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Friolzheim -  10.07.2026
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Schon vor der Einweihung: Kritik am neuen Friolzheimer Marktplatz

Friolzheim. Wenn die Sonne erbarmungslos von oben brennt, sehnt man sich nach Schatten, Wasser und einem lauen Lüftchen. Heizen sich öffentliche Plätze und versiegelte Flächen in Städten und Gemeinden im Sommer stark auf, ist der Aufenthalt dort kein Vergnügen. Und genau das ist die Befürchtung beim neu gestalteten Marktplatz in Friolzheim.

Friolzheim Neuer Marktplatz
Hell ist der Platz nahe des Rathauses geworden. Mehr als eine Million Euro waren dafür in den Haushaltsjahren 2024 bis 2026 eingeplant. Jetzt wird kritisiert, dass die Aufenthaltsqualität sehr gelitten hat. Foto: Röhr

Sabine Bank wohnt in der Gemeinde und hat sich mit ihrer Kritik an die „Pforzheimer Zeitung“ gewandt. Laut ihrer Meinung hat die Aufenthaltsqualität auf dem Marktplatz durch dessen Umgestaltung sehr gelitten: „Es hält sich dort niemand auf“, sagt sie. Aber nicht nur sie bemängelt die Neugestaltung, auch ein Architekt, der anhand von Bildern den Platz in Augenschein genommen hat, sowie auch einzelne Gemeinderatsmitglieder beanstanden den Umbau. Bürgermeister Michael Seiß hingegen, macht auf die Planung und die zahlreichen Beratungen im Gemeinderat und aufmerksam, in denen auch die Themen Wasser und Schattenspender diskutiert wurden.

Einweihung steht kurz bevor

In gut einer Woche, am 18. Juli, wird die „gute Stube der Gemeinde“ offiziell seiner Bestimmung übergeben, nachdem im Mai vergangenen Jahres mit den Umbauten begonnen wurde.

Auffallend hell ist der Platz, wenn man ihn sich anschaut und: Es gibt auffallend viel freie Fläche, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, eine langgezogene Sitzgruppe mit einem Blumenbeet in der Mitte und auch eine zum Rathaus hin. Man kann den Platz zum Beispiel für Veranstaltungen, Märkte und dergleichen nutzen, freie Fläche gibt es genug. Aber Grün, das für Schatten sorgen könnte, gibt es nur am Rand.

Die Sitzgelegenheiten stünden bei schönem Wetter in der prallen Sonne, sagt Sabine Bank. „Sich tagsüber dort aufzuhalten, ist nicht lustig“, betont sie.

Der Brunnen, der vor den Bauarbeiten dort stand, sei zudem „ersatzlos“ gestrichen worden. Geht man alte PZ-Berichte durch, sind inklusive des laufenden Haushaltsjahrs seit 2024 mehr als eine Million Euro für die neue Konzeption des Marktplatzes eingeplant gewesen – Fördergelder sind darin nicht inkludiert.

Bürgermeister verteidigt Konzeption

„Der Neugestaltung des Marktplatzes ist neben einem städtebaulichen Wettbewerb eine allgemeine, mehrschichtige Bürgerbeteiligung vorausgegangen“, sagt Bürgermeister Seiß auf PZ-Anfrage. Zahlreiche Wünsche, wie das Vorhandensein von Wasser, viel Platz für Festivitäten sowie ausreichend Parkflächen für die Anrainer seien in die Wettbewerbsbedingungen ebenfalls eingegangen, so der Rathauschef. Der Platz hat nach PZ-Informationen eine Wasservernebelungstechnik verbaut, die allerdings noch nicht aktiviert ist und erst bei der offiziellen Einweihung eingeschaltet werden soll.

Der neue Marktplatz sei ein riesiger Parkplatz, ohne dass man darauf parken dürfe, sagt hingegen Sabine Bank. Bei der Bürgerbeteiligung habe sie nicht mitgemacht, sagt sie. Aber: „Ich hätte im Leben nicht daran gedacht, dass man es so verbockt“, so die Seniorin.

Kritik aus dem Gemeinderat

Auch aus den Reihen des Friolzheimer Gemeinderats werden Stimmen laut, die betonen, dass auf Aufenthaltsqualität und das Thema Hitze nicht wirklich Rücksicht genommen worden sei. Zudem habe die Verwaltung einen vorgesehenen Trinkwasserbrunnen sowie Ladestationen für E-Bike aus der Planung herausgenommen. Wie sieht ein Experte den neugestalteten Platz? Hans Göz ist Vorsitzender der Architektenkammer Pforzheim-Enzkreis und schätzt anhand mehrerer Bilder die Gestaltung ein. Vor Ort war er zwar noch nicht, aber beim ersten Blick habe man den Eindruck, dass ein Hauptziel darin bestand, eine größtmögliche, zusammenhängende Fläche zu erzeugen, die keine Einschränkungen für unterschiedliche Veranstaltungen und Feste darstellt, sagt er auf PZ-Anfrage. Dies werde allerdings durch die mittig angeordnete Pflanzinsel mit Sitzmöglichkeit schon wieder konterkariert. Dass die Parkplätze am Rand des Platzes angeordnet worden seien, sei positiv zu werten.

Architekt: „Mehr Grün wagen.“

In seiner ersten Beurteilung betont er allerdings, dass „zukunftsorientierte innerörtliche Nutzungskonzepte Lebens- und Aufenthaltsqualität, Biodiversität und Klimawandel integrativ und wirkungsorientiert miteinander verbinden müssen“. „Mehr Grün wagen“, so sein Credo. „Die ehemalige Brunnenanlage hatte in Verbindung mit dem damals vorhandenen Baumbestand und den Sitzmöglichkeiten eine sehr hohe Aufenthaltsqualität, insbesondere im Hinblick auf seine schattenspendende und kühlende Wirkung“, sagt er. Einen vergleichbaren Ort habe die Neugestaltung nicht zu bieten. Die Sitzmöglichkeit in der Mitte des Platzes sei ohne räumlichen Halt und ohne Schatten das genaue Gegenteil dazu. Dazu komme, dass der Abgang von mindestens drei großen Bestandsbäumen am alten Brunnenstandort in Zeiten des Klimawandels und extremer Hitzeperioden mehr als fraglich und sehr bedauerlich sei.

Ein Kommentar von PZ-Redakteur Patric Kastner 

Einladend und als Ort zum Wohlfühlen – so stellt man sich idealerweise einen Marktplatz vor. Eine „gute Stube“ im Ort eben. Dass die Realität manchmal anders aussieht, ist kein Geheimnis: versiegelte Flächen und kaum Schatten. Das Platzangebot wird zwar dadurch voll ausgenutzt, aber brutzelt die Sonne ohne Unterlass und fehlen Schatten und Wasser, dann war’s das mit dem Wohlfühlfaktor. Wenn man sich dann den neugestalteten Marktplatz in Friolzheim anschaut, fällt es schwer, sich vorzustellen, dass man es dort an heißen Sommertagen länger als unbedingt nötig aushalten könnte – auch wenn Wasservernebler installiert worden sind. Eine Parkbank in der prallen Sonne gleicht dann doch eher einer heißen Herdplatte mit Aussicht. Kurzum: Mehr Grün wäre dringend nötig gewesen.