Gemeinden der Region
Region -  15.07.2025
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Rombach-Verbrechen beschäftigt Experten: Fritz Schultheiß fand nach dem Krieg Heimat in Sao Paulo.

Enzklösterle. „Fritz Schultheiß lebt nicht mehr. Er starb in Sao Paulo/Brasilien, fern seiner Heimat, dem Forsthaus Rombach und Enzklösterle“, so stand es im Juli in der Traueranzeige. Unter dieser war vermerkt: „In wehmütiger Trauer Monika Auerbach, geborene Heberle, Gefährtin seiner Kindheit ab 1947.“ Diese Kindheit hatte ganz besondere Aspekte: Fritz Schultheiß war nämlich der einzige Überlebende des Rombach-Massakers. Zehn Menschen wurden in der Nacht auf den 25. April 1945 im Forsthaus auf dem Rombachhof im Wald oberhalb von Enzklösterle ermordet. Die Tat ist bis heute nicht aufgeklärt.

Interessierte haben Gelegenheit, auf dem Friedhof Mittelenztal von Enzklösterle am Sonntag, 20. Juli, beim Besuch der Gedenkstätte für die Mordopfer vom Rombachhof mehr zu erfahren. Der Kreisgeschichtsverein Calw trifft sich um 13.45 Uhr zunächst an der Rußhütte, um sich mit dem alten Handwerk der Rußherstellung zu befassen. Dann geht es zur Gedenkstätte.
Interessierte haben Gelegenheit, auf dem Friedhof Mittelenztal von Enzklösterle am Sonntag, 20. Juli, beim Besuch der Gedenkstätte für die Mordopfer vom Rombachhof mehr zu erfahren. Der Kreisgeschichtsverein Calw trifft sich um 13.45 Uhr zunächst an der Rußhütte, um sich mit dem alten Handwerk der Rußherstellung zu befassen. Dann geht es zur Gedenkstätte. Foto: Hans Schabert

Dass der damals siebenjährige Sohn Fritz von Förster Max Schultheiß das Massaker überlebte, grenzt an ein Wunder. Unter einer Decke zusammengerollt im Bett mit Einschüssen hatten den Jüngsten der Familie die Mörder nicht entdeckt. Er wurde am 25. April 1945 äußerlich unverletzt erst nach längerem Suchen gefunden. Seine Tante trug ihn mit einem Leintuch umhüllt aus dem Haus. Er sollte die Schreckensbilder nicht sehen. Der Bruder Eugen Schultheiß (64) und die neunjährige Tochter Marie-Luise (8) des Försters waren erschossen worden. Die anderen Toten wurden furchtbar zugerichtet aufgefunden: Förstersfrau Mina Schultheiß (44), deren Tochter aus erster Ehe Margarete Schmitt (14), ihre Nichte Hilde Nollenberger (25) mit den Kindern Rotraud (4) und Eberhard (2), Försters-Nichte Franziska Schreuers (25) und ihr Baby (vier Monate) sowie Hausgehilfin Marta Trautz aus Wildbad (16). Das Kleinkind gab noch Lebenszeichen, starb aber drei Tage später in Simmersfeld. Überall auf dem Boden und an den Wänden klebte Blut. Max Schultheiß war zum Zeitpunkt des Geschehens nicht anwesend. Ihn, seinen ältesten Sohn Erich und seinen Bruder, den Friseur Schultheiß, hatten die Franzosen bei Besetzung Enzklösterles anderthalb Wochen zuvor aus dem Keller des Forsthauses geholt und, obwohl Zivilisten, in Kriegsgefangenschaft genommen.

An Dramatik nicht zu überbieten ist, dass Max Schultheiß vom Verlust seiner Frau, Angehörigen und Freunden in der Gefangenschaft erst spät und genau am Heiligen Abend 1945 bei der Abendessensausgabe erfuhr. Ein guter Bekannter aus Baden-Baden hatte sich über die Wälder zwischen Enz- und Murgtal in die Heimat durchzuschlagen versucht, wurde von der französischen Besatzung aufgegriffen und landete ebenfalls im Gefangenenlager in Colmar. Im vom Rombachhof fünf Kilometer entfernten, ähnlich abgelegenen Forsthaus St. Anton bei Forbach hatte er von der dortigen Förster-Familie von der vielfachen Bluttat erfahren.

Fritz Schultheiß arbeitete später in Australien und wurde dann in Brasilien sesshaft. Wie es zu dem Drama um ihn und für seine Familie kam, ist bis heute ein Geheimnis. In Straßburg sollen Ermittlungsakten der am 26. April 1945 in Enzklösterle eingetroffenen Sûreté, der französischen Kriminalpolizei, existieren. Die Akten sind aber unzugänglich.