Bereits 1556 fertiggestellt, zählt die Eisinger Kelter zu den ältesten Deutschlands. Bis ins Jahr 1948 wurde hier mithilfe von vier mächtigen Kelterbäumen Wein gepresst, weiß der ehemalige Gemeinderat Michael Oesterle. Welche Bedeutung der Weinbau einst hatte, zeigt ein Blick in die Zahlen: Während im Jahr 1663 in der Gemeinde rund 162.000 Liter Wein erzeugt wurden, sind es heute nur noch etwa 50.000 Liter. Künftig soll die Kelter neu gestaltet und öffentlich zugänglich werden.
3. Das alte Eisinger Loch: Mit Farnen und Moos bewachsen liegt das alte Eisinger Loch fast schon verwunschen inmitten von Feldern und Wiesen. Historikern zufolge sei dieses mehrere Hundert Jahre alt, weiß der ehemalige Gemeinderat Michael Oesterle. Im Inneren der durch Auswaschungen entstandenen Höhle tummeln sich neben Fledermäusen und Eulen besonders in den Wintermonaten Füchse und verwilderte Katzen. Und noch etwas fällt auf: Im Sommer ist es im Eisinger Loch rund fünf Grad kühler als draußen, im Winter fünf Grad wärmer.
Drei Fragen an den Bürgermeister:
1. Das eine Ereignis, über das man noch in 100 Jahren sprechen wird?
„Das Gemeindejubiläum‚ 1200 Jahre Eisingen‘ steht zwar erst im Jahr 2028 an, aber ich bin mir sicher, dass hierüber auch noch in 100 Jahren gesprochen wird.“
2. Welche Veranstaltung, welches Fest in Ihrer Gemeinde darf man nicht verpasst haben?
„Eisingen kann über das Jahr verteilt auf eine Vielzahl von Festen blicken, die Vereine in der Gemeinde leisten hier Großartiges. Als zwei besondere Schmankerl werden seit wenigen Jahren im jährlichen Wechsel das Eisinger Winzer- und Kelterfest und das Waldparkfest gefeiert, wo ebenfalls die Eisinger Vereine rund um die Alte Kelter, beziehungsweise im Waldpark ein buntes Programm präsentieren.“
3. Welches Thema ist aktuell die größte Herausforderung in Ihrer Gemeinde?
„Der erste Impuls auf diese Frage ist natürlich die finanzielle Situation, vor der aktuell Kommunen landauf, landab stehen. Allerdings kann die Lösung dieser Herausforderung nicht primär auf Gemeindeebene erfolgen, sodass ich stattdessen die Neugestaltung unserer Alten Kelter von 1556 anführe. Zuletzt mussten wir Schäden an dieser feststellen, die in den kommenden Jahren zwingend zu sanieren sind. Um aber der Gemeinde einen konkreten Mehrwert und Nutzen für dieses historisch wertvolle Gebäude zu ermöglichen, gilt es nun mit Kreativität und einem stimmigen Konzept etwas zu entwickeln und umzusetzen, was auch lange nach den jetzigen Entscheidungsträgern noch Bestand haben wird.“
