Prozess platzt wegen Unwohlseins: Mutmaßlicher Exhibitionist erscheint nicht vor Pforzheimer Gericht
Pforzheim/Enzkreis. Nackte Tatsachen unter der Gürtellinie zu präsentieren, scheint die Vorliebe eines Angeklagten zu sein, der sich am Montag wegen Exhibitionismus und sexueller Belästigung vor Richterin Beate Benz beim Pforzheimer Amtsgericht verantworten sollte. Richterin, Protokollführerin, Staatsanwältin Amelie Urlauber und vier Zeugen waren auch pünktlich erschienen, nicht jedoch der Angeklagte.
Der rief kurz nach Verhandlungsbeginn an der Pforte des Gerichtes an und teilte mit, er habe Kopfweh und könne daher nicht kommen. Warum er das nicht etwas früher mitgeteilt habe, erkundigte sich Richterin Benz, die aus dem Gerichtssaal zur Pforte geeilt war. Ja, er habe gedacht, das Kopfweh werde besser, meinte der Angeklagte. Er habe nämlich vor ein paar Tagen beim Sport eine Stange auf den Kopf bekommen und seither schmerze sein Denkorgan.
Staatsanwältin Urlauber besprach sich mit dem zuständigen Sachbearbeiter der beiden Fälle. Im Falle des Exhibitionismus war ein Strafbefehl ergangen, gegen den der Mann Einspruch eingelegt hatte. Wegen der sexuellen Belästigung – der Angeklagte war ohne Beinkleider und ohne Slip morgens vor der Garage seiner Nachbarin aufgetaucht und hatte sie um ein Schäferstündchen gebeten – sollte verhandelt werden. Das war allerdings ja nun nicht möglich. Daher erging auch in diesem Falle ein Strafbefehl. Er lautet auf eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Als Bewährungsauflage hat er laut Antrag der Staatsanwältin 800 Euro an die „Sterneninsel“ zu bezahlen. Außerdem hat er ein Attest über seine Verhandlungsunfähigkeit am Montag vorzulegen.
Falls er erneut Einspruch einlegen sollte, wird dann doch noch verhandelt. Dieses Mal wird ihm ein Pflichtverteidiger zur Seite gestellt. Die Zeugen seufzten, als sie erfuhren, dass sie möglicherweise nochmals vor Gericht erscheinen müssen. „Ich dachte, das sei nun endlich ausgestanden“, grämte sich eine ältere Dame. Auf Erstattung ihrer Auslagen verzichteten sie alle.
