Respekt statt böse Worte: FC Nöttingen empfängt an diesem Freitag den 1. CfR Pforzheim zum Derby
Remchingen. An diesem Freitag empfängt der FC Nöttingen den 1. CfR Pforzheim. Beide Teams sind in Form, die Bilanz ist ausgeglichen – wer darf am Ende jubeln?
Seit es das Handball-Derby zwischen der SG Pforzheim/Eutingen und der TGS Pforzheim nicht mehr gibt, ist das prägende sportliche Duell um die Vormachtstellung in Stadt und Region das Aufeinandertreffen in der Fußball-Oberliga zwischen dem FC Nöttingen und dem 1. CfR Pforzheim.
An diesem Freitag steht um 19 Uhr das Rückspiel (Hinspiel endete 0:0) in der Nöttinger Kleiner Arena an. Da beide Mannschaften aktuell in guter Form sind, dürfen sich die Zuschauer auf ein intensives und spannendes Derby freuen.
Derby-Bilanz: Die ist ausgeglichen. In den vergangenen 16 Duellen holte jedes Team fünf Siege – sechs Mal endete das Derby unentschieden.
Besondere Spiele: Jedes Spiel der beiden Kontrahenten ist besonders. Immer wieder gerne erinnert man sich aber an das legendäre 4:4 an einem denkwürdigen Freitagabend (9. Oktober 2015) vor rund 2500 Zuschauern in Nöttingen. Für alle, die das Spektakel verpassten: der CfR führte 4:1 zur Halbzeit, Nöttingen verkürzte auf 3:4 (48.), CfR-Spieler Dirk Prediger flog vom Platz (56.), Eray Gür sorgte in der 69. Minute für den 4:4-Endstand. Kurz zuvor sorgte ein Phantomtor für Aufregung. Ein Freistoß von Nöttingens Niklas Hecht-Zirpel landete auf dem CfR-Tornetz – und von dort durch ein Loch im Netz im Kasten (60.). Der Jubel der Nöttinger währte nur kurz – der Schiedsrichter hatte die Situation richtig erkannt, das Loch im Netz war geflickt. Ein ähnliches Spektakel erhofften sich die Fans im Rückspiel. Rund 2800 Zuschauer (bisher Rekordkulisse) kamen ins Brötzinger Tal. Tore sahen sie beim 0:0 leider keine. Der Derby-Zuschauerschnitt liegt übrigens bei 1418.
Stadion-Vergleich: Die Kleiner Arena fasst 3800 Zuschauer, in die Kramski-Arena des CfR passen 6500 Fans. Die Ticketpreise beider Clubs liegen nah beieinander: In Nöttingen kostet der Stehplatz 10 Euro (ermäßigt 8 Euro), Sitzplätze gibt es ab 13 Euro. Beim CfR zahlen Fans 9 Euro für den Stehplatz (ermäßigt 7 Euro), Tribünenplätze kosten 13 Euro. Wer es exklusiver mag, ist mit einem VIP-Ticket für 90 Euro dabei. Dieses kostet beim FC Nöttingen 80 Euro.
Aktuelle Rekordspieler: Beim CfR führt im derzeitigen Kader Denis Gudzevic mit 285 Einsätzen die Liste an. In Nöttingen hält Niklas Hecht-Zirpel mit 236 Spielen den Bestwert, der Stürmer fällt aber verletzt aus. Dahinter folgt übrigens Sportdirektor Riccardo Di Piazza mit 240 Einsätzen für die Lilahemden.
Favoritenstellung: Torsten Heinemann hat da eine klare Meinung: „Ganz klar Nöttingen“, sagt der Sportvorstand des CfR – und verweist auf die „tolle Saison“, die der Konkurrent bislang spielt. Die eigene Mannschaft habe rund um den Jahreswechsel zwar ein kleines Tief durchlebt, inzwischen aber wieder Stabilität gefunden.
Ein wesentlicher Faktor dafür sei die Arbeit des Trainerteams um Dirk Rohde und Co-Trainer Faruk Karadogan. Vor allem Rohde habe den CfR in den vergangenen Wochen wieder in die Spur gebracht. „Er verbindet Fachwissen mit der positiven Art eines Menschenfängers“, lobt Heinemann den Coach und ergänzt: „Wir haben endlich wieder einen Dirigenten für unser Orchester.“
Nöttingens Sportdirektor Riccardo Di Piazza nimmt die Favoritenrolle, die Heinemann dem FCN zuschreibt, gerne an – nicht ohne eine kleine Spitze: „Vor zwei Jahren hat er noch gesagt, dass bald zwei Klassen zwischen dem CfR und dem FCN liegen würden.“
Ein Blick auf die Tabelle zeigt die aktuelle Ausgangslage: Nöttingen steht mit 48 Punkten auf Rang vier, der CfR folgt mit 37 Zählern auf Platz acht. „Wir brauchen weiter Punkte für den Klassenerhalt“, betont CfR-Sportdirektor Giuseppe Ricciardi und ist ebenfalls von der Arbeit des Trainerteams begeistert. "Er hat die Köpfe der Spieler wieder frei bekommen. Man spürt einen anderen Spirit im Team."
Während der CfR den Blick eher noch nach unten richtet, orientiert sich Nöttingen mit dem besten Sturm der Liga (70 Tore) nach oben. Nachdem der VfR Mannheim im Nachholspiel gegen den FC Ravensburg am Mittwoch nicht über ein 1:1 hinauskam, beträgt der Rückstand des FCN auf Platz zwei nur noch acht Punkte – bei sieben ausstehenden Spieltagen.
CfR-Coach Dirk Rohde:
Für den CfR-Coach ist das Derby natürlich etwas besonders. Von 2023 bis 2025 coachte der 34-Jährige die Lilahemden, bevor er eine kleine Pause einlegte. Seit März hat er nun das Kommando beim Ligarivalen übernommen und die Pforzheimer sportlich wieder stabilisiert. Seine Bilanz in den bisherigen sechs Spielen: Drei Siege, zwei Remis, eine Niederlage. „Ich freue mich auf das Spiel, die Leute wieder zu sehen“, sagt Rohde, der ein „packendes Derby“ erwartet. „Nöttingen ist heimstark und hat viele schnelle quirlige Spieler. Wenn wir aber den nächsten Schritt machen, haben wir gute Chancen zu gewinnen.“
FCN-Trainer Dennis Will:
Von der besonderen Derby-Atmosphäre lässt sich der Nöttinger Trainer nicht aus der Ruhe bringen. „Die Leute reden mehr, aber in der Vorbereitung unterscheidet sich das für uns nicht von Spielen gegen Aalen oder Essingen“, sagt der 39-Jährige. Natürlich habe ein Derby seinen eigenen Reiz – „es ist wie ein Pokalspiel“ – und erfordere die entsprechende Mentalität auf dem Platz. Den Gegner sieht er dennoch mit viel Respekt: Vor allem die individuelle Qualität beim CfR hebt er hervor. Das Mittelfeld mit Gudzevic und Schwaiger sowie die Offensive um Salz und Lulic gehören für ihn „zum obersten Regal der Liga“.
Weitere Stimmen vor dem Derby:
Riccardo Di Piazza, Sportdirektor des FC Nöttingen: „Wenn ein Derby ansteht, rückt der bisherige Saisonverlauf in den Hintergrund. Wir freuen uns auf die Partie vor hoffentlich großer Kulisse.
Entscheidend wird sein, wie unsere junge Mannschaft mit dieser Atmosphäre umgeht. Wir müssen den Kampf annehmen, cool bleiben und mutig auftreten.“
Torsten Heinemann, Sportvorstand des 1. CfR Pforzheim: „We are back! Wir sind wieder in der Lage jeden zu schlagen ... Dem FCN gilt aber mein höchster Respekt. Riccardo Di Piazza macht tolle Arbeit dort. So wie beide Teams derzeit drauf sind, wird es ein packendes Derby.“
Drei Fragen mit Nöttingens Stürmer Salvatore Catanzano, der vergangene Saison noch für den CfR spielte
1. Herr Catanzano, an diesem Freitag steht das Derbygegen Ihren Ex-Verein an. Schon nervös?
Nervös überhaupt nicht. Ich habe voll Bock auf dieses Spiel und freue mich, ehemalige Teamkollegen wieder zu sehen. Die Partie ist für mich natürlich etwas Besonderes.
2. Es scheint so, als fühlen Sie sich nach Ihrem Wechsel vom CfR im Sommer nun in Nöttingen sehr wohl. In 24 Spielen haben Sie 14 Tore erzielt.
Ja, ich bin froh, dass es so läuft. Wir haben eine tolle Mannschaft mit einem tollen DJ Jannis Rabold (lacht). Vor den Spielen heizt er uns immer kräftig ein und hinterher – wenn wir gewonnen haben – steigt die Party. Außerdem haben wir einen super Trainer, der zwar ruhig rüberkommt, aber auch mal richtig laut werden kann. Er stellt uns immer bestens auf die Gegner ein.
3. Auf Platz zwei, der zur Teilnahme an den Aufstiegsspielen berechtigt, fehlen derzeit acht Punkte bei noch sieben ausstehenden Spielen. Habt ihr das im Blick?
Damit beschäftigen wir uns nicht. Wir wollen einfach nur Spaß haben auf dem Platz und unsere Spiele gewinnen. Besonders im Derby gegen den CfR werden wir alles reinwerfen.
