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Mühlacker -  08.08.2019
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PZ-Serie „Vergessene Burgen“: Die Löffelstelz als historisches Symbol der Stadt

Mühlacker-Dürrmenz. Am Steilhang über der L1134 mit Blick auf die Enz und die Herrenwaagbrücke nach Dürrmenz thront die Burg Löffelstelz. Die Mühlacker Ruine hat bewegte Zeiten hinter sich und liefert Stoff zur Legendenbildung.

Im Herbst 2019 begannen die Vorarbeiten zum Brückenneubau. Dazu mussten die Bagger teilweise sogar in die Enz fahren.
Im Herbst 2019 begannen die Vorarbeiten zum Brückenneubau. Dazu mussten die Bagger teilweise sogar in die Enz fahren. Foto: Moritz

Hoch über der Enz, ja geradezu majestätisch erhebt sich die Burgruine Löffelstelz und wacht förmlich über den ältesten Mühlacker Stadtteil Dürrmenz. Dabei war das Kastell gar nicht als militärische Trutzburg, sondern vielmehr als Wohnburg angelegt. Historiker vermuten, dass es am Mühlacker Steilhang bereits vor der Zeit um 1100 eine erste Burganlage mit Ring- und Grabenmauer gegeben hat. Aber erst im 13. Jahrhundert ab etwa 1220 entstand nach dem Abbruch der Vorgängeranlage eine Schildmauerburg mit einem 22 bis 25 Meter hohen Schildwall (heute nur noch neun Meter), der verhindern sollte, dass von oberhalb in die Burg, etwa mit Pfeilen, hineingeschossen werden konnte.

Heinrich von Dürrmenz baut Burg zum Familiensitz um

Untrennbar mit der Burg verbunden ist auch die Gestalt des Heinrich von Dürrmenz. Der Stammvater der Herren von Dürrmenz baute die Burg um 1275 zum Familiensitz um. Den neuen Rittersaal im Obergeschoss kennzeichneten rundbogig aber auch spitzgieblig überkuppelte Zwillingsfenster. Zum Südwestbau gehört bis heute der steinerne Aborterker mit „Toilettenloch“ an der Westseite der Burgmauer. „Wenn man so will, war das bei Regen das erste Wasserklosett“, merkt Burgführer Rainer Wallinger augenzwinkernd an. Später wurde im Schutz der Schildmauer noch ein mindestens viergeschossiger Wohnturm errichtet.

Gerade auf Heinrich von Dürrmenz gehen einige Legenden zurück. So erzählt man sich, dass in Dürrmenz dereinst Plünderer eingefallen waren. Einwohner wurden als Geiseln genommen und fast die gesamten Nahrungsmittel vertilgt. Als dann der Burgherr zu Hilfe eilte und die Feinde erschlug, sollen er und seine Getreuen nach Essbarem verlangt haben. Daraufhin hätten ihm die findigen Dürrmenzer notgedrungen ein in der Pfanne goldbraun ausgebackenes Weißbrot serviert, das zuvor in einer Milch-Eier-Zuckermischung gewendet wurde. Dies soll die Geburtsstunde der „Armen Ritter“ gewesen sein.

Das Schlossfräulein, der vergrabene Schatz und der große Hund

Bis heute hält sich in Bezug auf die Löffelstelz auch der Glaube, dass unter den Trümmern der Burg ein Schlossfräulein wohne und dort wegen eines vergrabenen Schatzes umgehe. Man soll die Maid auch schon in Begleitung eines großen schwarzen Hundes gesehen haben, der einen goldenen Schlüssel im Maul trug. Der Sage nach wird jener, der diesen Schlüssel erlangt, auch den Weg zum Schatz finden. Das Schlossfräulein soll früher auch einmal Schulkinder zu Tode erschreckt haben, die spätabends noch Efeu für Kränze an der Burgmauer sammelten. Als sich die Kinder schon auf den Heimweg machen wollten, hörten sie am Burgtürle ein Scharren und sahen jemanden, der den Boden aufhackte. Als jemand flüsterte „das ist das Schlossfräule“, sollen die Schüler ängstlich und total verschreckt den Schlossberg hinabgestürmt sein.

Ende des 17. Jahrhunderts diente die nun „Löffelstelz“ genannte Dürrmenzer Burgruine im Zuge des Verteidigungswalls der „Eppinger Linien“ als Beobachtungsplattform zur Sicherung der Heerstraße, die auf der heutigen B 10 entlangführte. Gegen 1800 geriet das Kastell zusehends in Vergessenheit, bevor sich im 19. Jahrhundert der „Verschönerungsverein Mühlacker“ und später auch die „Löffelstelzer Scherbabuzzer“ der Sicherheit und Instandsetzung der Burgruine annahmen und sich bis heute um das historische Symbol der Stadt kümmern. Bei den Erdbewegungen der Sanierungsarbeiten wurden rund 40 000 Relikte gefunden, die zum Teil auch im Mühlacker Stadt-Museum zu bewundern sind.

Burgführungen mit Rainer Wallinger

Die Bausanierung undInstandsetzungder Burgruine Löffelstelz fand von 2005 bis 2006 statt. Initiatoren waren die „Löffelstelzer Scherbabuzzer“, eine lose Vereinigung von heimatbewussten Mühlacker Bürgern, die sich zusammen mit dem Verschönerungsverein Mühlacker auch weiterhin um die Belange der Burg kümmern. Zu dieser Gruppe Menschen zählt auch Rainer Wallinger, der Führungen durch die Burgruine anbietet und unter Telefonnummer (07041) 5959 erreichbar ist. Finanziert wurde die Burgsanierung hauptsächlich durch Bürgerspenden, Landeszuschüsse und die Stadt Mühlacker.

Autor: Peter Hepfer