Sie war immer für die Bedürftigen da: Trauer um Pforzheimer Stimmenkönigin Hella Marquardt
Pforzheim. Das Bundesverdienstkreuz hat sie bekommen, die meisten Stimmen aller Pforzheimer Kandidaten bei der Gemeinderatswahl, aber das stand für Hella Marquardt nicht im Mittelpunkt. Dass sie mit ihrem unermüdlichen Engagement von vielen als das soziale Herz der Stadt bezeichnet wurde, dann schon eher – denn genau das war ihr wichtig: Hilfe zu leisten für Menschen, die darauf angewiesen waren. Am vergangenen Freitag hat dieses Herz aufgehört zu schlagen: Neun Monate vor ihrem 90. Geburtstag ist Hella Marquardt nach kurzer, schwerer Krankheit im Kreis der Familie gestorben.
Sie hinterlässt ihren Mann Hans, drei Söhne, fünf Enkel – und ein neues werdendes Leben; Uroma zu werden, war ihr um kurze Zeit nicht vergönnt, berichtet ihr Sohn Christian. Ihre Familie hätte es ihr gewünscht, sie selbst aber hat ihr ganzes Leben lang an andere gedacht. „Sie war sehr sozial“, sagt ihr Mann Hans, dem die gebürtige Odenwälderin nach Pforzheim gefolgt war, wohin ihn sein Berufsweg geführt hatte.Einige Zeit arbeitete die gelernte kaufmännische Angestellte im Kaufhaus Merkur, dem späteren Horten und Galeria Kaufhof, dann kümmerte sie sich um die Familie, die drei Söhne, und fand ihre Berufung im sozialen Engagement.
„Sie hat versucht, die Not zu lindern“, wie ihr Mann sagt.
Unter anderem mit HilfssendungenAber auch in der eigenen Heimatstadt – arme Kinder, Menschen mit Behinderungen, Senioren: Pforzheim bot der tief im Glauben und der katholischen Gemeinde St. Franziskus verwurzelten Christin ein weites Betätigungsfeld. Nicht nur beim Beheben materieller Not, auch im Kampf gegen Vereinsamung, gegen Ausgrenzung, fürs Teilnehmen am Leben und besonders an dessen fröhlichen Seiten.
Spender und gute Kontakte zu Wirten und Beschickern ermöglichten es Hella Marquardt Jahr für Jahr, mit Kindern. Sie konnte aber auch anders. Zum Beispiel, wenn ihr bei ihrem karitativen Wirken Steine in den Weg gelegt wurden. Wenn die Stadtpolitik sich von ihrer wenig sozialen Seite zeigte. Auch innerhalb ihrer eigenen Partei, der CDU, war sie dann gefürchtet – und nicht ohne Grund unterstützte sie 2009 den SPD-Mann und langjährigen Sozialbürgermeister Gert Hager bei dessen erfolgreicher Kandidatur als OB. Er revanchierte sich, nicht aus Kalkül, sondern tiefstem Herzen:
„Ihre „hohe soziale Kompetenz und ihre uneingeschränkte Zuwendung zu Hilfebedürftigen, unabhängig von Herkunft, Partei oder Status“ hob er in seiner Laudatio heraus, als er ihr 2010 das Bundesverdienstkreuz verlieh.
Die Parteifreunde aber hatten sie damals nach 34 Jahren im Gemeinderat nicht mehr nominiert. Die Quittung folgte: Ohne ihre Stimmenkönigin verlor die CDU fünf ihrer zuvor 18 Sitze.
Ein kurzzeitiges Intermezzo in der städtischen Sozialpolitik gab Hella Marquardt dann zwei Jahre später als beratendes Ausschussmitglied für die Freien Wähler/Unabhängigen Bürger, bevor sie sich ganz aufs Ehrenamt konzentrierte, bis in jüngere Zeit unter anderem als Spendensammlerin fürs PZ-Hilfswerk „Menschen in Not“ und vielfach auch im Hospiz.
Die Trauerfeier für Hella Marquardt findet am Mittwoch, 28. Januar, um 13 Uhr auf dem Hauptfriedhof statt.
