Schaffner nach Angriff gestorben: Vorfall auch in S-Bahn bei Vaihingen
Die Deutsche Bahn ist zutiefst erschüttert über den gewaltsamen Tod eines Mitarbeiters. Der langjährige Kundenbetreuer sei am Montagabend während einer Fahrkartenkontrolle in einer Regionalbahn zwischen Landstuhl und Homburg (Rheinland‑Pfalz) von einem Fahrgast ohne gültiges Ticket angegriffen worden und erlag am Mittwoch im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.
„Um 15 Uhr gedenken wir bei der Bahn dem gewaltsamen Tod unseres Kollegen Serkan C.“, tönt es an diesem so kalten und grauen Mittwochnachmittag aus den Lautsprechern am Pforzheimer Hauptbahnhof, Banderolen an den digitalen Abfahrtsanzeigen weisen auf die geplante Schweigeminute hin: Bei einer Ticketkontrolle im Regionalzug bei Homburg griff ein 26 Jahre alter Grieche den Zugbegleiter Serkan C. an – und versetzte ihm so schwere Faustschläge gegen den Kopf, dass er zwei Tage nach der Tat starb.
Die Bahn bittet am Mittwoch um Anteilnahme – die Realität sieht in Pforzheim leider anders aus. Auf dem Bahnsteig scheinen die Reisenden kaum Notiz vom Schicksal des Bahnangestellten zu nehmen. Es gibt keine Stille, um 15 Uhr werden an einem Gleis die nächsten Zugfahrten angesagt, an einem anderen zu Sauberkeit ermahnt. Die Welt dreht sich einfach weiter, genau wie die Räder auf den Schienen, die zum Tatort wurden.
Politik zeigt sich erschüttert
Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) zeigte sich fassungslos.
„Es ist furchtbar, dass ein Kundenbetreuer bei der normalen Ausübung seiner Arbeit ums Leben kommt – getötet durch rohe und sinnlose Gewalt.“
Auch die Regierungschefs von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer, und des Saarlandes, Anke Rehlinger (beide SPD), sagten, sie seien „geschockt“. „Diese schreckliche Gewalt gegen jemanden, der einfach seinen Job macht, lässt uns wütend und traurig zurück“, teilten sie mit.
Entsetzen über die Tat herrscht auch bei der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Aggressionen von Reisenden gegenüber Bahn-Mitarbeitenden auch in Zügen, die durch die Region Mannheim/Karlsruhe/Pforzheim rollen, seien in den vergangenen Jahren gestiegen, heißt es vonseiten eines regionalen EVG-Verantwortlichen. Im Fernverkehr, aber noch mehr im Nahverkehr, ausgehend von Jugendlichen bis vereinzelt auch Senioren. Mitarbeitende würden bespuckt, beleidigt, ihnen werde zwischen die Beine gegriffen – „es herrscht kein Respekt mehr, wenn jemand mit der Uniform kommt“, so der EVG-Funktionär auf PZ-Anfrage.
Angriffe keine Seltenheit
Angriffe auf Beschäftigte der Bahn sind bitterer Alltag in Deutschland: Von Januar bis Ende Oktober 2025 wurden 2.987 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahn Opfer von Straftaten. Darunter waren 1148 Fälle von Bedrohung, 1231 Fälle von Körperverletzung und 324 Fälle von gefährlicher Körperverletzung, so das Bundesinnenministerium.
Die EVG fordere schon seit Jahren einen besseren Schutz für die Beschäftigten im Zug und auch an den Bahnhöfen: Videoüberwachung, Bodycams mit Mikros zur Tonaufnahme, Pfefferspray. Ein zentrales Problem sieht die EVG im Personalmangel vor allem im Regionalverkehr. In der Regel ist nur ein einziger Zugbegleiter an Bord – „wir wollen aber zwei in Regionalzügen“, sagt der regionale EVG-Vertreter. Dass dies nicht der Fall ist, liegt aus Sicht der Gewerkschaft in den Ausschreibungen für den Regionalverkehr durch die Bundesländer. „Weil das Geld nicht da ist.“ Oft erhielten die günstigsten Anbieter den Zuschlag mit der Folge, dass am Personal gespart wird. Für die EVG ist das ein nicht mehr tragbarer Zustand. „Jeder Übergriff ist einer zu viel.“ Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert mehr Sicherheitspersonal in den Zügen. „Wir erkennen seit langer Zeit die wachsende Kriminalität und Brutalität auch im Bahnbereich“, sagte der GdP-Vorsitzende für den Bereich Bundespolizei, Andreas Roßkopf, der „Rheinischen Post“. Die Zahl der Angriffe gegenüber Polizeibeamten hingegen sei in den letzten fünf Jahren stagniert, so Alexander Uhr, Sprecher der Pforzheimer Polizei. Von 2024 auf 2025 seien sie sogar rückläufig. Ein anderes Bild zeige sich, betrachte man einen längeren Zeitraum. Da hätten die Anzahl der Angriffe gegenüber Polizisten zugenommen.
Vorfall in der S-Bahn
Und erst am Dienstagabend soll ein 33-Jähriger in der S-Bahn in Richtung Wendlingen auf Höhe von Vaihingen mehrere Kontrolleure bedroht haben. Der Mann war gegen 20.50 Uhr mit S1 unterwegs, als ein 30 Jahre alter Kontrolleur und seine 21-jährige Kollegin seinen Fahrschein kontrollieren wollten. Der 33-Jährige soll keine Fahrkarte gehabt haben und während der Kontrolle aggressiv geworden sein. Er soll dem Prüfpersonal gedroht haben, als diese ihn daran hindern wollten, an der Haltestelle Rohr zu flüchten. Weiteres Prüfpersonal eilte den beiden Kontrolleuren zu Hilfe. Gemeinsam übergaben sie den Tatverdächtigen alarmierten Polizeibeamten. Er wurde nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder auf freien Fuß gesetzt.
