Steuern in der PZ-Region: Bei den Gemeinden gibt es deutliche Unterschiede
Enzkreis. Pforzheim/Enzkreis/Kreis Calw. Während wenige Kommunen in der Region von hohen Steuereinnahmen profitieren, liegt die große Mehrheit klar unter dem Landesdurchschnitt.
Kostenlose Kitaplätze, Schwimmbäder, eine großzügige Vereinsförderung – was sich Gemeinden leisten können, hängt vor allem von einem ab: den Einnahmen, insbesondere den Steuereinnahmen. Diese sind in Baden-Württemberg 2025 leicht zurückgegangen – und auch im Enzkreis zeigt sich ein klares Bild: Die Mehrheit der Kommunen liegt deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 1862 Euro an Steuereinnahmen je Einwohner.
Wie die Zahlen des Statistischen Landesamtes zeigen, erreichen nur sechs der 28 Enzkreis-Gemeinden höhere Pro-Kopf-Steuereinnahmen als der Durchschnitt im Land. An der Spitze steht Birkenfeld mit rund 2900 Euro je Einwohner – mehr als 50 Prozent über dem Landeswert. Dahinter folgen Wimsheim, Sternenfels und Mönsheim, die ebenfalls deutlich überdurchschnittliche Einnahmen erzielen.
Breite Masse deutlich darunter
Ganz anders sieht es für viele andere Kommunen aus: Mühlacker, Remchingen oder Maulbronn liegen rund ein Viertel unter dem Landesdurchschnitt. Noch deutlicher fällt der Abstand in kleineren Gemeinden aus: In Kämpfelbach etwa betragen die Steuereinnahmen pro Einwohner nur gut 1000 Euro – rund 40 Prozent weniger als im Landesmittel. Insgesamt zeigt sich eine große Spannweite innerhalb des Enzkreises: Sie reicht von fast 2900 Euro (Birkenfeld) an der Spitze bis zu knapp 1080 Euro je Einwohner in Kämpfelbach am unteren Ende. Unterreichenbach im Kreis Calw steht mit 777 Euro sogar noch deutlich schlechter da.
Der Grund für diese Unterschiede liegt vor allem in der Gewerbesteuer. Sie machte in Baden-Württemberg rund 43,9 Prozent der Steuereinnahmen der Städte und Gemeinden aus. Kommunen mit starken Gewerbebetrieben profitieren von deutlich höheren Einnahmen, während reine Wohnorte stärker vom Anteil an der Einkommensteuer abhängig sind. Diese fällt stabiler aus, sorgt aber selten für Spitzenwerte.
Ähnliches Bild im Kreis Calw
Ein vergleichbares Muster zeigt sich auch im benachbarten Kreis Calw. In Schömberg, Bad Wildbad, Dobel, Höfen, Unterreichenbach und Enzklösterle liegen die Steuereinnahmen pro Einwohner ebenfalls unter dem Landesdurchschnitt. Gerade kleinere und strukturschwächere Gemeinden haben es schwer, an die Werte größerer Gewerbestandorte heranzukommen. Gleichzeitig sind sie weniger anfällig für starke Schwankungen, wie sie bei der Gewerbesteuer auftreten können.
Große Schwankungen
Wie groß die jährlichen Unterschiede sein können, zeigt der Vergleich mit dem Jahr 2024. Damals kam Mönsheim auf sagenhafte Pro-Kopf-Steuereinnahmen von 13.446 Euro – und stürzte 2025 um über 80 Prozent auf 2453 Euro ab, weil die Gewerbesteuereinnahmen nach einem Hoch in den Jahren 2023 und 2024 wieder einbrachen. Wenngleich Kämmerer Andreas Scheytt auf das Steuergeheimnis verweist, dürfte es kein großes Geheimnis sein, dass der wirtschaftliche Erfolg der Gemeinde stark von jenem von Porsche abhängt. Im aktuellen Haushalt kalkuliere man nun mit 3,8 Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen, sagt Scheytt. Sei aber „hoffnungsfroh“, dass sich der Ansatz künftig wieder um 500.000 Euro erhöhen könne.
„Es hängt vom Gewinn der Unternehmen ab“,
sagt Scheytt.
Ispringen kann sich über den gegenteiligen Fall freuen. Dort sind die Steuereinnahmen von 2024 auf 2025 um mehr als 80 Prozent angestiegen. „In Ispringen machen die Gewerbesteuereinnahmen und damit einhergehend die Leistungen im Kommunalen Finanzausgleich seit Jahren eine Berg- und Talfahrt“, sagt die dortige Kämmerin Michaela Sieber. Der ungewöhnlich hohe Anstieg liegt laut der Finanzexpertin an zwei Faktoren: zum einen an dem Einbruch an Gewerbesteuereinnahmen im Jahr 2024 und zum anderen am Mechanismus des Kommunalen Finanzausgleichs, wonach sich Änderungen in der Gewerbesteuer erst zwei Jahre später ausgleichend auswirken. Hohe Gewerbesteuereinnahmen im Jahr 2022 hätten im Jahr 2024 zu geringeren Zuweisungen und höheren Umlagen geführt. „Insoweit wurden wir im Jahr 2024 doppelt bestraft‘“, erklärt Sieber. Dies führe umgekehrt dazu, dass Ispringen im Jahr 2026 ungewöhnlich hohe Zuweisungen aus dem Finanzausgleich erhalte und wenig Umlagen bezahlen müsse. Prognosen für die kommenden Jahre seien schwer zu treffen. „Dies liegt daran, dass es in Ispringen einen großen Gewerbesteuerzahler gibt, der Zweidrittel der gesamten Gewerbesteuereinnahmen ausmacht. Derzeit liegen wir bei etwa 1,5 Millionen Euro und es gibt zum jetzigen Zeitpunkt keine Anhaltspunkte, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern könnte“, erklärt die Kämmerin. Auf die Kreisumlage und den Finanzausgleich verweist auch der Leiter der Birkenfelder Finanzverwaltung, Andreas Seufer. Es sei falsch, zu sagen, dass Birkenfeld aufgrund der erhöhten Steuereinnahmen eine „reiche Gemeinde“ sei. Denn zum einen erfolge nahezu keine Finanzierung über Zuweisungen und die Mehreinnahmen würden wieder umverteilt. So werde das Geld 2027 über die zu zahlende Kreisumlage und den Finanzausgleich wieder entzogen.
Weniger Einnahmen insgesamt
Landesweit sind die Steuereinnahmen der Städte und Gemeinden im Jahr 2025 leicht gesunken. Nach Angaben des Statistischen Landesamts lag das Aufkommen bei 20,9 Milliarden Euro – ein Minus von 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem die Gewerbesteuer brach deutlich ein.
Aber wie schaut es im Enzkreis aus? Neulingens Bürgermeister Michael Schmidt ist Vertreter der hiesigen Kommunen im baden-württembergischen Gemeindetag und sagt dazu der PZ: „Die finanzielle Situation der Gemeinden im Enzkreis und natürlich im ganzen Land ist im zweiten Jahr in Folge äußerst angespannt. Während zwischen 2010 und 2023 noch nahezu Überschüsse erwirtschaftet wurden, basierten diese bereits ab 2020 auf Sondereffekten wie Hilfsprogrammen von Bund und Land.“ Sorge bereite, dass aktuell keinerlei Anzeichen einer gesamtwirtschaftlichen Erholung bestünden. Ergo sei auch mittelfristig mit defizitären Haushalten zu rechnen.
Auswege aus der Situation seien begrenzt, da Gemeinden im Bereich der Realsteuern die Grundsteuer anpassen und sonstige Gemeindesteuern – etwa Hundesteuer, Zweitwohnungssteuer – erhöhen könnten. Betrachte man letztere Gemeindesteuern, so machen diese aber lediglich 1,7 Prozent der Einnahmen aus. „Ebenso wenig lassen sich die Ausfälle über eine Anpassung der Hebesätze bei der Grundsteuer nicht ansatzweise kompensieren“, so Schmidt. Zumal das Land den Bürgern vor der Grundsteuerreform eine Aufkommensneutralität versprochen hat. Dies binde zwar die Gemeinden nicht, solche Zusagen seien jedoch eine kommunalpolitische Hypothek. „Es bleibt festzuhalten, dass die Gemeinden systematisch und in erster Linie von den Gemeindeanteilen der Einkommens- und Umsatzsteuer und der Gewerbesteuer abhängen.“
Die Gemeinden im Überblick
Steuereinnahmen 2025 der Gemeinden in der PZ-Region pro Kopf:
- Birkenfeld – 2.909 €
- Wimsheim – 2.651 €
- Sternenfels – 2.463 €
- Mönsheim – 2.453 €
- Heimsheim – 2.027 €
- Knittlingen – 1.935 €
- Illingen – 1.807 €
- Ötisheim – 1.729 €
- Ölbronn-Dürrn – 1.660 €
- Höfen an der Enz (Calw) – 1.640 €
- Keltern – 1.594 €
- Königsbach-Stein – 1.559 €
- Friolzheim – 1.556 €
- Bad Wildbad (Calw) – 1.554 €
- Neuhausen – 1.491 €
- Straubenhardt – 1.456 €
- Tiefenbronn – 1.427 €
- Mühlacker – 1.422 €
- Remchingen – 1.420 €
- Wurmberg – 1.390 €
- Maulbronn – 1.384 €
- Neuenbürg – 1.384 €
- Wiernsheim – 1.382 €
- Schömberg (Calw) – 1.291 €
- Neulingen – 1.295 €
- Kieselbronn – 1.286 €
- Eisingen – 1.276 €
- Dobel (Calw) – 1.199 €
- Ispringen – 1.171 €
- Engelsbrand – 1.133 €
- Niefern-Öschelbronn – 1.132 €
- Enzklösterle (Calw) – 1.121 €
- Kämpfelbach – 1.079 €
- Unterreichenbach (Calw) – 777 €
