Gemeinden der Region
Enzkreis -  18.03.2026
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„Quartier 2030“: Neue Impulse für ein gutes Leben im Alter beschäftigen den Enzkreis

Enzkreis. In einem Raum geht es um den Einstieg in die Quartiersentwicklung, direkt daneben um generationenübergreifende Begegnungen. Egal, wo man hinschaut: Im obersten Stockwerk des Kulturhauses Osterfeld wird angeregt diskutiert, auch über Einsamkeit als kommunale Herausforderung und den Aufbau von Bürger- und Nachbarschaftsnetzwerken.

Sylke Kopp von der strategischen Sozialplanung, Dezernentin Katja Kreeb, Lucy Herb von der strategischen Sozialplanung und Jens Ridderbusch vom statistischen Landesamt (von links) freuen sich über eine gelungene Regionalkonferenz.
Sylke Kopp von der strategischen Sozialplanung, Dezernentin Katja Kreeb, Lucy Herb von der strategischen Sozialplanung und Jens Ridderbusch vom statistischen Landesamt (von links) freuen sich über eine gelungene Regionalkonferenz. Foto: Nico Roller

Im Kern dreht sich am Dienstagnachmittag alles um die Frage, wie man die Lebensqualität im Alter nachhaltig erhalten kann, möglichst vor Ort in der gewohnten Umgebung. Lösungsansätze gibt es viele, ebenso Ideen für konkrete Projekte. Ausgerichtet vom Landratsamt des Enzkreises in Kooperation mit dem Sozialministerium, rückt die Regionalkonferenz unter dem Titel „Quartier 2030“ die sorgenden Gemeinschaften in den Fokus: Strukturen, die vor Ort sicherstellen, dass ältere Menschen nicht sich selbst überlassen, sondern in den sozialen Kontext eingebunden sind. „Vernetzung ist das A und O“, sagt Katja Kreeb. Die Sozialdezernentin weiß, dass der demografische Wandel den Enzkreis längst erreicht hat.

Denn beim Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt er mit 44,7 Jahren deutlich über dem Landesschnitt von 43,8 Jahren. Die Menschen werden immer älter, während gleichzeitig die Geburten zurückgehen. Hinzu kommen Migrationsbewegungen und Familienstrukturen, die sich so verändern, dass weniger Ressourcen für die Versorgung der eigenen Eltern oder Großeltern zur Verfügung stehen. Für Kreeb steht daher fest, dass der Nahraum mehr Bedeutung gewinnen muss, damit Menschen so lang wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können.

Die Sozialdezernentin spricht bewusst nicht von Problemen, sondern von Herausforderungen, weil sie in den Veränderungen auch eine Chance für bürgerschaftliches Engagement sieht.

Gelungene Initiativen gibt es bereits, etwa das Bürgernetzwerk in Königsbach-Stein, das sich auf der Regionalkonferenz ebenso vorstellt wie das soziale Netzwerk Mönsheim und das Demenz-Zentrum Enzkreis. Hinter allen Initiativen steht die Überzeugung, dass professionelle Akteure die Veränderungen nicht allein auffangen können, dass es einen gemeinsamen Rahmen braucht, um Konzepte und Lösungen zu entwickeln. Wie er aussehen kann, zeigt exemplarisch der Workshop zum Einstieg in die Quartiersentwicklung. Dort überlegen die Teilnehmer gemeinsam, auf was es ankommt. Das Definieren realistischer Meilensteine, Ziel- und Schlüsselgruppen gehört ebenso dazu wie das Festlegen von Verantwortlichkeiten und das Einbeziehen bereits engagierter Akteure und der Lokalpolitik. Die Seminare wollen praktische Hilfe bieten, etwa durch Verweise auf Fördertöpfe, Qualifizierungsmöglichkeiten und Beratungsstellen. Lucy Herb beschreibt den Austausch als zielführend, konstruktiv und konzentriert.

Die strategische Sozialplanerin zieht ein positives Fazit und nimmt selbst viel mit. Etwa die Erkenntnis, dass man die Quartiersakademie nutzen kann, um Interessierte aus der kommunalen Verwaltung zu schulen. Hochzufrieden zeigen sich auch die Teilnehmer. E

Etwa Hannelore Alsfeld-Seibel, die die Regionalkonferenz als „ganz tolle Veranstaltung“ bezeichnet: „Genau am Puls der Zeit.“ Im Kulturhaus Osterfeld hat sie wertvolle Impulse gewonnen, die sie weitergeben will in das in ihrem Wohnquartier bereits existierende Nachbarschaftsnetzwerk. Ursprünglich aus einem ökologischem Antrieb entstanden, sieht Alsfeld-Seibel dort noch viel Potenzial. Konkrete Tipps dafür hat sie aus dem Workshop zum Aufbau von Nachbarschaftsnetzwerken. Wichtig fand sie zudem die „nachdenklich stimmende Analyse“ zum Thema Einsamkeit. Alsfeld-Seibel will einiges aufgreifen, auch das „soziale Rezept“, das die Hausarztpraxis als erste Anlaufstelle für Einsame begreift. Durch ihre frühere berufliche Tätigkeit hat Alsfeld-Seibel bereits ein gutes Netzwerk im sozialen Bereich.