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Geschichte -  28.08.2019
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PZ-Serie „Vergessene Burgen“: Die Legende vom gejagten Ritter in Roßwag

Vaihingen-Rosswag. Auf einem Felsen, etwa 40 bis 50 Meter über der Enz mit Blick auf das Schloss Mühlhausen, steht die Burg Altroßwag. Bis auf ein paar Mauerreste ist nicht mehr viel von ihr übrig. Geheimnisumwittert bleibt sie aber dennoch wegen einer Geschichte um Ross und Reiter.

Landschaftsführer Roland Straub zeigt Mauerreste der Burg Altroßwag. Im Hintergrund sind die Mühlhäuser Weinberge zu sehen. Foto: Hepfer
Landschaftsführer Roland Straub zeigt Mauerreste der Burg Altroßwag. Im Hintergrund sind die Mühlhäuser Weinberge zu sehen. Foto: Hepfer

Es ist ein schier aussichtsloses Unterfangen, als Ortsunkundiger den Weg zur versunkenen Burg Altroßwag an den steilen Abhängen des Enztals zu finden. Da braucht es schon einen ausgewiesenen Fachmann wie den Lienzinger Landschaftsführer Roland Straub, der einen auf die richtige Fährte setzt. Seit Jahren schon bietet der Experte für Kultur- und Naturgeschichte im östlichen Enzkreis begleitete Touren durch die Region an und geht dabei mit seinen Wandergruppen schon mal alten Mythen und Legenden nach.

Damit kann auch die Burg Altroßwag dienen, die allerdings nicht einfach zu erkunden ist. Über die Kreisstraße bei Mühlhausen geht es zunächst in Richtung Roßwag. Nach der Kreuzung zum Vaihinger Teilort geht es dann rechts ab in ein Waldstück, das bis zu den steilen Klippen des Enztals führt. Über verschlungene, schmale Trampelpfade und dichtes Gestrüpp erreicht man die Überreste der Burg Altroßwag, die im 11. oder 12. Jahrhundert errichtet worden sein soll und einen atemberaubenden Blick auf das in einiger Entfernung gegenüberliegende und viel später erbaute Schloss Mühlhausen freigibt. Von der Quelle, die beim Burgfelsen entspringt, führen heute noch Wasserleitungen hinüber zum Schloss.

Noch heute sind die Reste des Burggemäuers deutlich zu erkennen, das in früheren Tagen als Trutzburg oder Wachtposten 40 bis 50 Meter über der Enz tronte. Der Legende nach soll die Burg auch bei der Namensgebung des Weinbauörtchens Roßwag eine wichtige Rolle gespielt haben. Denn es wird erzählt, dass dereinst ein Ritter zu Pferd auf der Flucht vor seinen Verfolgern an den Klippenrand gelangte. Angesichts seiner ausweglosen Lage soll der Edelmann daraufhin seinem treuen Vierbeiner zugerufen haben „Ross wag‘s“ und sei vom Felsen gesprungen. Ob der wackere Recke und sein tapferes Pferd diesen Husarenritt lebend überstanden haben, ist allerdings nicht überliefert. Als historisch fundiert gilt hingegen, dass die Burg auf den Höhen über der Enz den „Herren von Roßwag“ gehörte. Diese werden zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert auch schriftlich erwähnt. Von den Edelleuten weiß man zudem, dass sie vom schwäbischen Adelsgeschlecht der Grafen von Eberstein abstammen, deren Wappen eine fünfblättrige Rose war und die heute das Roßwager Ortswappen ziert.

Ende des 14. Jahrhunderts verliert sich dann die Spur der Burg Altroßwag, die wohl auch in diesem Zeitraum aufgegeben worden sein muss. Davon kündet unter anderem ein überlieferter Text aus dem Kloster Maulbronn, in dem die Burg als „ein alt verstöwert Haus“ bezeichnet wird.

Burgruine Altroßwag, Burg Neuroßwag und der Lomersheimer Turmstumpen

Die Burgruine Altroßwag ist eine ehemalige Höhenburg der „Herren von Roßwag“ und liegt am Rand des Enzkreises nordwestlich der Gemeinde Roßwag an der ersten Enzschlinge. Vermutlich entstand die Burg im 11. oder 12. Jahrhundert, sie wurde aber erst im Jahr 1301 urkundlich erwähnt. Das Kastell war die Stammburg der „Herren von Roßwag“, deren Geschlecht von 1148 bis ins 14. Jahrhundert urkundlich nachweisbar ist. Um 1300 soll sich das Adelsgeschlecht in eine Altroßwager und eine Neuroßwager Linie aufgeteilt haben. Nachdem der Familienzweig der Altroßwager in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, zumindest was die männliche Linie anbelangt, ausgestorben war, kam die Burg in den Besitz der „Herren Wolf und Jacob von Stein“, die sie 1394 an das Kloster Maulbronn verkauften. Mangels Nutzung durch die neuen Besitzer soll die Burg schon früh zur Ruine verfallen sein. Heute sind von ihr lediglich noch Mauer- und Grabungsreste erhalten. Wegen des steilen Hangs nordöstlich über der ersten Enzschlinge zwischen Mühlhausen und Roßwag ist sie fußläufig nur schwer zugänglich und auch nicht für Wanderer oder Touristen erschlossen.

Nach einer Erbteilung vor dem Jahr

1301 wurde auf Roßwager Gemarkung zusätzlich die Burg Neuroßwag auf der rechten Enzseite südlich des Ortes erbaut. Nachdem kein männlicher Erbe dieses Familienzweigs mehr existierte, kam sie vor 1372 in württembergische Hände. Graf Eberhard III. von Württemberg veräußerte sie Ende des 14. Jahrhunderts an das Kloster Maulbronn. Daran war jedoch die Bedingung geknüpft, dass die Burg abgerissen werden müsse. Der Abbruch erfolgte allerdings so gründlich, dass von der Burg Neuroßwag heute nichts mehr übrig ist. Auch die genaue Lage lässt sich nicht mehr bestimmen.

Nur wenige Kilometer entfernt liegt auf dem Hummelberg der „Lomersheimer Turmstumpen“. Er ist der letzte Überrest der Lomersheimer Burg, die unter anderem eine Etappe der Wachfeuer-Kette im Rahmen der Eppinger Verteidigungslinien (1695-1697 erbaut) gegen den französischen König Ludwig XIV. bildete. Einer Sage zufolge soll ein unterirdischer Gang von der Dürrmenzer Burg Löffelstelz zum Turmstumpen verlaufen. Für Aufsehen sorgte der Turmrest auch im Hinblick auf die „Legende vom Schatzsucher“, der das Gemäuer auf der Suche nach Preziosen Anfang des 19. Jahrhunderts in die Luft gesprengt haben soll. In Wahrheit war es aber der Maurermeister Gottfried Drexel, der – um Baumaterial zu gewinnen – den Bergfried derart massiv untergrub, dass der Turm einstürzte.

Autor: pep