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Pforzheim -  17.02.2023
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Pforzheimer Papierfabrik: Große Zweifel an Seriosität von Wiener Investor

Pforzheim/Wien. Firmenpleiten und fehlende Referenzen werfen Fragen auf: Die Sorge wächst, dass Alexander Degen, Geschäftsführer der Wiener ADE Immobilien & Bauträger GmbH, nicht in der Lage sein könnte, das Papierfabrik-Areal zu entwickeln, geschweige denn, aus eigenen Mitteln für den Kaufpreis aufzukommen. Ein Blick auf die Finanzen des Investors.

Papierfabrik Dillweißenstein
Seit Jahren herrscht Stillstand auf dem Areal der ehemaligen Papierfabrik in Dillweißenstein. Foto: Meyer Foto: Pforzheimer Zeitung

Die Sorge wächst, dass Alexander Degen, Geschäftsführer der Wiener ADE Immobilien & Bauträger GmbH, nicht in der Lage sein könnte, das Papierfabrik-Areal in Dillweißenstein zu entwickeln, geschweige denn, aus eigenen Mitteln für den Kaufpreis aufzukommen. Wie berichtet, war im November ein Kaufvertrag über 13,5 Millionen Euro zwischen der Gesellschaft und der bisherigen Eigentümerin, der Rieser Immobilien GmbH, zustande gekommen. Die Stadtverwaltung will nun das Vorkaufsrecht ausüben. Falls dies so komme, werde er gerichtlich dagegen vorgehen, teilt Bernhard Rieser auf PZ-Anfrage mit. Der Verkauf sei „aufgrund der Intervention der Stadt“ bislang noch nicht vollzogen. Die Übertragung des Grundstücks erfolge auch erst nach Bezahlung.

Besteht Lizenz noch?

Ein PZ-Gesprächspartner aus der Wiener Baubranche lässt indes kein gutes Haar an Degen. Jener sei insbesondere durch Insolvenzen und angeordnete Schließungen zahlreicher seiner Firmen negativ aufgefallen. Man frage sich, woher der 46-Jährige nun plötzlich Geld in zweistelliger oder gar dreistelliger Millionenhöhe habe, um ein Projekt wie jenes in Pforzheim anzupacken. Unklar sei auch, ob Degen überhaupt noch die sogenannte Bauträger-Lizenz habe, so der PZ-Informant – eine Voraussetzung, um entsprechend umfangreiche Bauvorhaben abzuwickeln.

Ein Blick in die auf der Plattform „North Data“ zusammengetragenen Firmendaten bestätigt dieses Bild. Unter Degens Führung sind in den zurückliegenden Jahren mehrere kleine Gesellschaften pleite gegangen, so auch die Wiener ADE Deep Injection GmbH, spezialisiert auf den Verbau mit Kunstharz. Größere Vermögenswerte sind nicht erkennbar, teils sind die Firmen so klein, dass sie keinen Jahresabschluss offenlegen müssen.

Die ADE Immobilien & Bauträger GmbH, Käuferin der Papierfabrik, bringt es auf 35 000 Euro Stammkapital. Genauso hoch ist jenes der 2021 übernommenen Bohrn Bau GmbH mit Sitz in Österreich, die wohl das Gelände entwickeln soll. Die Stadtverwaltung geht laut Vorlage für die Sondersitzung am 28. Februar davon aus, dass die ADE GmbH „nicht in der Lage wäre“, die Missstände zu beseitigen: „Nach den vorliegenden Unterlagen wurden bisher weder von der ADE noch von der Bohrn GmbH Projekte vergleichbarer Größenordnung entwickelt.“ Gesellschafterin beider Firmen ist die ADE Beteiligungs GmbH, laut Datenbank hat sie Schulden.

Mehr als 100 Millionen nötig

Der Pforzheimer Markus Geiser hat Degen auf einer Baustelle kennengelernt. Dessen Finanzlage sei ihm nicht bekannt, sagt er. Er sehe es als beratender Architekt aber auch nicht als seine Aufgabe, sie zu überprüfen. Er schätze Degen aber so ein, dass er „durchaus in der Lage ist, diesen Invest und die damit verbundenen Risiken abschätzen zu können“. Degen selbst will sich auf PZ-Anfrage zu den Finanzen nicht äußern:

„Aufgrund des noch nicht abgeschlossenen Themas Vorkaufsrecht der Stadt Pforzheim, erlaube ich mir, aus datenschutzrechtlichen Gründen keinen Kommentar zu Ihren Fragen abzugeben.“

Er wolle aber bei der Sondersitzung Ende Februar persönlich anwesend sein.

Architekt Geiser geht von 25 Millionen Euro für Erwerb, Entwicklung und Rückbau des Papierfabrik-Areals aus, weitere 100 bis 115 Millionen brauche es für die Quartiersentwicklung. Der Verwaltung liegt bislang nur eine „Ideenbeschreibung“ für die künftige Nutzung des Areals vor. Sie möchte dieses zum Verkehrswert von 1,3 Millionen Euro, einem Zehntel des Kaufpreises, erwerben. Dass Degen zum Treffen mit Stadträten, zu dem Arcusklinik-Chef Rieser eingeladen hatte, kurzfristig nicht erschienen war, passt für viele ins Bild.

Autor: tel