Gemeinden der Region
Kriminalität -  04.02.2026
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Schaffner nach Angriff gestorben: Vorfall auch in S-Bahn bei Vaihingen

Die Deutsche Bahn ist zutiefst erschüttert über den gewaltsamen Tod eines Mitarbeiters. Der langjährige Kundenbetreuer sei am Montagabend während einer Fahrkartenkontrolle in einer Regionalbahn zwischen Landstuhl und Homburg (Rheinland‑Pfalz) von einem Fahrgast ohne gültiges Ticket angegriffen worden und erlag am Mittwoch im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Auch am Pforzheimer Hauptbahnhof wurde auf den Anzeigetafeln zu einer Schweigeminute aufgerufen.
Auch am Pforzheimer Hauptbahnhof wurde auf den Anzeigetafeln zu einer Schweigeminute aufgerufen. Foto: Türschmann

„Um 15 Uhr gedenken wir bei der Bahn dem gewaltsamen Tod unseres Kollegen Serkan C.“, tönt es an diesem so kalten und grauen Mittwochnachmittag aus den Lautsprechern am Pforzheimer Hauptbahnhof, Banderolen an den digitalen Abfahrtsanzeigen weisen auf die geplante Schweigeminute hin: Bei einer Ticketkontrolle im Regionalzug bei Homburg griff ein 26 Jahre alter Grieche den Zugbegleiter Serkan C. an – und versetzte ihm so schwere Faustschläge gegen den Kopf, dass er zwei Tage nach der Tat starb.

Die Bahn bittet am Mittwoch um Anteilnahme – die Realität sieht in Pforzheim leider anders aus. Auf dem Bahnsteig scheinen die Reisenden kaum Notiz vom Schicksal des Bahnangestellten zu nehmen. Es gibt keine Stille, um 15 Uhr werden an einem Gleis die nächsten Zugfahrten angesagt, an einem anderen zu Sauberkeit ermahnt. Die Welt dreht sich einfach weiter, genau wie die Räder auf den Schienen, die zum Tatort wurden.

Politik zeigt sich erschüttert

Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) zeigte sich fassungslos. „Es ist furchtbar, dass ein Kundenbetreuer bei der normalen Ausübung seiner Arbeit ums Leben kommt – getötet durch rohe und sinnlose Gewalt.“

Auch die Regierungschefs von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer, und des Saarlandes, Anke Rehlinger (beide SPD), sagten, sie seien „geschockt“. „Diese schreckliche Gewalt gegen jemanden, der einfach seinen Job macht, lässt uns wütend und traurig zurück“, teilten sie mit.

Entsetzen über die Tat herrscht auch bei der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Aggressionen von Reisenden gegenüber Mitarbeitenden auch in Zügen oder Bussen in der Region Mannheim/Karlsruhe/Pforzheim hätten in den vergangenen Jahren zugenommen, so die EVG. Im Fernverkehr der Bahn, aber häufiger im Nahverkehr, nicht nur in Zügen, sondern auch in Bussen. Mitarbeitende würden „bepöbelt, angespuckt und beleidigt“, sagt Jeffrey Harm, EVG-Geschäftsstellenleiter Mannheim, auf PZ-Anfrage. „Es herrscht kein Respekt mehr, wenn jemand mit der Uniform kommt“, so Ingo Kratz, EVG-Geschäftsstellenleiter in Karlsruhe.

Angriffe keine Seltenheit

Angriffe auf Bahn-Beschäftigte sind bitterer Alltag in Deutschland: Von Januar bis Ende Oktober 2025 wurden 2987 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Opfer von Straftaten. Darunter waren 1148 Fälle von Bedrohung, 1231 Fälle von Körperverletzung und 324 Fälle von gefährlicher Körperverletzung, so das Bundesinnenministerium.

Die EVG fordert seit Jahren einen besseren Schutz für die Beschäftigten. Videoüberwachung, Bodycams mit Mikros, Pfefferspray. Ein Problem sieht die EVG zudem im Personalmangel. In der Regel ist im Nahverkehr nur ein Zugbegleiter an Bord; zumindest bei höherem Passagieraufkommen auch in Verbindung mit besonderen Veranstaltungen „sollten sie zu zweit sein“, so die EVG-Vertreter. Dass dies nicht der Fall ist, liegt aus Sicht der Gewerkschaft auch an den Ausschreibungen für den Regionalverkehr durch die Bundesländer. Oft erhalte der günstigste Anbieter den Zuschlag mit der Folge, dass am Personal gespart wird. Für die EVG ist spätestens jetzt klar: „Es muss etwas passieren“, sagt Harm. Jeder Übergriff ist einer zu viel“, so Kratz.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert mehr Sicherheitspersonal in den Zügen. „Wir erkennen seit langer Zeit die wachsende Kriminalität und Brutalität auch im Bahnbereich“, sagte der GdP-Vorsitzende für den Bereich Bundespolizei, Andreas Roßkopf, der „Rheinischen Post“. Die Zahl der Angriffe gegenüber Polizeibeamten hingegen sei in den letzten fünf Jahren stagniert, so Alexander Uhr, Sprecher der Pforzheimer Polizei. Von 2024 auf 2025 seien sie sogar rückläufig. Ein anderes Bild zeige sich, betrachte man einen längeren Zeitraum. Da hätten die Anzahl der Angriffe gegenüber Polizisten zugenommen.

VG WORT Zählmarke