Rathauschefs, Behörden und Unternehmen toben sich am 1. April aus: Eine Übersicht über alle Scherze aus der Region
Enzkreis. Pforzheim/Enzkreis/Kreis Calw. „Helm, Lageeinschätzung“ sagt der Neuenbürger Feuerwehrmann, und zack werden alle relevanten Daten auf seinem Display ausgespielt. Klingt nach Science Fiction? Nein, es handelt sich um den neuen Digitalen Einsatzhelm „FWH-NextGen“, der bei der Abteilung Neuenbürg „ab sofort bei allen Einsätzen verpflichtend getestet“ wird – „sofern der Akku geladen ist“. Neben Sprachsteuerung und Echtzeit-Rauchanalyse ist auch eine Anbindung an die Kaffeemaschine im Gerätehaus vorhanden. Spätestens da sollte klar sein: Statt in den Einsatz wird man hier in den April geschickt.
Die Floriansjünger in Neuhausen freuen sich dafür – ganz im Ernst – über ihr neues Feuerwehrfahrzeug. Das wurde am 31. März im schönen Bayernland abgeholt und jetzt stellt sich die Frage, was man eigentlich mit dem alten Fahrzeug macht. Eine mögliche Lösung fand Bürgermeisterin Sabine Wagner dann direkt vor Ort: Eine Umrüstung von Wasserzapfanlage im Brandfall zur Bierzapfanlage für Festle. Nun ging eine solche Meldung bei sehr vielen Rathauschefs wohl als klarer Aprilscherz durch, aber bei einer Sabine Wagner? Ganz sicher sind sich da die Neuhausener nicht: In einer Online-Umfrage traute ihr die Mehrzahl der Befragten einen solchen Umbau zu.
Wagners ehemaliger Wirkungsstätte Huchenfeld scheint derweil aus der Not eine Tugend zu machen: Wenn sich Schlaglöcher schon schneller auftun, als man die Straßen richten kann, warum nicht einfach Blumen in die Löcher pflanzen? Gesagt getan, der Bauhof rückt angeblich mit Primeln statt Asphalt an. Hier ein klarer Scherz – aber die FDP hat vor Jahren – natürlich mit ernstem Hintergedanken – Vergissmeinnicht in verwahrloste Straßen gepflanzt.
Bei Edeka Berger schlägt der Irankrieg dafür voll durch. Wie Eigner Frank Berger behauptet, könne man in seinen Läden ab sofort nicht mehr mit Bargeld oder per Karte zahlen, sondern nur noch mit Sprit. So ein Fünf-Liter-Kanister hat ja inzwischen auch einen ordentlichen Gegenwert. Die Preise für Diesel und Co. zogen ja tatsächlich noch mal an – am 1. April.
Neue Wege im Tourismus
Apropos Geld: Die Stadt Bad Wildbad hat in Zeiten klammer Kassen angeblich ein neues Finanzierungsmodell aufgetan: Für einen zunächst einmonatigen Probebetrieb sei eine Spielbank im Forum König-Karls-Bad genehmigt worden. Weiter schreibt Bürgermeister Marco Gauger online, dass die Stadt damit „vor allem Hoffungen auf zusätzliche Impulse für den Tourismus“ verbindet. Man könne neue Besuchergruppen ansprechen und „die Aufenthaltsdauer von Gästen verlängern“. Erster am definitiv echten und in keinster Weise fotomontierten Roulettetisch war im übrigen Gauger selbst. Ob er dort P- Mark, Enztaler, seinen eigenen Salär oder Steuergelder verzockt – pardon, zu mehren sucht – , ist unklar. Ebenso, ob er nicht doch eher der Chef der „Bank, die immer gewinnt“ wäre – auch über den 1. April hinaus.
Heidelbeerblau wird es – wie sollte es anders sein – im benachbarten Enzklösterle. Auf der ewigen Suche des Heidelbeerdorfs nach neuen Vermarktungsformen für Blaubeeren hat man dort blaue Bären, äh, Alpakas angesiedelt. Dafür habe man, so Bürgermeisterin Sabine Zenker, mit Katja Maigré von den Enztal Alpakas zusammengearbeitet. Der „einzigartige, sanft schimmernde Blauton“ sei durch Fütterung der Tiere mit „aromatischen Waldheidelbeeren“ erreicht worden. Ob mit oder ohne Pfannkuchen bleibt offen.
Auch in Eisingen geht man touristisch neue Wege: Im Gewann „Lange Äcker“ soll mit dem „Grapevine-Wonderland Eisingen“ ein 120 Hektar großer Freizeitpark entstehen – der drittgrößte in Baden-Württemberg. Sogar dem Europapark will man mittelfristig Konkurrenz machen. Mangelnde Ambitionen sind Bürgermeister Sascha-Felipe Hottinger und seiner Verwaltung nicht vorzuwerfen – zumal am 1. April.
Neue Kollegen rekrutiert derweil die Polizei: Landauf, landab werden Tauben und Hennen in den Polizeidienst aufgenommen – nur in Pforzheim nicht. Warum auch, dort gibt es das ganze Jahr über immer mal wieder neue tierische Kollegen – vor allem Hunde –, nicht nur am 1. April. Dafür wird man jetzt nach der Anzeigenaufgabe zu einer Bewertung des Services aufgefordert. Und wenn man das unterlässt? „Dann schau wir mal, wie lange die Ermittlungen noch dauern“, heißt es im Video. Alles klar, Frau Kommissar, hier sind die fünf Sterne.
