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Schömberg -  28.10.2023
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Schömberger Ski-Technikerin Tanja Bauer beim Biathlon-Weltcup

Schömberg. Für Tanja Bauer wird ein Traum wahr. Die ehemalige Biathletin vom WSV Schömberg kehrt nach einem einjährigen Intermezzo beim Schweizerischen Skiverband als Ski-Technikerin zu den Biathletinnen und Biathleten im Deutschen Ski-Verband (DSV) zurück.

Steigt in die 1. Liga ein: Tanja Bauer aus Schömberg.
Steigt in die 1. Liga ein: Tanja Bauer aus Schömberg. Foto: Kurt Bachmann

Dort präparierte sie schon einmal – von 2018 bis 2022 – die Langlauf-Bretter der deutschen Skijäger, allerdings in der 3. Liga, im Junior-Cup der Internationalen Biathlon-Union (IBU).

Als im April dieses Jahres die Anfrage des DSV kam, ob die 47-Jährige als Skitechnikerin im Weltcup, also in der 1. Liga, einsteigen möchte, musste Tanja Bauer nicht lange überlegen. Zumal das Engagement in der Schweiz nicht verlängert wurde. Und natürlich ist Tanja Bauer, die im Kollegenkreis scherzhaft gerne „Wachs-Hexe“ oder „Pulver-Fee“ genannt wird, wieder einmal die erste Frau, die diesen Job im Biathlon-Weltcup in einer reinen Männer-Domäne ausübt. „Ich freue mich total, das ist ein Aufstieg, definitiv“, sagt Tanja Bauer, die in ihrer aktiven Karriere in den 90er Jahren sechs Mal deutsche Biathlon-Meisterin gewesen ist, mit einem Strahlen im Gesicht.

Vor der Zusage, den Winter im imposanten Wachs-Truck des DSV zu verbringen, galt es wieder einmal, das Einverständnis des Arbeitgebers einzuholen. Das ist die Richard Wöhr GmbH in Höfen, wo Tanja Bauer als Feinmechanikerin angestellt ist. „Es ist einfach der Wahnsinn. Mein Chef hat gesagt, da musst du hin, das musst du machen. Das ist dein Ding. Ich bin meinem Arbeitgeber sehr, sehr dankbar für dieses Entgegenkommen.“ Also wird Tanja Bauer zwischen November und März an ihrem Arbeitsplatz in Höfen eher selten anzutreffen sein.

Jetzt im Oktober war erst mal Einkleidung der Mannschaften und Betreuer in München, danach ging es in die Skihalle in Oberhof, wo die neuen Ski getestet werden und wo sich auch das neue sechs-köpfige Techniker-Team unter der Leitung von Sebastian Hopf erstmals trifft und abstimmt. Da wird viel getüftelt und ausprobiert. Anschließend geht es ab 4. November zwölf Tage nach Norwegen – mit dem neuen Material. Der Wachs-Truck bleibt dann oben in Skandinavien. Nach einem kurzen Heimaturlaub findet dann ab dem 25. November der erste Biathlon-Weltcup im schwedischen Östersund statt. „Die Stimmung in der neuen, jungen deutschen Mannschaft mit dem neuen Trainerteam ist sehr, sehr positiv. Ich traue den Athletinnen und Athleten in dieser Saison einiges zu“, so Bauer, die im Wachs-Team ihren Beitrag dazu leisten möchte.

Was machen eigentlich die Skitechniker/innen? Sie haben dafür zu sorgen, dass der Ski, abhängig von den Schnee- und Wetterverhältnissen, optimal läuft. Da ist je nach Temperatur und Schneebeschaffenheit das richtige Wachs zu wählen, die Kanten sind zu schleifen. Und der Klimawandel macht gerade den Technikern immer mehr zu schaffen. „Man muss aufgrund der sich teilweise extrem schnell ändernden Temperaturen flexibler sein. Das Wetter muss intensiver beobachtet werden. Manchmal ist gar kein Schnee da, dann gilt es, sich auf Kunstschnee einzustellen. Das alles hat großen Einfluss auf unsere Arbeit“, so die Schömbergerin.

Tanja Bauer hofft, dass ihr Engagement im deutschen Weltcup-Team mindestens bis zu den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo andauert.

„Die olympischen Biathlon-Wettkämpfe, die in Antholz stattfinden, sind mein Traum. Da möchte ich dabei sein“, strahlt Tanja Bauer und fügt hinzu: „Das könnte dann vielleicht auch der Schlusspunkt meiner Karriere sein. Aber man weiß ja nie.“

Autor: Martin Mildenberger