Raubüberfall im Mäuerach: Tatverdächtiger wegen Verdacht des versuchten Mordes in Untersuchungshaft
Pforzheim-Eutingen/Niefern-Öschelbronn. Nach dem brutalen Überfall am Samstag auf ein Ehepaar im Mäuerach gibt es neue Erkenntnisse: Das mutmaßliche Tatfahrzeug wurde in den frühen Morgenstunden am Tattag gestohlen. Ein Verdächtiger sitzt in U-Haft. Die Suche nach seinem Komplizen läuft weiter.
Erst gestohlen und dann brennend zurückgelassen: Das mutmaßliche Tatfahrzeug spielt bei den Ermittlungen zu dem schweren Gewaltverbrechen vom Samstag im Stadtteil Mäuerach eine zentrale Rolle. Wie die Polizei auf Nachfrage bestätigt, war das Auto am frühen Morgen des Tattags in Eutingen entwendet worden. Das passt zu den Beobachtungen einer Zeugin, die an dem Wagen Pforzheimer Kennzeichen gesehen haben will. Auch bei der Fahndung gibt es Neuigkeiten: Der am Samstag festgenommene 43-jährige tatverdächtige Deutsche sitzt mittlerweile wegen des Verdachts des versuchten Mordes sowie wegen Fluchtgefahr und der Schwere der Tat in Untersuchungshaft. Sein mutmaßlicher Komplize ist von der Polizei zwar identifiziert, aber weiterhin auf der Flucht.
Am Montagmittag ist die Kriminalpolizei am Tatort – direkte Informationen gibt es von den Beamten nicht. Sie sind zu zweit, einer kommt gerade aus dem Nachbarhaus. Einer anderer steht mit einem Mann und einer Frau vor dem Anwesen, das am Samstagnachmittag Schauplatz des Gewaltverbrechens war. Bis auf das Polizeisiegel an der Tür deutet auf den ersten Blick nichts darauf hin, was sich hier am Wochenende ereignet hat.
Der Fokus der Fahndung richtete sich am Tattag auch auf Eutingen und Niefern. Ein Polizeihubschrauber kreiste am Samstagnachmittag über den Orten, mehrere Funkstreifenwagen waren dorthin unterwegs. Und: Ein brennendes Fahrzeug wurde in Niefern gefunden. Nach PZ-Informationen an der ehemaligen Eugen-Hölle-Schutzhütte am Enzbuckel. Vor Ort zeigt sich: Hier hat es definitiv gebrannt und es riecht auch noch so. Auf dem schwarzverkohlten Platz liegen Glassplitter und kleine Metallteile. An einem Bäumchen hängt ein Fetzen des Absperrbandes, das die Polizei angebracht hat. Im Auto fanden die Beamten Beute aus dem Haus des überfallenen Ehepaares. Gegenstände davon konnten den beiden zugeordnet werden.
Am Montagvormittag fährt ein Gemeindefahrzeug den Weg nach oben. Bauhofleiter Sven Sieber steigt aus, er will sich ein Bild von der Lage machen. Er habe gehört, dass hier ein Fahrzeug gebrannt habe. Genaueres wisse allerdings nicht. Ein wenig später kommt Anwohnerin Andrea Fischer mit ihren Nordic-Walking-Stöcken den Weg, der links und rechts von Gartengrundstücken gesäumt ist, entlang. Die 66-Jährige hat von der Tat im Mäuerach aus der Zeitung und aus Facebook erfahren. Am Samstagnachmittag stand der Polizeihubschrauber lange über ihrem Haus, erzählt sie dem Reporter. Als sie erfahren habe, was passiert sei, habe sie zu Hause „alles verbarrikadiert“, sagt die Seniorin. Ein wenig verängstigt sei sie schon gewesen. Der Polizeihubschrauber habe mindestens eine Viertelstunde lang über ihrem Haus gestanden, berichtet auch der 80-jährige Dieter Brüstle, der im Eutinger Hörnleweg – direkt an der A8 – gerade sein Wohnmobil winterfest macht. Am Samstag habe die Polizei hier Gärten durchsucht. „Sie haben wohl gedacht, dass sich der Kerle dort versteckt hat“, sagt er über den flüchtigen Tatverdächtigen. Zuerst habe er nicht gewusst, was genau passiert sei. Seiner Mieterin hätten die Beamten gesagt, dass sie eine Person suchen. Wie ein anderer Anwohner berichtet, waren drei Polizeiautos vor Ort und etwa sechs Beamte in der Straße im Einsatz.
Ausgangspunkt des Großeinsatzes war ein mutmaßlicher Raubüberfall auf ein Ehepaar im Mäuerach am Samstag, 31. Oktober. Kurz vor 13 Uhr hatten Nachbarn Hilfeschreie gehört und vor dem Wohnhaus einen blutenden Mann gefunden. Seine ebenfalls schwer verletzte Ehefrau lag im Inneren. Ein Rettungshubschrauber brachte die Frau in eine Klinik, der Mann wurde mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus transportiert. Wie die Polizei nun mitteilt, sind beide Opfer weiterhin schwer verletzt, schweben aber nicht in Lebensgefahr. Die Rechtsmedizin in Heidelberg beschäftigt sich inzwischen mit ihren Verletzungen.
Über den genauen Ablauf der Tat schweigen die Ermittler weiterhin. Im Wohngebiet kursieren unterdessen verschiedene Gerüchte darüber, was in dem Haus geschehen sein könnte. Zu Einzelheiten, insbesondere zur möglichen Tatwaffe, will sich die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern, bevor sie den mutmaßlichen Komplizen geschnappt hat. Die Informationen könnten Täterwissen darstellen.
