Stark im Abschluss, schwach im Sprint: Die Saisonbilanz des Karlsruher SC
Karlsruhe. Es war eine Zweitliga-Saison mit Höhen und Tiefen für den Karlsruher SC. Wieder einmal. Das Ergebnis: ein Mittelfeldplatz (Rang zehn). Wieder einmal. Das kann man gut finden, weil die Karlsruher die gesamte Saison über nicht ein einziges Mal auf einem Abstiegsplatz standen. Das kann man schlecht finden, weil das Team von Christian Eichner eine dauerhafte Entwicklung Richtung oberes Tabellendrittel vermissen lässt.
Das ist auch der Grund, warum sich der Verein für den Sommer zum Trainerwechsel entschlossen hat. Unter Maximilian Senft, der aus Österreich vom SV Ried kommt, wird sich nun zeigen, ob im Kader verborgenes Potenzial schlummert, wie es der Verein vermutet. Oder ob Christian Eichner angesichts begrenzter wirtschaftlicher Mittel schon alles aus dem Kader herausgekitzelt hat, wie es Kritiker des Trainerwechsels befürchten.
Die Zahlen der abgelaufenen Saison belegen jedenfalls, dass die Karlsruher aktuell da hingehören, wo sie stehen: im Tabellenmittelfeld. Positiv fallen die Effektivität im Abschluss und die gute Bilanz gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte auf, negativ die hohe Zahl der Gegentore, läuferische Defizite und die miese Bilanz gegen Spitzenteams. Die PZ hat die Statistiken auf verschiedenen Plattformen durchsucht und ausgewertet.
Karlsruher Stärken
Erfolge gegen die Kellerkinder: 44 Punkte haben die Karlsruher geholt, 31 davon gegen die acht Mannschaften, die hinter dem Tabellenzehnten ins Ziel einliefen. Und 26 dieser 31 Punkte wurden gegen die letzten sechs der Tabelle geholt. Das ist eine überzeugende Bilanz und zeigt: Der KSC ist zu stark, um abzusteigen.
Der Kapitän geht voran: Was wäre der Karlsruher SC ohne Marvin Wanitzek. Der badische Club mag in der 2. Liga nur Mittelmaß sein, sein Kapitän ist ein Spitzenspieler. Mit 24 Scorerpunkten (15 Tore/9 Vorlagen) landete „Wanne“, wie er von den Mitspielern gerufen wird, in der Endabrechnung auf Rang zwei, hinter Noel Futkeu (25 Punkte) von der Spvgg Fürth. Gleichauf mit Wanitzek kam Fabian Reese von Hertha BSC ins Ziel. Zweitbester Karlsruher ist Fabian Schleusener, der es auf beachtliche 16 Punkte brachte (11/5).
Torhungrig: 53 Tore hat Karlsruhe erzielt, das ist der sechstbeste Zweitliga-Wert in dieser Saison. Spitze sind hier die 64 Tore von Aufsteiger Elversberg, Minusrekord die 33 Tore von Absteiger Fortuna Düsseldorf. In der Torjägerliste landete Marvin Wanitzek auf Rang vier hinter Futkeu (19), dem Darmstädter Isac Lidberg und dem Magdeburger Mateusz Zukowski (beide 17). Die weiteren Karlsruher Torjäger waren Schleusener (11), sowie Louey Ben Farhat und Shio Fukuda (je 6).
Effektivität: Es ist eine subjektive Einschätzung, ob eine Torannäherung letztlich als Chance gewertet wird, oder nicht. Das Fußballmagazin Kicker tut das dennoch. Für den KSC zählten die Statistiker des Fachmagazins vergangene Saison 153 Chancen. Damit liegen die Badener weit hinter den Topmannschaften von Elversberg (216) und Hannover (215). Dass die Karlsruher aus diesen 153 Chancen aber 53 Tore machten, beschert ihnen einen Spitzenwert, weil sie 34,6 Prozent ihrer Tormöglichkeiten genutzt haben.
Ein Großteil der Konkurrenz kommt auf eine Chancenverwertung von unter 30 Prozent. Das zeigen auch die sogenannten Expected Goals (xGoals). 1,36 xGoals haben die Statistiker im Schnitt pro Partie für den KSC errechnet. Das ist nicht wirklich viel. Dass die Eichner-Elf aber mit 1,56 Toren pro Spiel den eigenen xGoal-Wert deutlich übertrifft, macht sie so gefährlich.
Karlsruher Schwächen
Nicht stark genug für die Spitze: Neun Mannschaften landeten in der Endabrechnung vor dem KSC. Gegen diese Mannschaften holte Karlsruhe ganze 13 Pünktchen. Gegen die Top Sechs waren es sogar nur sieben.
Lahme Sprinter: Insgesamt laufen die Karlsruher Spieler nicht wenig. 4011 Kilometer in den 34 Spielen sind Platz sechs im Liga-Ranking, das von Dresden (4154) angeführt wird. Allerdings ist diese Tabelle wohl weniger aussagekräftig, was die Endplatzierung in der Tabelle betrifft, bedenkt man, dass Aufsteiger Elversberg mit 3993 Kilometern im Kilometer-Ranking nur auf Platz 15 einläuft und der Tabellenfünfte Darmstadt gar nur 17. wird.
392,96 Kilometer hat KSC-Kapitän Marvin Wanitzek in der zurückliegenden Zweitliga-Saison auf dem Fußball-Feld zurückgelegt. Das ist im vereinsinternen Vergleich der Spitzenwert. Auf Rang zwei folgt dicht dahinter David Herold mit 392,13.
Aussagekräftiger scheinen andere läuferische Kategorien zu sein wie Sprints und intensive Läufe. Beide Male landete Karlsruhe auf hinteren Plätzen. Bei den Sprints auf Rang 13, bei den intensiven Läufen auf Rang 14. In beiden Kategorien landen passenderweise die Absteiger Münster und Düsseldorf sowie Relegationsteilnehmer Fürth noch hinter Karlsruhe, während Meister Schalke bei den athletischen Laufkategorien die Plätze eins und drei belegt.
Wenig Zug zum Tor: Mit 412 Torschüssen in 34 Partien schneidet Karlsruhe schlecht ab. Das reicht nur zu Rang 16 vor Fürth und Münster.
Schießbude: Ginge es nach den Gegentoren, wären die Karlsruher abgestiegen. Die 64 Gegentore werden nur von der Spvgg Greuter Fürth (68) übertroffen. Das Problem ist seit Jahren bekannt, abgestellt wurde es bislang nicht. Das Karlsruher Problem zeigt sich auch bei den xGoals. Die Karlsruher Gegner kamen im Schnitt auf 1,73 pro Spiel. Das ist absoluter Spitzenwert in der Liga. Kein anderes Team ließ so viele Chancen zu.
Den alten Spruch, dass die Offensive Tickets verkauft und die Defensive Titel gewinnt, bestätigten Meister Schalke 04 (31 Gegentore) und Mitaufsteiger Elversberg (39).
