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Enzkreis -  05.12.2021
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Spontan und am Tag: Einbrecher schlagen trotz Pandemie in der Region zu

Enzkreis/Kreis Calw. Herbstzeit – Einbruchszeit. An dieser Regel ändert auch die Corona-Pandemie nichts. Zwar sind die Menschen mehr zuhause, aber die Einbrecher finden laut Polizei trotzdem immer wieder Gelegenheiten und schlagen zu. Die PZ zeigt, wie die Situation im Enzkreis und dem Kreis Calw aktuell aussieht – und worauf man achten sollte.

Wenn sich die Gelegenheit bietet, schlagen Einbrecher zu. In letzter Zeit in der Region wieder vermehrt.
Wenn sich die Gelegenheit bietet, schlagen Einbrecher zu. In letzter Zeit in der Region wieder vermehrt.

„Im Vergleich der Herbstmonate September bis November untereinander haben wir sowohl im Enzkreis als auch im Kreis Calw einen Anstieg zu verzeichnen“,

sagt Frank Weber, Sprecher des Polizeipräsidiums in Pforzheim.

Eine wichtige Rolle dürfte dabei die dunkle Jahreszeit spielen. „Für Einbrecher ergeben sich damit mehr gute Gelegenheiten, unbehelligt zu Werke zu gehen“, so Weber. Vor diesem Hintergrund habe die Polizei ihre Präsenz- und Kontrollmaßnahmen entsprechend verstärkt.

Wann finden die meisten Einbrüche statt?

Die Mehrzahl der seit September registrierten Taten fand laut Weber über den Tag und in den Abendstunden statt. „Im direkten Vergleich der beiden Landkreise liegt der Schwerpunkt nach absoluten Zahlen im Enzkreis“, so Weber.

Wohnungen und Häuser oder Firmen und andere Einrichtungen – wo wird häufiger eingebrochen?

Wegen der Corona-Pandemie sind die Menschen zeitweise mehr daheim. Laut Polizei spiegelt sich das auch in den Einbruchsdelikten wieder:

„Sollten wieder umfassende und breit angelegte Maßnahmen der Kontaktbeschränkung getroffen werden, rechnen wir damit, dass Objekte wie Firmen, Gaststätten oder Kirchen bevorzugt im Fokus von Einbrechern stehen könnten“,

sagt Weber.

Auf diesen Fall sei die Polizei vorbereitet und beziehe bereits jetzt entsprechende Gebäude in die Streifentätigkeit mit ein.

Was tut man, wenn man einen Einbrecher beobachtet?

„Wenn ein möglicher Einbrecher durch den Nachbargarten schleicht, dann heißt es sofort die 110 wählen. Und zwar im Zweifelsfall lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig“, macht Weber deutlich.

Wenn bei einem selbst eingebrochen wird, während man zuhause ist, ist laut Weber die wichtigste Regel, sich selbst und andere nicht in Gefahr zu bringen.

„Vermeiden Sie jede Konfrontation und stellen Sie sich dem Einbrecher keinesfalls in den Weg“,

so Weber.

Stattdessen sollte man versuchen, Haus oder Wohnung zu verlassen und Nachbarn zu informieren. Falls das nicht möglich ist, sollte man laut Polizei das Fenster öffnen und um Hilfe rufen. Weber erklärt weiter: „Verständigen Sie sofort die Polizei unter 110 und geben Sie ihr eine möglichst gute Beschreibung des Täters und seines eventuell eingesetzten Fluchtfahrzeugs.“

Wie beeinflusst die Corona-Pandemie das Thema?

Eine abschließende Bilanz ist laut Weber noch nicht möglich, man rechne jedoch nicht damit, dass Corona unter dem Strich das Thema Wohnungseinbrüche nachhaltig verändern wird. Durch Ausgangsbeschränkungen seien zwar Gelegenheiten für potenzielle Einbrecher verloren gegangen, mittlerweile gebe es diese Gelegenheiten aber durch den Wegfall der Beschränkungen wieder.

Wie gefährlich ist es, seine Urlaubspläne zum Beispiel in sozialen Netzwerken kundzutun?

„Natürlich ist es grundsätzlich richtig und wichtig, nur einem entsprechend begrenzten Personenkreis seine Urlaubspläne zu offenbaren. Nach unseren Erkenntnissen spionieren Einbrecher infrage kommende Objekte jedoch zumeist nicht in größerem Umfang vorher aus“,

so der Polizeisprecher.

Vielmehr sei es in der weit überwiegenden Zahl der Fälle eine mehr oder weniger spontane Entscheidung der Täter. „Dabei nutzen sie günstige Gelegenheiten, wie schlecht gesicherte Türen, Fenster oder Terrassentüren, rigoros aus“, sagt Weber. Aber auch die Anonymität, zum Beispiel in Hochhäusern oder Wohnanlagen, komme ihnen vielfach zu Gute.

Wie kann man sich vor Einbrechern schützen?

Die Polizei verweist dazu auf ihre Präventionsangebote: Unter www.k-einbruch.de gibt es Hinweise für den Einbruchschutz. Zudem ist die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle unter der Nummer (07231) 1861240 telefonisch zu erreichen.

So haben sich die Einbruchszahlen entwickelt

Im Vergleich der Jahre 2019 und 2020 sind die Wohnungseinbruchsdiebstähle im Bereich des Polizeipräsidiums Pforzheim (umfasst Pforzheim, den Enzkreis, den Landkreis Calw und Freudenstadt) zurückgegangen, sogar stärker als im Landestrend (minus 27 Prozent) um 30 Prozent. Waren es 2019 noch 297 Fälle, so wurden 2020 noch 208 Fälle verzeichnet. Die Fallzahlen erreichten damit ein Zehnjahrestief. Im Enzkreis gab es von 2019 auf 2020 einen Rückgang der Wohnungseinbrüche um 20 Prozent, im Landkreis Calw gingen die Taten um 23 Prozent zurück.

Die Aufklärungsquote wurde laut Polizei um nahezu zehn Prozentpunkte auf 18,3 Prozent gesteigert. Damit sei laut dem Pforzheimer Polizeipräsidenten Wolfgang Tritsch nahezu jeder fünfte Wohnungseinbruch aufgeklärt worden. Im Enzkreis steigerte sich die Aufklärungsquote von 2019 bis 2020 um 4 Prozent, im Landkreis Calw um 28 Prozent.

In den Jahren 2011 bis 2014 waren im Bereich des Polizeipräsidiums Pforzheim die Einbruchszahlen zum Teil sprunghaft angestiegen und hatten im Jahr 2014 mit 961 Fällen ihren Höhepunkt erreicht. Seither ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen, der auch dem Landestrend entspricht.