Sechs Monate nach Flughafenkontrolle des GU-Türkischer SV Pforzheim: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Bandenhehlerei und Geldwäsche
Pforzheim. Die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart hat beim Landgericht Mannheim Anklage gegen zwei Pforzheimer Edelmetallhändler erhoben. Das hat sie am Donnerstagmorgen mitgeteilt. Zurück geht dies auf die Kontrolle des damaligen Fußball-Verbandsligisten GU-Türkischer SV Pforzheim im Februar am Stuttgarter Flughafen. Als Teil einer Reisegruppe war das Team damals auf dem Weg in ein Trainingslager in der Türkei.
Die Männer, von denen einer die deutsche und einer die türkische Staatsangehörigkeit hat, sollen hinter der Fassade ihres Unternehmens Straftaten begangen haben, bis sie in Untersuchungshaft kamen: Das war am 12. März, also vor nun gut einem halben Jahr.
Die beiden sollen arbeitsteilig vorgegangen sein und ihr Geschäftsmodell in gemeinsamer Verantwortung und mit gleichen Gewinnanteilen betrieben haben. Am Mannheimer Gericht wird die Wirtschaftsstrafkammer zuständig sein.
Die Anklage legt beiden insbesondere gemeinschaftliche gewerbsmäßige Bandenhehlerei in 190 Fällen sowie gemeinschaftliche Geldwäsche zur Last. Die Generalstaatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Angeschuldigten Gewinne in Millionenhöhe erzielten!
Zunächst kauften die Männer gestohlene edelmetallhaltige Stoffe, die sie dann zur Verschleierung der Herkunft einschmolzen und schließlich in Edelmetalle und Geld umwandelten. Dazu nutzten die Angeschuldigten laut Anklage auch eine Halle mit verschiedenen Geräten zur Edelmetallanalyse und -verarbeitung, insbesondere Schmelzöfen im Landkreis Calw. Den Ermittlungen zufolge erlangten die Männer zwischen Januar 2020 und Februar 2026 Edelmetalle im Wert von rund 50 Millionen Euro. Die machten sie den Erkenntnissen der Ermittler zufolge zu Geld und schafften den Erlös teilweise außer Landes.
Das konnte am 7. Februar am Stuttgarter Flughafen verhindert werden. Wie Ermittlungen nahelegen, hatten die beiden Angeschuldigten kurz vor dem Flug nach Antalya 27 Personen Briefumschläge mit Beträgen zwischen 4000 Euro und 9900 Euro gegeben. Damit hätten alle unbehelligt ausreisen können. Insgesamt wurden bei der Kontrolle 217.830 Euro sichergestellt. Der aufgrund dieses Sachverhalts bestehende Verdacht der Geldwäsche gegen die 27 anderen Personen ist Gegenstand gesonderter Verfahren. Auch dauern die Ermittlungen gegen „derzeit neun weitere Beschuldigte“ an. Diese Personen sollen von den beiden nun in Untersuchungshaft sitzenden Männern in deren aus Ermittlersicht kriminelle Unternehmungen eingebunden worden sein.
Für den Verein folgten turbulente Zeiten, die zu einem Insolvenzverfahren führten, das mittlerweile mangels Maße eingestellt wurde. Nach Verlust von Personal und dem Rückzug aus der Verbandsliga hat die GU-Türkischer SV in dieser Saison lediglich mit einem Not-Team im Pokal und zum Kreisliga-Auftakt gespielt. Dann hat der Insolvenverwalter die Kreisliga-Mannschaft abgemeldet.
