Schulleitung reagiert: Vandalismus an Pforzheimer Gymnasium beschäftigt Polizei und Stadt
Pforzheim. Dass der Vorfall vom Wochenende nichts mit seiner Schule im eigentlichen Sinn zu tun hat, ist doch sehr wahrscheinlich. Trotzdem nimmt sich der Direktor des Theodor-Heuss-Gymnasiums der Sache grundsätzlich an und schreibt eine Mail, die später zu einem Statement des Oberbürgermeisters führt. Der Auslöser: ein unförmiger, zinoberroter Penis und ein violettes Hakenkreuz. Was beide gemeinsam haben: Es sind oft die ersten Motive, die Pubertierende – meist Jungs – kritzeln, sprühen oder anderweitig in kreativ verirrter Machtpose auf Papier, Bänke oder Toilettenwände setzen.
Am Wochenende sind bislang unbekannte Täter auf das wie immer abgeschlossene Grundstück zwischen Enz und Zerrennerstraße eingedrungen und haben mit Sprühfarbe auf dem sicher ummauerten Schulgelände in Rot ihre „Künstlernamen“ sowie in Violett dann doch strafrechtlich relevante Schmierereien hinterlassen.
Schulleiter Harald Philipps arbeitet seit über 20 Jahren am Gymnasium, ist im dritten Jahr Schulleiter und sagt, er kenne den Laden hier doch ganz gut. Er grinst. Dabei hat er einen Tag zwischen Krisenmanagement, Öffentlichkeitsarbeit und dem normalen Unterricht hinter sich. In seinem Büro spricht er über den Vorfall, den er nicht herunterspielen will, und macht gleichzeitig klar: Es geht um das Areal, nicht um seine Schule. Nachdem er die Schmierereien am Montagmorgen gesehen habe, seien Polizei und Stadt benachrichtigt – und gleich eine Rundmail an die Elternschaft verschickt worden.
Schulleiter Philipps sagt: „Mir ist es wichtig, wenn die Schüler mittags nach Hause kommen, dass Eltern wissen, was Ihr Kind ‚mitbringt‘.“
Dazu fügt er den Text seiner später verlesenen Durchsage an. Volle Transparenz.
Vor 15 Uhr wurden dann die verfassungsfeindlichen Symbole – das Hakenkreuz und SS-Runen – von einer Malerfirma entfernt. Als Nächstes stehen dann der Penis und die „Tags“ (anonyme Künstlernamen von Graffiti-Sprühern) an. In diesem Zusammenhang fällt auch das Kürzel „T.C“, in Rot gesprüht, auf, das seit mindestens zwei Jahren immer wieder im Bereich um die Innenstadt auftaucht. Die Tischtennisplatte bleibt so lange gesperrt. Angesichts drängender Fragen, wann diese wieder bespielt werden darf, vielleicht das größte Problem für die Schüler.
Für Schulleiter Philipps kommt der Vorfall zur Unzeit. Jetzt, wo von G8 auf G9 hochgestuft wird, werden die Unterschiede zwischen den Gymnasien wieder geringer – Standortfaktoren wieder wichtiger. Und viele Eltern haben noch das Klischee der problematischen Innenstadtlage des Gymnasiums im Kopf. Ein Umstand, erklärt der Schulleiter, der sichtlich bemüht ist, die richtigen Worte zu finden, der Schülern weniger wichtig sei als guter Unterricht, Ausflüge, Freizeitfahrten. Und nicht nur wegen des eigenen Abteilungsleiters in Demokratiebildung sei dieses Angebot am Theodor-Heuss-Gymnasium groß: Schüler moderieren Events mit Kabarettisten oder Politikern. Am Freitag kommen die Kandidaten zur Landtagswahl. Hinzu sei die zentrale Lage für Fahrten in den Wald wie auch Spaziergänge zur Bibliothek oder zum Osterfeld ideal.
Die Polizei ermittelt nun wegen Sachbeschädigung sowie wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen und Volksverhetzung. Hinweise auf konkrete Tatverdächtige gebe es laut Polizei bislang nicht. Ob ein Bezug zur benachbarten Synagoge bestehen könnte, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen; derzeit gibt es jedoch keine verdichtenden Hinweise.
Auch die Stadt bewertet die Tat deutlich: Oberbürgermeister Peter Boch sagt:
„Das war kein harmloser Streich, sondern eine verabscheuenswürdige Tat, in der Verblendung und Hass zum Ausdruck kommen.“
Nach Angaben der Stadt ist aktuell von Kosten in Höhe von 2000 Euro auszugehen. In diesem Ausmaß gab es an Pforzheimer Schulen bislang keine Schmierereien.
